RWE Topmanager zum Rapport

Konzernchef Harry Roels verteidigt den umstrittenen Konzernumbau, der rund 250 Millionen Euro kostet. Doch langfristig soll es sich lohnen: Jeder Führungsposten komme auf den Prüfstand, sagte Roels. Doch die Einigung mit den Kommunen könnte teuer werden.

Essen - Angesichts des geplanten Konzernumbau der RWE AG zeigt sich der neue Chef des Energieversorgers, Harry Roels, entschlossen. "Ich will nicht auf der 'Titanic' die Liegestühle des Sonnendecks neu arrangieren, ich will einen Kurswechsel, sagte er dem Nachrichtenmagazin "DER SPIEGEL".

"Grob geschätzt kostet uns das einmalig etwa 250 Millionen Euro", bestätigte Roels. Im Vergleich zu den jährlichen Einsparungen von 300 Millionen Euro "lohnt es sich also durchaus". In den nächsten Monaten komme innerhalb des Konzerns "jeder Führungsposten auf den Prüfstand."

Der Energiekonzern werde sich außerdem nach Aussage des ehemaligen Shell-Vorstands auf das organische Wachstum konzentrieren. "Die Ära der großen Expansion ist abgeschlossen."

Strom- und Gasgeschäft gemeinsam

Roels hatte in der vergangenen Woche seine Umbaupläne vorgelegt. Demnach sollen das bislang getrennte Strom- und Gasgeschäft zusammengeführt sowie Erzeugung (RWE Power) und Vertrieb (RWE Energy) in zwei Sparten getrennt werden. Die Zahl der Führungsgesellschaften wird von 13 auf 7 verringert. Die Umstrukturierung bedeutet gleichzeitig den Abbau von 1.000 Stellen.

Kritik der kommunalen Anteilseigner

Roels verteidigte seine Konzernumbaupläne. In den nächsten Tagen wolle er den kommunalen Anteilseignern, die vergangene Woche heftig gegen die Umbaupläne protestiert hatten, ein "akzeptables Angebot vorlegen". Der Konzernchef könnte die kommunlaen Aktionäre mit einer Beteiligung an einer der neuen Regionalgesellschaften besänftigen, berichtet das "Handelsblatt". Die Kommunen könnten einen Anteil an der geplanten Regionalgesellschaft Nord erhalten, hieß es. Im Gegenzug sollen sie der Eingleiderung von RWE GAs in RWE Energy zustimmen. Scheitert eine Einigung, müsste RWE die Kommunen bei RWE GAs auskaufen.

Roels räumte im SPIEGEL-Interview ein, dass er im Poker um den Stammsitz der neu zusammengelegten Energiesparte eine Niederlage erlitten habe. Die Idee, die Energietochter RWE Power mit zwei Zentralen in Köln und Essen auszustatten, sei nicht von ihm gewesen.

Roels will unter anderem den RWE-Vorstand nach der Verkleinerung auf nur noch vier Mitglieder eventuell erneut umbauen. Die geschrumpfte Spitze bleibe "bis auf weiteres". Vielleicht würden es auch wieder mehr, sagte Roels.

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