Konjunkturkrise "Deutschland wird in die Deflation abgleiten"

Nach einer Prognose von JP Morgan hat die Regierung in Berlin kaum noch Chancen, die Wirtschaft vor einer Deflation im kommenden Jahr zu schützen. "Das Risiko für Deutschland ist höher als in anderen Ländern", heißt es in dem kritischen Bericht aus London.

London - Deutschland wird nach Einschätzung der Ökonomin Silvia Pepino von JP Morgan im kommenden Jahr in eine "milde Deflation" abgleiten.

Vor dem Hintergrund der schwachen wirtschaftlichen Verfassung werde die Inflation Mitte des kommenden Jahres unter die Null-Prozent-Schwelle sinken, heißt es in einer am Freitag in London veröffentlichten Studie. Die Regierung könne - außer mit einer stärker stimulierenden Politik - nur wenig tun, um dies zu verhindern.

"Die Inflation in Deutschland dürfte stärker abfallen als anderswo, denn die realpolitischen Daten verharren auf einem für deutsche Verhältnisse zu hohen Niveau", heißt es in dem Bericht.

Regierung kann den Trend aufhalten - nicht stoppen

Ein Abrutschen in eine echte Deflation dürfte aber durch die Trägheit von Preisanpassungen nach unten in bestimmten Bereichen und das Verharrungsvermögen der Inflationserwartungen verhindert werden.

In Japan sei die Kerninflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise etwa vier Jahre lang um die Null-Prozent-Marke gependelt, bevor sie endgültig Ende 1998 in den negativen Bereich gerutscht sei.

Darüber hinaus habe die Regierung trotz der Beschränkungen der Fiskalpolitik durch den Stabilitätspakt "erheblichen Spielraum" zur direkten Beeinflussung des Preisniveaus. So könnten regulierte Preise und die indirekten Steuern angehoben werden. Allerdings sei von diesen Maßnahmen nur eine zeitweise Entlastung zu erwarten. Denn steigende Steuern dämpften das Wachstum.

Inflationsrate hat sich in einem Jahr halbiert

Insgesamt sei der Handlungsspielraum Deutschlands begrenzt. So werde die Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank festgesetzt. Der Realzins liege dabei in Deutschland deutlich über dem Niveau im Rest der Region. Mit einem Abgleiten in eine milde Deflation dürfte die unterdurchschnittliche Entwicklung der deutschen Wirtschaft noch verstärkt werden.

Im vergangenen Jahr habe sich die Inflationsrate bereits von 1,8 Prozent im Mai 2002 auf zuletzt 0,9 Prozent halbiert. Dieser Trend werde weiter anhalten, heißt es in der Studie.

Sowohl die Jahresteuerungsrate als auch die Kernrate ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise werde im kommenden Jahr in den negativen Bereich rutschen. Im Vergleich zur Abschwächung der Inflation in der Phase 1997 bis 1999 werde der jüngste Rückgang der Inflation ausgeprägter ausfallen. Grund sei das große Ausmaß ungenutzter Kapazitäten. Die so entstehende sogenannte Output-Lücke werde auf rund vier Prozent steigen und längere Zeit auf hohem Niveau verharren.

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