Beiersdorf "Hier herrscht der geile Geiz"

Das Deutschlandgeschäft verlief für den Hamburger Traditionskonzern zuletzt enttäuschend. Jetzt sucht Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch sein Heil in Amerika. Auf der Hauptversammlung kündigte er Zukäufe in den USA an.

Hamburg - "Wir sind daran interessiert, Akquisitionen insbesondere in den USA vorzunehmen, um unser dortiges Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen", sagte Kunisch am Mittwoch vor den Aktionären. Damit attackiert das MDax-Unternehmen ausgerechnet den ehemals als Beiersdorf-Aufkäufer gehandelten US-Konzern Procter & Gamble  in dessen Heimatmarkt.

Derzeit sind die Hamburger über die Beiersdorf Inc. in Amerika vertreten. Die Tochter erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 300 Millionen Dollar. Eine noch größere Masse wäre laut Kunisch jedoch hilfreich.

Das vergangene Geschäftsjahr bezeichnete Kunisch als das erfolgreichste der 120-jährigen Unternehmensgeschichte. Der Umsatz der Beiersdorf-Gruppe stieg demnach um 4,4 Prozent auf 4,74 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis wurde um etwa zehn Prozent auf 472 Millionen Euro erhöht. Auf Basis des Jahresüberschusses von 156 Millionen Euro stellte Kunisch den Aktionären ein Dividendenplus von zehn Cent auf 1,40 Euro je Aktie in Aussicht.

Umsatz- und Ertragsziele bestätigt

Kunisch bestätigte trotz der angespannten Weltwirtschaftslage die Umsatz- und Ertragsziele für 2003. Er erwarte für das laufende Jahr beim Umsatz eine Steigerung von sieben Prozent zu konstanten Wechselkursen. Geplant sei zudem eine Nettoumsatzrendite von sechs Prozent. "Unser Ziel ist acht Prozent Umsatzwachstum pro Jahr aus eigener Kraft. Das bedeutet eine Umsatzverdoppelung in zehn Jahren", sagte der Vorstandschef.

Das nötige Wachstum soll dabei vor allem aus den Auslandsmärkten kommen. Beiersdorf  verbuchte im vergangenen ersten Quartal nur in Deutschland und Japan sinkende Umsätze. "In Japan herrscht Rezession, in Deutschland der geile Geiz", so Kunisch.

Zudem unterstrichen die Verantwortlichen auf der HV erneut, dass der Konzern, der seit geraumer Zeit Ziel von Übernahmespekulationen ist, unabhängig agieren könne. "Wir sind nachweislich groß genug, um aus eigener Kraft kontinuierlich zu wachsen, deutlich stärker als die Wettbewerber", hieß es.

An Beiersdorf sind die Großaktionäre Tchibo mit 30 Prozent und Allianz  mit knapp 44 Prozent beteiligt. Der Versicherungskonzern möchte seinen Anteil verkaufen. Als mögliche Käufer wurden in der Vergangenheit Procter & Gamble, L'Oréal  und Unilever  genannt.

Auch der Kaffeeröster Tchibo möchte seinen Anteil aufstocken. Bei Beiersdorf würden es die Verantwortlichen am liebsten sehen, wenn der bisherige Großaktionär seine Beteiligung mit den Aktien der Allianz erhöht.

Bescheidene Vorstandsgehälter

Bescheiden bei den Vorstandsgehältern

Kunisch berichtete weiter, dass Beiersdorf nunmehr vollständig die Empfehlungen der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex in der Fassung vom 7. November des vergangenen Jahres befolge.

So ist eine Altersgrenze für Vorstände und Aufsichtsräte ebenso eingeführt worden wie eine Berufshaftpflichtversicherung für Manager. Das Vergütungssystem wurde nach Fixum und variablen Anteilen getrennt. Kunisch wies jedoch darauf hin, dass es keine Aktienoptionen für Vorstände gibt.

Da der Corporate Governance Kodex aus dem vergangenen Jahr noch keine detaillierten Angaben über Vorstandsgehälter vorsieht, publizierte Kunisch nicht die individuellen Vergütungen im Topmanagement.

"Die Gesamtvergütung aller sechs Vorstände der Beiersdorf AG liegt deutlich unter den gern zitierten Spitzenwerten einzelner Vorstandsvorsitzender anderer Unternehmen", sagte der Konzernlenker.

Beiersdorf: Absage an Henkel

Verwandte Artikel