Lufthansa Aufsichtsratssalär sorgt für schlechte Stimmung

Unmittelbar vor der Lufthansa-Hauptversammlung wird der Ton rauer. Die geplante Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge verärgert die Belegschaft. Auch die Wiederwahl von Verdi-Chef Frank Bsirske zum AR-Vize erregt die Gemüter.

Frankfurt - Drastisch höhere Aufsichtsratsbezüge, die die Hauptversammlung am 18. Juni beschließen solle, seien zum jetzigen Zeitpunkt falsch, wetterten der Lufthansa-Betriebsrat. Gegen die Erhöhung regt sich auch Widerstand unter Aktionären.

Die Arbeitnehmervertreter kritisierten am Freitag, die von der Belegschaft wegen der wirtschaftlichen Krise erbrachten Opfer würden damit ad absurdum geführt. Die Beschäftigten am Boden leisteten mit der Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden und Lohnverzicht einen Beitrag zur Bewältigung der Lage.

Die Lufthansa  hat die Pläne dagegen erneut verteidigt. Trotz Erhöhung würde das Salär im Vergleich zu anderen Dax-Konzernen immer noch niedrig ausfallen.

Nach einem Vorschlag des Vorstands sollen die Grundbezüge der Aufsichtsratsmitglieder auf 20.000 Euro verdoppelt werden. Außerdem sollen die an die Dividende gekoppelten variablen Vergütungen steigen.

Bsirske unter Beschuss

Auch Lufthansa-Aufsichtsratsmitglied Frank Bsirske erregt derzeit die Gemüter. Der Verdi-Vorsitzende, bislang Vizechef des Kontrollgremiums, wird von Aktionären und Arbeitnehmern scharf kritisiert.

So droht etwa die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) damit, Bsirske die Entlastung zu verweigern. Der Gewerkschafter habe seine Pflichten als Aufsichtsrat "grob verletzt", weil er im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes zu Warnstreiks auf den Flughäfen Frankfurt und München aufgerufen habe, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.

Bsirske widersprach den Vorwürfen unlängst mit dem Hinweis darauf, dass Streikrecht und Aufsichtsratsmandat für Gewerkschafter nach höchstrichterlicher Rechtsprechung miteinander vereinbar seien. "Das sollten auch Aktionäre respektieren", so der Gescholtene gegenüber dem "Handelsblatt".

Neben den Aktionären hat Verdi-Chef Bsirske auch mit der kleinen Konkurrenzgewerkschaft Unabhängige Flugbegleiterorganisation (Ufo) zu kämpfen. Weil Verdi vor Gericht den Gewerkschaftsstatus von Ufo anzweifelt, überlegen die Flugbegleiter nun ihrerseits, ob sie Bsirskes Bestellung zum Vize des designierten AR-Chefs Jürgen Weber blockieren sollen.

Deutschland AG: Die Gehälter der Vorstände und Aufsichtsräte im Dax

Verwandte Artikel