DaimlerChrysler "Dass es so schlimm kommt, konnten wir damals nicht ahnen"

Trotz des angekündigten Milliardenverlustes im ersten Quartal rechnet Chrysler-Chef Dieter Zetsche für das Gesamtjahr mit dem Erreichen der Gewinnschwelle.

Hamburg - Chrysler-Chef Dieter Zetsche nimmt öffentlich Stellung zu dem vor kurzem angekündigten operativen Quartalsverlust von einer Milliarde Euro. Er rechnet für 2004 trotz des schweren Sanierungsrückschlags in diesem Jahr fest mit schwarzen Zahlen. 2003 werde der US-Teil von DaimlerChrysler  nach dem Milliardenminus im zweiten Quartal "die Gewinnschwelle gerade erreichen", sagte Zetsche der "Welt am Sonntag".

Chrysler hatte vergangenen Mittwoch einen operativen Quartalsverlust von einer Milliarde Euro angekündigt. Damit wurde das Ergebnisziel 2003 von zwei Milliarden Dollar hinfällig und auch der Mutterkonzern musste seine operative Gewinnprognose von 5,8 auf 5 Milliarden Euro zusammenstreichen.

Die Rabatt-Schlacht in der US-Automobilindustrie habe sich in den vergangenen Wochen dramatisch verschärft, bekräftigte Zetsche die Begründung für den Verlust. Im April hatte der Konzern bereits betont, dass das Ergebnisziel von zwei Milliarden Dollar schwer zu erreichen sein werde. "Dass es so schlimm kommt, konnten wir damals nicht ahnen." Mit weiteren Kostensenkungen wolle Chrysler allein im laufenden Jahr zusätzlich eine Milliarde Dollar einsparen und sich damit mehr Luft in der Rabattschlacht verschaffen.

Vergleich im Rover-Fall abgelehnt

Einen Vergleich mit dem Fall des britischen Herstellers Rover, das Engagement bei dem der BMW-Konzern nach Milliardenverlusten schließlich aufgab, lehnt Zetsche ab. "Der Vergleich hinkt. Wir stehen das durch. Unsere Strategie ist richtig und wir werden sie umsetzen." Auf die Frage, ob er Chrysler-Chef bleiben werde, sagte Zetsche ausweichend: "Die Entwicklung bei Chrysler können Sie nicht an einzelnen Personen festmachen."

Zu Spekulationen über ihn als möglichen Nachfolger für Mercedes-Chef Jürgen Hubbert oder Konzernlenker Jürgen Schrempp wollte sich Zetsche ebenfalls nicht äußern. Da die Chrysler-Sanierung nach einem positiven Ergebnis im vergangenen Jahr bereits als Erfolg gefeiert wurde, war in Medienberichten über die künftige Rolle von Zetsche spekuliert worden. Nach dem überraschenden Milliardenverlust war wiederum von einem Karriereknick die Rede.

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