Corporate Governance Jetzt sind die Kontrolleure dran

Die Cromme-Kommission will das Aufsichtsratssystem deutscher Konzerne auf den Prüfstand stellen. Auch in Sachen Hauptversammlung sehen die Verantwortlichen Änderungsbedarf.

Berlin - "In der Kommission werden demnächst Fragen der weiteren Entwicklung des Kodex zu diskutieren sein, deren Schwerpunkt klar im Bereich Aufsichtsrat liegt", sagte der Leiter der Corporate Governance Kommission, Gerhard Cromme, in Berlin.

Cromme sprach sich dafür aus, sowohl die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder als auch der Mandate von Vorständen zu begrenzen. Die vom Kodex empfohlene Höchstzahl von fünf Aufsichtsratssitzen für Vorstände sei "eher eine großzügige Obergrenze", die möglicherweise weiter reduziert werde.

Der Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp  müsste dann auch vor der eigenen Haustür kehren. Cromme besetzt in der deutschen Konzernlandschaft zehn Kontrolleurssitze.

Cromme zog eine positive Zwischenbilanz der Arbeit der Kommission. Die überwiegende Mehrheit der großen deutschen Unternehmen habe den Kodex für die Führung und Überwachung börsennotierter Unternehmen bereits weitgehend akzeptiert. Der Kodex gibt Handlungs- und Verhaltensempfehlungen für die Leitung und Kommunikation von Börsengesellschaften vor. Die Empfehlungen sollen das gestörte Vertrauen von Anlegern und Finanzmärkten in die Konzerne wiederherstellen.

Rolf-E. Breuer: "Kühnste Erwartungen getroffen"

Mit Blick auf die Vergütung von Aufsichtsräten befürwortet Cromme den Vorschlag einer Mischung aus einer fixen und einer variablen Komponente, wobei die Gewichtung noch zu klären sei. Bei den Bezügen von Vorständen bekräftigte er den Vorschlag, Chefgehälter aus einem festen und einem erfolgsabhängigen Teil und vor allem "transparent und nachvollziehbar" zu gestalten. Der Kodex regt unter anderem an, Manager-Gehälter offen zu legen, woran sich bisher aber nur wenige Konzerne halten.

In einer ersten Reaktion begrüßten die Aufsichtsratschefs Rolf-E. Breuer und Martin Kohlhaussen von der Deutschen Bank  und der Commerzbank  gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die Vorschläge. "Das deckt sich mit meinen kühnsten Erwartungen", sagte Breuer mit Blick auf die Reduzierung der Aufsichtsratsmandate von Vorständen. Anders als bisher lehnten viele Vorstände auf Grund des Arbeitsaufwandes und der Haftung einen Posten im Aufsichtsrat mittlerweile sogar ab.

Breuer und Kohlhaussen, die jeweils jahrelang an der Spitze ihrer Geldhäuser standen, verteidigten zugleich die häufige Regelung, dass Vorstandschefs nach ihrer Amtszeit an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln. Dadurch sei eine hohe Fachkenntnis gewährleistet, sagte Kohlhaussen. Dies müssten aber Fallentscheidungen bleiben, sagte Breuer. "Das darf kein Automatismus werden."

Der Wechsel von Vorstandschefs in den Aufsichtsrat war jüngst bei einigen Unternehmen von Aktionärsseite kritisiert worden, da die Vorstände für die schlechte Lage des Unternehmens verantwortlich gemacht wurden.

Mitbestimmung in der Kritik

Anpassungsbedarf beim Thema Mitbestimmung

Cromme verteidigte erneut das deutsche "duale System" von Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Trennung gewährleiste die Ausbalancierung der Kräfte und fördere die Transparenz der unternehmerischen Entscheidungen.

Kritisch äußerte er sich zur Mitbestimmung. Die paritätischen Zusammensetzung des Aufsichtsrats von Kapital- und Arbeitnehmerseite bestehe nur in Deutschland, und der Aufsichtsrat müsse künftig in seiner Zusammensetzung und Arbeitsweise der Internationalität des Unternehmens gerecht werden. "Hier besteht ein dringender Anpassungsbedarf", betonte Cromme.

Schluss mit der HV-Selbstdarstellung einzelner Aktionäre

Die Corporate Governance Kommission will sich auch für eine effizientere und straffere Gestaltung von Hauptversammlungen stark machen. Die Verantwortlichen drängen vor allem auf eine Verringerung der Anfechtungsrisiken und auf eine zeitliche Begrenzung von Hauptversammlungen.

Deutsche-Bank-Kontrolleur Breuer - der zugleich dem Bundesverband deutscher Banken vorsteht - forderte eindringlich eine Reform des Hauptversammlungswesens. So werde das Fragerecht der Aktionäre zu häufig zur "Selbstdarstellung" missbraucht. Man müsse "Querulantenaktionären" Herr werden, etwa dadurch, dass es für das Rederecht eine Mindestbeteiligung an der Firma gebe.

Vorstandsgehälter: Wer verdient am besten? Corporate Governance: Die neuen regeln der Cromme-Kommission

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