Deutsche-Bank-HV Protest gegen die Millionen-Gehälter

Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sorgten in den vergangenen Monaten für reichlich negative Schlagzeilen – Mannesmann und Kirch lassen grüßen. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am Dienstag zeigten sich die Aktionäre vor allem über die üppige Entlohnung der Spitzenbanker erbost.

Frankfurt - Grauer Anzug, hellblaue Krawatte und ein weißes Einstecktuch, Rolf-E. Breuer präsentierte sich am Dienstag auf der Hauptversammlung (HV) der Deutschen Bank in tadellosem Bankiers-Outfit. Erstmals in der Rolle des Versammlungsleiters blieb Breuer, seit gut einem Jahr Vorsitzender des Aufsichtsrats (AR) des deutschen Branchenführers, aber nicht nur modisch seiner Linie treu.

Zu den im Vorfeld der HV aufgekommenen Vorwürfen, er hätte im Zusammenhang mit der Pleite des Medienmoguls Leo Kirch nicht nur gegen seine Verschwiegenheitspflicht verstoßen, sondern auch die eigenen Aktionäre getäuscht, verlor Breuer wie gewohnt in seiner Eröffnungsrede kein Wort.

Öffentliche Rückendeckung gab es hingegen für den ebenfalls unter Anklage stehenden Josef Ackermann. Sein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank habe in seiner Funktion als AR-Mitglied der damaligen Mannesmann AG "verantwortungsbewusst und im Interesse des Unternehmens" gehandelt, sprach Breuer dem Schweizer "mit Nachdruck" das Vertrauen des Aufsichtsrats aus.

"Leistung ist unsere Leidenschaft"

Der zumindest intern freigesprochene Ackermann wiederum nahm zu den Vorwürfen bezüglich der im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme geflossenen Millionenabfindungen keine Stellung, sondern konzentrierte sich in seiner Rede auf die Deutsche Bank.

Eine Botschaft dürften die Aktionäre dabei besonders gern gehört haben. "Ich freue mich, Ihnen heute berichten zu können, dass sich das starke operative Ergebnis aus dem ersten Quartal in den Monaten April und Mai fortgesetzt hat", sagte Ackermann in der Frankfurter Festhalle. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte Deutschlands größte Bank im operativen Geschäft 950 Millionen Euro verdient und damit die Analystenerwartungen übertroffen.

Damit dieser Trend anhält, setzt Ackermann auf eine Unternehmenskultur, die den Anspruch, die Nummer eins zu sein, auch lebt. "Leistung ist unsere Leidenschaft", rief der sonst sachlich argumentierende Deutsche-Bank-Chef den Aktionären und Mitarbeitern am Ende seiner Rede fast schon pathetisch zu.

"Wir haben kein 'Tafelsilber' verkauft"

Ackermann: "Wir haben kein 'Tafelsilber' verkauft"

Dass diese Einstellung aber nichts mehr mit dem aus früheren Zeiten gewohnten, mitunter arroganten Auftreten als Elitebanker per Naturgesetz zu tun haben soll, hatte Ackermann vorher unmissverständlich deutlich gemacht. "Die Deutsche Bank ist nicht mehr dieselbe wie vor einem Jahr."

Ackermann wies die Kritik zurück, das "Tafelsilber" der Deutschen Bank verscherbelt zu haben. Die jetzigen Kursstände der ehemaligen Beteiligungen würden zeigen, dass sich sein Haus zum richtigen Zeitpunkt von seinem Industrieportfolio getrennt habe.

Mit dem praktisch gleichen Argument begründete der Deutsche-Bank-Chef allerdings auch, das verbliebene rund zwölfprozentige Paket an DaimlerChrysler  nicht zu verkaufen. Die Bank sehe hinsichtlich des Anteils beträchtliches Aufwertungspotenzial, sagte Ackermann.

Hartmann und Weber rücken in den Aufsichtsrat

Er verhehlte dabei nicht, dass sich der Aktienkurs der Deutschen Bank im Gleichklang mit dem Markt nicht zufrieden stellend entwickelt habe. Ansonsten habe er aber alles eingehalten, was er beim Stabwechsel von Breuer auf ihn versprochen habe. Kosten, Kapital und Risiko seien "im Griff", so dass die Deutsche Bank sich jetzt auf die Verbesserung der Ertragsseite konzentrieren könne.

Neben der schlankeren Konzernarchitektur gibt es auch neue Gesichter im Aufsichtsrat. Auf Seiten der Eigentümervertreter scheiden Adolf Kracht (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wilhelm von Finck AG) und Berthold Leibinger (Geschäftsführender Gesellschafter Trumpf GmbH + Co. KG) aus. Für sie rücken Ulrich Hartmann (AR-Chef Eon ) und Jürgen Weber (CEO Lufthansa ) nach.

"Die Grenzen des sozialen Friedens erreicht"

Beide Manager sind einigen AR-Mitgliedern auch persönlich gut bekannt. Hartmann studierte mit Breuer zusammen in London, Weber geht mit dem ehemaligen Deutsche-Bank-Vorstand Ulrich Cartellieri und den "Similaunern" auf Bergtour.

Die Spitzengehälter der führenden Manager der Deutschen Bank haben unterdessen auf der HV erheblichen Protest ausgelöst. Vor allem die Vergütung von Vorstandssprecher Josef Ackermann in Höhe von 6,9 Millionen Euro im vergangenen Jahr kritisierten viele Anteilseigner.

Andreas Lang von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sieht in der auseinander gehenden Einkommensschere zwischen dem Gros der Bankangestellten und Spitzenmanager "die Grenzen des sozialen Friedens in Deutschland" erreicht.

AR-Chef Breuer hatte das Einkommensniveau der Deutschen Bank zuvor als im Branchen-Vergleich angemessen verteidigt. Nach Darstellung Breuers liege es auch im Interesse der Aktionäre, wenn die Deutsche Bank internationale Spitzenkräfte verpflichte. Man könne nur hoffen, dass sich die Einkommensverhältnisse in den USA auf das niedrigere europäische Niveau zurückbilden.

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