Attentat auf Isaf-Soldaten Al-Qaida im Visier

Nach dem Autobomben-Anschlag auf einen Bus mit Bundeswehrsoldaten in Kabul hat Bundesverteidigungsminister Struck die Vermutung geäußert, die Terrororganisation al-Qaida könnte hinter dem Anschlag stecken. Unterdessen wird berichtet, dass die Bundeswehr seit längerem Informationen über ein drohendes Attentat gehabt habe.

Berlin - Die Hintergründe des Selbstmordanschlags auf Bundeswehrsoldaten in Kabul sind weiter unklar. Bei dem Autobomben-Anschlag auf einen Bus mit 33 Bundeswehrsoldaten in Kabul wurden am Samstag vier Soldaten getötet und 29 verletzt. Bundesverteidigungsminster Peter Struck (SPD) sagte am Samstag im ZDF, sein afghanischer Kollege Mohammed Fahim Hinweise habe ihm telefonisch mitgeteilt, dass die Terrororganisation al-Qaida hinter dem Anschlag stecken könnte. Dies könne man aber zu "diesem relativ frühen Zeitpunkt nun wirklich nicht nachprüfen", sagte Struck.

Deutsche Soldaten vor Ort überprüften die Hinweise, ebenso wie die afghanische Polizei. Zudem bestehe die Möglichkeit, Beamte des Bundeskriminalamtes nach Afghanistan zu entsenden, so Struck. "Wir versuchen, den Urheber dieses fürchterlichen Terroranschlages so schnell wie möglich zu ermitteln."

Die von Deutschland und den Niederlanden geführte internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach angegriffen. Zuletzt waren Ende Mai ein deutscher Soldat bei einer Minenexplosion getötet und ein weiterer verletzt worden.

Hinweise bereits vor Monaten

Unklar blieb auch am Sonntag, welche Art konkreter Hinweise auf einen möglichen Anschlag es gab. Ein ISAF-Sprecher sagte in Kabul, es habe täglich Warnungen vor Anschlägen gegeben. Es sei aber nicht einfach, echte Hinweise von Fehlalarmen zu unterscheiden. "Auch, wenn wir Warnungen bekommen haben, und in diesem speziellen Fall gab es vorher Warnungen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort etwas passieren könnte, ist das grundsätzlich nicht vorherzusagen."

CSU-Chef Edmund Stoiber nannte es unverständlich, dass die Soldaten trotz Hinweises auf einen Anschlag nicht in einem gepanzerten Fahrzeug unterwegs waren. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan hatte am Vortag ausdrücklich erklärt, dass ein gepanzerter Transport aller Soldaten logistisch nicht möglich sei.

"Keine Verbesserung der Sicherheitslage"

Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) zufolge lagen der Bundeswehr seit mehreren Monaten nachrichtendienstliche Warnungen vor einem Anschlag auf deutsche Soldaten in Afghanistan vor. Auf dieses Risiko sei in den wöchentlichen Lageberichten für die Bundeswehrführung hingewiesen worden, schreibt das Blatt.

Bereits im Bericht von Mitte Mai sei festgehalten worden, dass "im Großraum Kabul mittelfristig keine wesentliche Verbesserung der Sicherheitslage zu erwarten" sei. Es gebe eine "Vielzahl von Warnhinweise" vor möglichen, "unterschiedlich gearteten Anschlägen gegen internationale Truppen", Dabei "können auch deutsche Truppen" ein "Ziel sein", zitiert das Blatt den Bericht.

Bush übermittelte Schröder das Beileid des amerikanischen Volkes

Verteidigungsminister Struck berichtete am Samstag außerdem, US-Präsident Bush habe mit dem deutschen Kanzler telefoniert und das Beileid des amerikanischen Volkes übermittelt. Wie Schröder habe Bush festgestellt, dass der Kampf gegen den Terrorismus nicht beendet sei. Schröder und Bush hätten die gemeinsame besondere Verantwortung Deutschlands und der USA für Afghanistan bekräftigt, "um das Land wieder zu einem stabilen demokratischen Staat zu machen und nicht mehr zum Ausgangspunkt von Terrorismus".

Es war das erste Mal seit dem deutsch-amerikanischen Streit wegen des Irak-Kriegs, dass Bush mit Schröder telefonierte. Eine Verbesserung der angespannten Beziehungen beider Staatsmänner hatte sich in der abgelaufenen Wochen beim Gipfeltreffen der acht wichtigsten Industrienationen und Russlands (G8) bereits angedeutet.