Porsche Absatz-Tuning

Vorstandschef Wiedeking will den Verkauf drastisch auf 100.000 Stück hochdrehen. Und das unabhängig davon, ob der "4. Porsche" auf den Markt kommt oder nicht.

Ischgl - Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking hält für den Stuttgarter Sportwagenhersteller auf mittlere Sicht eine Absatzsteigerung um mehr als 50 Prozent auf jährlich 100.000 Autos für möglich. "Ich glaube, dass die Zahl im Mittelfristbereich erreichbar ist, aber noch nicht in den nächsten ein bis zwei Jahren", sagte Wiedeking bei der Vorstellung des neuen Carrera 4S im österreichischen Ischgl.

Die Exklusivität, die Porsche  in den Augen der Kunden bewahren will, wäre damit seiner Ansicht nach nicht beeinträchtigt. Selbst mit den bestehenden drei Baureihen 911, Boxster und Cayenne sei der Verkauf von 100.000 Einheiten möglich.

Gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD) äußerte sich Wiedeking zudem über das Kostensparpotenzial: Demnach wolle er die Stückkosten "definitiv um mehr als fünf Prozent sinken", zehn Prozent seien aber kaum zu erreichen. Die Kostenstrukturen wolle man sich "zuerst beim Cayenne, aber dann auch bei unseren nächsten Sportwagen-Generationen" prüfen.

In dem am 31. Juli zu Ende gehenden Geschäftsjahr 2002/03 will das Zuffenhausener Unternehmen 65.000 Autos absetzen, wie Wiedeking bekräftigte, davon rund 16.000 Cayenne. "Wir sind ganz zufrieden. Wäre der Irak-Konflikt nicht gekommen, wäre es uns noch etwas besser gegangen", fügte er hinzu. Im ersten vollen Cayenne-Modelljahr 2003/04 nimmt Porsche nach früheren Angaben mehr als 75.000 Einheiten ins Visier. Ohne den geländegängigen Sportwagen waren 2001/02 gut 54.200 Boxster und 911er verkauft worden.

Zum Jahresende Entscheidung über neues Modell

Gleichzeitig bekräftigte Wiedeking die vage Prognose für das Geschäftsjahr, wonach Porsche Umsatz und Ertrag erneut steigern wollte. Analysten erwarten rund 930 (2001/2002: 828,9) Millionen Euro Vorsteuergewinn. "Wir werden unsere konservative Bilanzierungspolitik aufrechterhalten", sagte er dazu nur. "Für uns ist wichtig, dass wir Dellen in der Konjunktur abfedern können."

In den ersten neun Monaten bis April hatte der Cayenne die Einbußen bei den Sportwagen mehr als ausgleichen können. Nur in Deutschland liegen die Absatzzahlen auch inklusive des Cayenne um 4,2 Prozent unter Vorjahr. Rabatte bei Porsche, wie sie die großen Volumenhersteller in den USA eingeführt haben, schloss der Vorstandschef dennoch kategorisch aus. "Das wäre ein Griff in die Kasse der Altkunden", weil damit die Wiederverkaufswerte gebrauchter Autos sänken, erläuterte er.

Zu einer möglichen vierten Baureihe hielt sich Wiedeking weiter bedeckt. "Da haben wir keine Hektik", sagte er nur. Die Entscheidung, ob es eine vierte Modellreihe geben und wie diese aussehen soll, war zunächst für April 2003 angekündigt worden, soll nun aber frühestens Ende des Jahres fallen. Auf den Markt könnte ein solches Modell frühestens 2008 kommen.

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