Metrorapid Vor die Wand gefahren

Die SPD in Nordrhein-Westfalen hat das Magnetbahn-Projekt Metrorapid gekippt. Die Milliarden-Unterstützung vom Bund soll nun in ein S-Bahn-Projekt fließen. Die beteiligten Konzerne Siemens und ThyssenKrupp wurden offenbar völlig unvorbereitet getroffen, in ersten Kommentaren ist die Rede von Stellenabbau.

Düsseldorf - "Wir verzichten auf den Metrorapid", heißt es in einem am Freitag im Düsseldorfer Landtag verbreiteten vorläufigen Positionspapier von Peer Steinbrück (SPD) mit dem Titel "Düsseldorfer Signal für Erneuerung und Konzentration", das manager-magazin.de vorliegt. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident nannte als Grund für die Absage die finanziellen Risiken, die weder im Haushalt des Bundes noch des Landes abgesichert werden könnten.

"Unter diesen Bedingungen müssen wir uns gegen das Wünschenswerte und für das Mögliche entscheiden", schreibt Steinbrück weiter. Statt des glamourösen Hightech-Zuges soll nun eine biedere Metro-S-Bahn zwischen Dortmund und Köln pendeln. Vorteil für das Land Nordrhein-Westfalen: Der Bund würde das Projekt finanziell unterstützen.

Die Nachrichtenagentur Reuters will erfahren haben, dass die für die Magnetschwebebahn vorgesehenen 1,75 Milliarden Euro Bundesgelder keinesfalls in das Metrorapid-Projekt München fließen sollen, sondern in weitere Schienenprojekte in NRW. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums schränkte allerdings ein, dass die Neuverwendung der Gelder zunächst sowohl von der Bundesregierung als auch von den Ländern abgesegnet werden müsse.

Münchener Magnetschwebebahn nicht in Gefahr

Nicht gefährdet ist nach Aussage des Ministeriumssprechers die Unterstützung der Magnetschwebebahn in Bayern. "Wir stehen zu unseren Zusagen", hieß es. Mit einem Bundeszuschuss von 550 Millionen Euro ist die Verbindung zwischen dem Münchener Flughafen und der Innenstadt deutlich günstiger als das Großprojekt im Westen der Republik.

In München bekräftigten dagegen Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber (CSU) und Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) das Festhalten am Bau der dortigen Magnetschwebebahn. Bei der Eröffnung des zweiten Münchner Flughafenterminals sagte Stoiber, Deutschland brauche eine Referenzstrecke für das Hochtechnologieprojekt Transrapid: "Nur dann ist deutsche Spitzentechnologie glaubwürdig und hat im internationalen Wettbewerb eine Chance."

Im Freistaat lasse sich der Transrapid wirtschaftlich und effektiv realisieren. Stolpe betonte: "Wir machen das hier. Wir werden ihn gemeinsam schaffen." Die früher erhoffte Fertigstellung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 werde zwar nicht klappen, der Transrapid solle aber gebaut werden, sagte er.

Bestürzung bei Thyssen und Siemens

Bestürzung bei Thyssen und Siemens

"Es könnte sein, dass die NRW-SPD das Projekt noch heute kippt", hatte es schon am Vormittag aus Fraktionskreisen geheißen. Am Mittag bewahrheiteten sich die Gerüchte. Der Metrorapid war einer der Streitpunkte in der NRW-Koalition mit den Grünen, die Steinbrück zuletzt infrage gestellt hatte. Ein Zusammenhang mit dem Widerstand des kleinen Koalitionspartners kann daher nicht ausgeschlossen werden.

An dem Metrorapid-Projekt sind unter anderem die Konzerne ThyssenKrupp  und Siemens  beteiligt. ThyssenKrupp liefert Fahrzeuge, Antrieb und Schienentechnik, während Siemens für die Leittechnik verantwortlich ist.

Offenbar zweifelt Steinbrück auch an der Zuverlässigkeit der Konzerne. So heißt es an anderer Stelle in dem Papier: "Ebenso unsicher ist, ob eine tragfähige Projektstruktur mit privaten Unternehmen zu Stande kommt."

Auf Nachfrage von manager-magazin.de zeigte ThyssenKrupp sich überrascht. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die Strecke gebaut werde, sagte ein Sprecher. Von der Entscheidung der Landesregierung erfuhren die Verantwortlichen demnach aus der Presse.

Angst um den Arbeitsplatz

Bei der Thyssen Transrapid System GmbH in Kassel herrschte schnell Angst vor Arbeitsplatzabbau. "Die Belegschaft steht nach dieser Nachricht unter Schock", sagte der Betriebsratsvorsitzende Hendrik Jordan am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Die Entscheidung habe katastrophale Auswirkungen auf den Standort Deutschland. "Ich kann nur hoffen, dass der Transrapid wenigstens noch in München gebaut wird", sagte Jordan.

ThyssenKrupp erwägt nach eigenen Worten nun einen Kapazitäts- und Stellenabbau in Deutschland. "Das wäre eine Strecke weniger, mit der wir gerechnet hatten", sagte ein Konzernsprecher am Freitag.

"Entscheidung mit großem Bedauern aufgenommen"

Er verwies darauf, dass sein Unternehmen nach dem Aus für die einstmals geplante Referenzstrecke zwischen Hamburg und Berlin im Februar 2000 seine damalige Transrapid-Belegschaft von 200 in etwa halbiert habe. Nach dem Auftrag aus China sei die Belegschaft wieder auf rund 300 erhöht worden. Im Geschäftsjahr 2001/02 steuerte der Transrapid den Angaben zufolge rund 300 Millionen Euro zum Konzernumsatz von 36,7 Milliarden Euro bei.

Betroffen äußerten sich auch die Verantwortlichen des Konsortiums Transrapid International an dem ThyssenKrupp und Siemens zu gleichen Teilen beteiligt sind. Das Gemeinschaftsunternehmen ist für die Vermarktung der Magnetschwebebahn verantwortlich.

"Die Entscheidung haben wir mit großem Bedauern aufgenommen", so eine Sprecherin. Über weitere Schritte werde in den kommenden Tagen entschieden.

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