Luftfahrt Branchengipfel in schweren Zeiten

Krisenmanagement statt Kaufrausch - so präsentiert sich die internationale Luftfahrtindustrie vom 15. bis zum 22. Juni in Paris. Die Messe von Le Bourget ist der weltgrößte Branchentreff und gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer.

Paris - Als sich die Hersteller vor zwei Jahren in der französischen Hauptstadt trafen, ging es noch im Steilflug aufwärts. Die Airbus, Boeing und Co. meldeten Rekordbestellungen für rund 65 Milliarden Euro. Mehr als 300.000 Besucher drängten sich auf dem Messegelände.

Seitdem schüttelt eine Turbulenz nach der anderen die Branche: 11. September, Konjunkturflaute oder die grassierende Lungenkrankheit SARS ließen Aufträge einbrechen und trieben Traditions-Airlines wie Swissair oder Sabena in den Konkurs.

Auch in diesem Jahr dominiert im Bereich der Großraumflugzeuge der Wettbewerb zwischen der zur European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) gehörenden Airbus und Boeing. Das europäische Unternehmen konzentriert sich derzeit auf sein A380-Programm. Neue Kunden für das Flaggschiff und der aktuelle Entwicklungsstand sind Schwerpunkte in Le Bourget. Weiterhin stehen bei Airbus und EADS der Militärtransporter A400M sowie die Situation in der Raumfahrtindustrie auf dem Programm.

"Brot-und-Butter"-Flugzeug von Boeing

Boeing präsentiert in Paris mit der 7E7 den Entwurf für ein neues "Brot-und-Butter"-Flugzeug in der 200- bis 250-Sitzer-Klasse. Die Maschine gilt als potenzieller Nachfolger für die rund 25 Jahre alten Boeing 757 oder 767. Auf der Messe wird das neue Flugzeug aber nur als Computergrafik oder Plastikmodell präsent sein.

Airbus A380

Airbus A380

Foto: DPA
Militärtransport A400M

Militärtransport A400M

Airbus A318

Airbus A318

Foto: DPA
Boeing 717

Boeing 717

Foto: DPA
Boeing 7E7

Boeing 7E7


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Greifbare Geschäftsideen sind von dem Unternehmen eher im Bereich Luftfahrttechnik zu erwarten. Boeing engagiert sich inzwischen nicht nur im Flugzeugbau - sondern setzt verstärkt auf die wachsenden Märkte wie Luftverkehrsmanagement oder Flugsicherung.

Beim Wettbewerb der Branchenriesen ist momentan die Konkurrenz zwischen A318 und Boeing 717 besonders spannend. Boeing erbte das 717-Programm von McDonnell Douglas und kann für das - von vielen bereits tot gesagte - Projekt achtbare Verkaufserfolge verzeichnen.

Rund 150 Maschinen des zweistrahligen Kurzstreckenjets mit 100 Plätzen sind verkauft, knapp 120 fliegen bereits bei Airline-Kunden. Die Triebwerke für den kleinsten Boeing-Spross liefert Rolls-Royce aus Dahlewitz bei Berlin.

Regionalflugzeugbauer im Kampf um die Kunden

Der kleinste Airbus bietet - je nach Ausstattung - ebenfalls rund 100 Passagieren Platz. Vorteil des Flugzeugs ist seine Integration in die Airbus-Familienstruktur: Fluggesellschaften können Piloten zwischen allen Mustern der A320-Familie austauschen. Neben einem Versuchsflugzeug zeigt Airbus auf der Messe auch eine A318 in den Farben des Erstbetreibers Frontier Airlines.

Einen harten Kampf um die Kundschaft liefern sich auch die Hersteller von Regionalflugzeugen. Nach dem vorläufigen Aus von Fairchild-Dornier dominieren Bombardier aus Kanada und die brasilianische Embraer Empresa Brasileira de Aeronautica (Embraer) den Markt der 50- bis 90-Sitzer.

Forum für Mittelständler

Die Messe in Le Bourget ist nicht nur Schaufenster für die Großindustrie. Im Bereich Ausstattung oder Systemtechnik drängen immer mehr Mittelständler in den Markt.

Für den Fluggast selbst werden neueste Messetrends am ehesten im Bereich Online-Kommunikation spürbar. Mit dem Connexion-System von Boeing oder dem Konkurrenzprodukt Tenzing sind erste Geräte im Test oder schon im kommerziellen Einsatz. Der Wettbewerb ums fliegende Internet hat gerade erst begonnen.

von Heiko Stolzke, DPA