WestLB Sieben Tage bis zum Showdown

Die Sonderprüfung der Finanzaufsicht BaFin über Verlust-Investments der Bank in London nähert sich dem Ende. BaFin-Präsident Sanio äußert sich schon jetzt besorgt über Geschäfte der Star-Managerin Robin Saunders.

Düsseldorf - Die WestLB AG, Düsseldorf/Münster, könnte wegen ihrer sogenannten "Co-Investments" in Großbritannien unter Druck geraten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) habe eine Überprüfung derartiger Praktiken in Deutschland angekündigt, schreibt die "Financial Times Deutschland" (FTD).

Aufsichtsrechtlich relevante Konflikte durch Kreditgeschäfte könnten bei Investments der WestLB-Bankerin Robin Saunders vorliegen, schreibt die Zeitung. "Wir werden uns zu diesem Thema nicht äußern, bevor die BaFin ihre Untersuchung abgeschlossen hat", sagte WestLB-Sprecher Hans Albers gegenüber manager-magazin.de. Die Landesbank habe die Prüfung im April selbst beantragt. Wann die Wirtschaftsprüfer der BaFin Ergebnisse präsentieren werden, ist offen, Branchenkreise nennen den 18. Juni.

Box-Clever-Abenteuer kostete 430 Millionen Euro

Die WestLB-Managerin Robin Saunders galt bis vor kurzem noch als Star der Prinicipal-Finance-Szene (Spezialfinanzierungen) in London. Einer der jüngsten großen Deals von Saunders war die Finanzierung des neuen Wembley-Stadions.

In den vergangenen vier Jahren trug das gesamte Spezialfinanzierungs-Geschäft der WestLB nach eigenen Angaben stetig rund 50 Prozent zu Ergebnis bei. Nun läuft der Motor jedoch nicht mehr ganz so rund. Vor allem durch einen schiefgelaufenen Deal mit der TV-Geräte-Leasingfirma Box Clever ist Saunders ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Aufgrund mehrerer WestLB-Kredite an Box Clever tauchte im Mai ein Wertberichtigungsbedarf von 430 Millionen Euro auf, der den Jahresverlust 2002 auf 1,7 Milliarden Euro steigen ließ.

Die Sonderprüfung der BaFin soll nun klären, ob bei der Kreditvergabe ein Interessenkonflikt bestand. Da die WestLB selbst an Box Clever beteiligt ist, könnte sie als Kreditgeber Geld nachgeschossen haben, um das Beteiligungsengagement zu retten. Das Abwägen der Risiken, wie es ansonsten bei jeder Kreditvergabe üblich ist, wäre dann durch das Eigeninteresse der Bank außer Kraft gesetzt und somit über Gebühr ausgereizt worden.

Sanio: "Sollte dies stimmen, wäre ich entsetzt"

Ein Interessenkonflikt, den jedes "Co-Investment" birgt. Die FTD zitiert einen BaFin-Sprecher mit den Worten, dass ein solcher Konflikt im Fall der WestLB "kein theoretischer geblieben sei". BaFin-Präsident Jochen Sanio soll laut FTD dazu bemerkt haben: "Sollte dies stimmen, wäre ich ziemlich entsetzt."

WestLB-Sprecher Albers bestreitet allerdings, dass die Leiterin der Principal-Finance-Sparte in London eigenmächtig einen oben beschriebenen Deal durchgesetzt haben könnte: "Robin Saunders gehört zu einem Team, in dem Entscheidungen von mehreren Personen gecheckt und getragen werden. In der jetzt laufenden Untersuchung werden Prozessabläufe geprüft - es geht hier nicht um Personaldiskussionen."

Das Handelsblatt hatte dagegen berichtet, selbst WestLB-Vorstandschef Jürgen Sengera müsse vermutlich aufgrund der roten Zahlen seinen Posten räumen. NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück suche bereits nach einem geeigneten Nachfolger.

Aufsichtsratschef hält zu Sengera

Der Aufsichtsratsvorsitzende der WestLB, Bernd Lüthje, erklärte jedoch postwendend: "Entgegen anderslautenden Meldungen in der Presse ist niemand auf der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden für die WestLB. Wer jetzt Personaldiskussionen anzettelt, fügt der Bank bewusst Schaden zu."

Lieber spricht die WestLB von Zahlen: Ihre Gesamtkosten 2004 sollen auf 1,8 bis 1,9 Milliarden gesenkt werden - nach knapp 2,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die Bank bestätigte eine entsprechende Vorabmeldung der "WirtschaftsWoche". Die Aktivitäten der Bank im Ausland werden überprüft und sollen besonders in Asien und Lateinamerika zurückgefahren werden. Auch das Beteiligungsgeschäft stehe auf dem Prüfstand.

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