Deutsche Bahn Die Franzosen erobern den Hindenburgdamm

Erneut eine bittere Niederlage für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn - demnächst kutschiert die zum Vivendi-Konzern gehörende Nord-Ostsee-Bahn die Urlaubswilligen auf die Nordseeinsel Sylt.

Kiel - Hartmut Mehdorn hat als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG zurzeit wirklich nicht viel zu lachen. Erst muss er nach einem faktischen Passagierstreik das Scheitern des seit Monaten in der Kritik stehenden neuen Tarifkonzepts eingestehen, und dann kommt ihm auch noch eine der prominentesten und lukrativsten Strecken abhanden.

Wie der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Rohwer (SPD) am Donnerstag mitteilte, wird die 240 Kilometer lange Zugverbindung zwischen Hamburg und der Nordseeinsel Sylt nämlich ab Dezember 2005 für zehn Jahre von der zum französischen Vivendi-Konzern gehörenden Nord-Ostsee-Bahn (NOB) betrieben werden.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte zuvor betont, ein Verlust der Strecke Hamburg-Westerland wäre bitter. Jetzt kommentierte ein Konzern-Sprecher die Niederlage mit dem Satz: "Wir haben ein Top-Angebot abgegeben. Das ist eben Wettbewerb."

Schleswig-Holstein setzt seit 2001 auf den Wettbewerb im Bahn-Nahverkehr. Mit dem Ausschreiben der Verkehrsleistungen sollen Kosten gesenkt werden. Hamburg-Westerland war die zweitlängste Strecke, die bisher in Deutschland ausgeschrieben wurde. Der Anteil der Deutschen Bahn am Schienennetz in Schleswig-Holstein geht mit der jüngsten Vergabe auf 47 Prozent zurück. Den Rest teilen sich fünf Anbieter.

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