Deutsche Bahn Rückzieher

Die alte BahnCard soll zu einem deutlich höheren Preis wiederkommen. Umweltschützer loben die Änderungen am Preismodell. Unterdessen wird Kritik an Konzernchef Mehdorn laut.

Frankfurt am Main - Nach einer breiten Protestwelle gegen die Preispolitik der Bahn und dem Verlust zahlreicher Kunden will das Unternehmen die alte BahnCard offenbar wieder aufleben lassen. Wie "Der Spiegel" berichtet, soll die Wiedereinführung des 50-prozentigen Rabattes statt der heutigen 25 Prozent jedoch mit einer deftigen Preiserhöhung für den Erwerb der BahnCard einhergehen. Umweltschützer begrüßten die Kehrtwende des Unternehmens.

Ein Sprecher der Bahn wollte den "Spiegel"-Bericht am Samstag in Berlin weder bestätigen noch dementieren. Man werde die Darstellung nicht kommentieren, hieß es lediglich.

Statt der bis Mitte Dezember 2002 fälligen 140 Euro für die zweite Klasse beziehungsweise 280 für die erste Klasse solle die BahnCard künftig 200 beziehungsweise 400 Euro kosten, heißt es im "Spiegel". Auf die ursprünglich im Gegenzug erwogene Abschaffung der Frühbucherrabatte solle zunächst verzichtet werden. Die Spartarife sollten vielmehr bis zum Jahresende weiter gelten.

Lob vom Umweltschutzverband BUND

Der Umweltschutzverband BUND nannte die Umstellung auf die alten Konditionen für die BahnCard ein "richtiges Signal, um das Vertrauen der Stammkunden wieder zurückzugewinnen". Allerdings gab der Verband zu bedenken, dass die teurere BahnCard mit 50-prozentiger Ermäßigung nur flexiblen und allein reisenden Vielfahrern zugute komme. Der BUND erwartet daher, dass Bahnchef Hartmut Mehdorn dem Aufsichtsrat des Unternehmens am 2. Juli auch Verbesserungen für junge Menschen und Senioren vorlege.

Unterdessen hat der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff das gegenwärtige Tarifsystem der Bahn als "Schlag ins Wasser" kritisiert. Dem Fernsehsender N-TV sagte der CDU-Politiker, die Preisreform habe enorme Schäden zur Folge, weil die Zahl der Bahnnutzer zurückgegangen sei.

"Zwei Vorstände sind in die Wüste geschickt worden mit einem goldenen Handschlag, mit viel Geld, und der Vorstandsvorsitzende Mehdorn hat sich das Gehalt aufgebessert und seinen Vertrag auf fünf Jahr verlängern lassen", sagte Wulff und fügte laut N-TV hinzu: "Ich halte das für ein ganz schlechtes Signal, generell und ganz besonders in Zeiten, in denen den Menschen Opfer abverlangt werden."

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