Corporate Governance "Untergang der Aktienoptionen"

Siemens zieht Konsequenzen aus den jüngsten Empfehlungen der Cromme-Kommission. Finanzvorstand Neubürger denkt über die Abschaffung der Aktienoptionen nach. Derweil üben Branchenbeobachter harsche Kritik an deutschen Aufsichtsräten.

Frankfurt/London- Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger sagte gegenüber der "Financial Times", der Konzern werde die Konsequenzen der Corporate-Governance-Regeln prüfen und danach über die Zukunft des Anreizsystems für Manager entscheiden.

"Ich denke, das Ergebnis könnte sein, dass wir uns entscheiden, auf die Optionen insgesamt zu verzichten", so Neubürger. Hohe Kosten und die aufwändige Verwaltung von Aktienoptionen, die bei Anwendung der neuen Verhaltenskodex-Regeln entstehen würden, seien der Grund für die Überlegungen.

Nach den jüngsten Veröffentlichungen der so genannten Cromme-Kommission zur Erstellung eines einheitlichen Corporate-Governance-Kodexes müssen sich Aktienoptionen künftig auf vorher festgelegte Vergleichsparameter wie Wertentwicklung von Aktienindizes oder das Erreichen bestimmter Kursziele beziehen. Eine nachträgliche Änderung der Erfolgsziele soll ausgeschlossen sein. Die konkrete Ausgestaltung eines Aktienoptionsplans oder eines vergleichbaren Vergütungssystems soll zudem bekannt gemacht werden.

Siemens fürchtet offenbar vor allem den Widerstand aus den USA. "Unsere US-Mitarbeiter würden niemals Aktienoptionen nach den neuen Plänen akzeptieren", sagte Neubürger. Die Aufstellung von mehreren Plänen innerhalb des Konzerns sei hingegen zu kompliziert. "Ich denke, wir haben den Untergang der Aktienoptionen gesehen", so der Siemens-Finanzchef weiter.

Wie eine Sprecherin gegenüber manager-magazin.de sagte, soll die endgültige Entscheidung über die Zukunft der variablen Vergütungsanteile zum Abschluss des Geschäftsjahres im September fallen. Bis dahin soll auch geklärt werden, wie mit bestehenden Optionsprogrammen verfahren werden soll.

Harsche Kritik an deutschen Konzernaufsehern

Derweil werden Deutschlands Aufsichtsräte hart kritisiert. Die Kontrolleure arbeiten nach Meinung von Rüdiger von Rosen, dem Chef des Deutschen Aktieninstituts (DAI), nicht professionell genug. Zahlreiche Studien hätten den Aufsichtsgremien der deutschen Aktiengesellschaften keine guten Zeugnisse ausgestellt.

Daher sei es notwendig, dass die Aufsichtsräte ihrer Tätigkeit mehr Zeit widmen müssten - damit müsse auch die Zahl der Mandate je Aufsichtsratsmitglied reduziert werden, forderte von Rosen im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt".

Da die Haftungsrisiken auch für Aufsichtsräte nach Einschätzung von Rosens weiter steigen werden, müssten diese sich besser auf ihr Amt vorbereiten, um den Anforderungen zu genügen. "Der ausschließliche Berufsaufsichtsrat dürfte auch in Deutschland immer üblicher werden."

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