WestLB Saunders kämpft auf verlorenem Posten

Trotz milliardenschwerer Geschäftspartner im Hintergrund schwinden die Chancen der Investmentbankerin Robin Saunders: Ein Management-buy-out ihres Geschäfts in London passt nicht in das Konzept der WestLB.
Von Christian Buchholz

Hamburg / London / Düsseldorf - Und wenn Robin Saunders sich noch so bemüht, bei vielen Verantwortlichen in und um die WestLB ist die Noch-Angestellte der Landesbank keine Symphatieträgerin mehr.

Zwar wiederholt die attraktive Investmentbankerin mit Bilderbuchkarriere seit Wochen, sie wolle das von ihr geleitete Geschäft der WestLB in London künftig in Eigenregie führen.

Doch die Entscheider in Düsseldorf fürchten, mit einem solchen Deal den Spott der Branche auf sich zu ziehen. "Saunders hat das gesamte Principal-Finance-Geschäft in London in Schieflage gebracht. Jetzt will sie die Rosinen aus der Verkaufsmasse picken", unken ihre Kritiker.

Diesen Beigeschmack gilt es beim geplanten (und immer konkretere Formen annehmenden) Verkauf der Londoner Sparte der WestLB zu vermeiden.

Saunders: "Bin bereit, zu bieten"

Unbeirrt versucht die Londonerin trotzdem, so lang wie möglich mitzumischen. "Robin Saunders ist bereit, zu bieten", sagte ihr Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Durch Zusagen von potenziellen Investoren würde die Investmentbankerin nun über ausreichend Mittel verfügen, um für die Principal-Finance-Sparte mit zu bieten.

Dabei geht es Saunders aber nicht um das gesamte Paket, sondern lediglich um jenes Business, das sie als "Managing Director of Asset Securitisation" leitet. Konkret bekundet Saunders Interesse an dem Firmen-Portfolio, das sie vor fünf Jahren für die WestLB aufzubauen begann. Es sind Beteiligungen an fünf britischen Unternehmen: Der Scotch-Whisky-Produzent Kyndal (Marke: White & Mackay), die Kneipenkette Pubmaster, die Odeon Cinemas, die Kaufhauskette British Homestore und der Versorger Mid Kent Water.

Ausdrücklich verneinte der Sprecher ein Interesse von Saunders an Geschäften, die sie zwar angebahnt aber nicht permanent begleitet habe: Weder die Beteiligungen am Neubau des Wembley-Stadions noch jene an dem in Schieflage geratenen TV-Geräteverleiher Boxclever interessiere sie, ebenso wenig das Formel-1-Engagement der WestLB. Die Zuständigkeiten für diese Angelegenheiten seien in andere Bereiche in London und Düsseldorf gewandert.

Der dankbare Milliardär im Hintergrund

Der dankbare Milliardär im Hintergrund

Ohne diese milliardenschweren Brocken dürfte der Kaufpreis für Saunders Portfolio im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen. Aus Unternehmenskreisen wurde bekannt, dass sowohl Personen aus dem Umfeld von Formel-1-Eminenz Bernie Ecclestone wie auch der britische Milliardär Philip Green zu den potenziellen Investoren gehören, die Saunders zur nötigen Kaufsumme verhelfen wollen.

Green konnte dank Saunders Mitwirken die Einzelhandelskette British Homestore übernehmen. Saunders selbst soll daraufhin von ihm mit einem Aktienpaket belohnt worden sein, dass ihr allein im vergangenen Jahr eine Sonderdividende von 2,5 Millionen Euro einbrachte.

Zudem dürfte Saunders, die WestLB-Vorstandschef Jürgen Sengera 1998 bei der Deutschen Bank (Deutsche Morgan Grenfell) abwarb, noch weitere Mittel aus ihrem Privatvermögen für den beabsichtigen Kauf aufbringen - schließlich liegt ihr (nicht bestätigtes) Jahressalär bei etwa 16 Millionen Euro. Von denen könnte sie für den Schritt in die Selbständigkeit einige aktivieren.

Saunders bestreitet Verantwortung für Schieflage

Doch auch wenn die blonde Topmanagerin finanziell bestens gerüstet in den Startlöchern steht - der bisher noch geheim gehaltene Prüfbericht der Finanzaufsicht BaFin könnte sie vorzeitig aus dem Rennen werfen: Wenn nämlich der Prüfbericht Saunders persönliche Versäumnisse vorwirft.

Schließlich werden laut WestLB-Vorstandschef Sengera potenzielle Käufer des Geschäfts in London nicht nur nach ihren Geboten ausgesiebt: Es müsse auch garantiert sein, dass die Sparte in "gute, sichere Hände übergeht".

Saunders jedenfalls wäscht ihre Hände zumindest im Fall Boxclever in Unschuld: "Ich war nicht mehr direkt in das Management des Unternehmens involviert, nachdem der Einstiegs-Deal erfolgt war", sagt sie. Dasselbe, so ihr Sprecher gelte auch für das Formel-1- und das Wembley-Geschäft.

Saunders fehlt die Lobby

Die Hürde "BaFin-Prüfung" soll Saunders bereits genommen haben. Angeblich bemängelt der Bericht zwar auf das Schärfste, dass die Zuständigkeiten zwischen verschiedenen Abteilungen der WestLB schlecht geregelt waren. So sollen dringende Entscheidungen intern verschleppt und verschoben worden sein, nachdem die Kreditrisiken in London bereits erkannt worden waren. Aus dem Bericht geht laut Aufsichtsratskreisen aber nicht hervor, dass Saunders eine Hauptschuld an dem Debakel trägt.

Trotzdem hat die Bankerin kaum Möglichkeiten, die Verantwortlichen bei der WestLB unter Druck und ihren angestrebten Deal durch zu setzen. Dafür fehlt ihr eine Lobby. Zumal sich in Düsseldorf bereits Interessenten für das komplette Principal-Finance-Geschäft in London gemeldet haben sollen.

BaFin: Prüfer gehen mit WestLB hart ins Gericht WestLB: Robin Saunders läuft sich warm WestLB: Deutsches Geld für Briten-"Heiligtum"


Mehr lesen über Verwandte Artikel