Schmidt Bank Weiterhin am Tropf

Das angeschlagene Geldinstitut benötigte 2002 rund 200 Millionen Euro Zuschuss, um über die Runden zu kommen. Von den im Sanierungsplan formulierten Zielen ist man weit entfernt. Sanierer Wieandt kündigt weitere Einschnitte an.

Hof - Nur dank eines weiteren Zuschusses der Mehrheitsgesellschafter und durch Bürgschaften für Not leidende Kredite in Höhe von jeweils 100 Millionen Euro sowie auf Grund des Buchgewinnes aus dem Verkauf der Consors AG konnte die angeschlagene Schmidt Bank ihren Jahresverlust 2002 auf "nur" eine Million Euro beschränken. Dies erklärte Vorstandschef Paul Wieandt am Montag während der Hauptversammlung und kündigte gleichzeitig weitere tief greifende Einschnitte an.

Nach einem operativen Verlust von 1,3 Milliarden Euro war die 1828 gegründete Privatbank im November 2001 von einem Bankenkonsortium übernommen und im Herbst 2002 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden.

"Massive Defizite im Kreditgeschäft"

In einer in der deutschen Bankengeschichte einmaligen Stützungsaktion bürgte der Einlagensicherungsfonds für Not leidende Kredite von bis zu 540 Millionen Euro und leistete darüber hinaus einen Barzuschuss von 344 Millionen Euro. Die Hälfte des verbleibenden Verlust war Mitte des vergangenen Jahres durch einen Kapitalschnitt auf Null gedeckt worden.

Einer der Auslöser für die Schieflage der Bank waren laut Wieandt Wertberichtigungen in Höhe von fast 700 Millionen Euro. "Die Hauptursache dafür lag in massiven Defiziten bei der Organisation des Kreditgeschäfts", sagte der im Herbst 2001 als Sanierer eingesetzte neue Vorstandsvorsitzende.

Mittlerweile wurden 50 von 120 Filialen in Nordostbayern, Thüringen und Sachsen geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter zum 31. Dezember des vergangenen Jahres um 500 auf 1500 reduziert.

Prognose für 2003 nicht rosig

Auch die Prognose für das laufende Jahr sieht nach Angaben Wieandts nicht rosig aus. Für das erste Quartal weist die Bank einen Verlust von acht Millionen Euro aus - das ist doppelt so viel wie geplant. Dieser Trend habe sich auch im zweiten Quartal fortgesetzt."

Von der für Frühjahr 2005 geplanten Rückkehr der ehemaligen Privatbank zu einem leicht positiven Ergebnis ist die neue Führung noch weit entfernt. Trotz des im Sommer 2002 erfolgten Kapitalschnitts sind die gut 75 Millionen neuen Aktien praktisch wertlos. Eine Milliarde Euro hatten die alten und neuen Besitzer bereits im Krisenjahr 2001 zuschießen müssen. Im ersten Jahr des grundlegenden Umbaus der 1828 gegründeten Bank sind weitere 200 Millionen Euro dazu gekommen.

Verlust höher als geplant

Die im Businessplan bis zum Jahr 2005 prognostizierte Verlustsumme von 70 Millionen Euro wurde schon im ersten Sanierungsjahr um fast das Dreifache überschritten.

Zwar reduzierten sich die Verbindlichkeiten gegenüber Banken binnen Jahresfrist um 1154 auf 662 Millionen Euro. "Dies war aber nur durch den massiven Liquiditätszufluss, die sowie die Verkaufserlöse aus der Veräußerung von Tochtergesellschaften möglich", erklärte der Sanierer.

Obwohl die Zahl der Filialen nahezu halbiert, die Personalkosten durch den Abbau von 500 Stellen um rund zehn Prozent auf 96,6 Millionen Euro und die Verwaltungskosten um 14,3 Prozent auf 70,8 Millionen Euro gesenkt wurden, sind weitere massive Einschnitte nötig. Die Bank müsse sich so schnell wie möglich aus der Schere zwischen sinkenden oder stagnierenden Erträgen und gleich bleibenden beziehungsweise nicht schnell genug sinkenden Kosten befreien.

Entlastung von Schmidt erneut vertagt

Die Entlastung des ehemals persönlich haftenden Gesellschafters Karl Gerhard Schmidt und der früheren Aufsichtsräte hat die Hauptversammlung am Montag erneut vertagt. Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Bilstein will erst den Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Schmidt und die Schadensersatzansprüche gegen den Ex-Bankchef und zwei weitere Komplementäre abwarten.

Schmidt Bank: Verstoß gegen die kaufmännische Sorgfalt

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