Deutsche Post "Wir wollen Weltmarktführer werden"

Der gelbe Riese trotzt der Konjunkturflaute. Auf der HV bekräftigt Vorstandschef Zumwinkel die Zielvorgaben beim Gewinn und seine Einkaufsabsichten. Interessiert ist er auch an der zum Verkauf stehenden HVB-Tochter Norisbank.

Köln - Die Post ist der Dax-Spitzenreiter: Seit Jahresbeginn legte die Aktie des gelben Riesen mit 33 Prozent stärker zu als sämtliche 29 weiteren Titel im Leitindex.

Auf der Hauptversammlung am heutigen Donnerstag konnte Vorstandschef Klaus Zumwinkel zwar kein Kursfeuerwerk entfachen - die Aktie tendierte bis zum Mittag seitwärts -, die Strategie des Logistikkonzerns scheint sich jedoch zu bewähren. An den bisher genannten Gewinnzielen für 2003 hält der Vorstandschef trotz Konjunkturflaute nach wie vor fest.

Und er wird konkret, was seine Einkaufsabsichten angeht: "Jawohl, wir prüfen eine Akquisition der Norisbank", sagte Zumwinkel. Der Fokus der profitablen Postbank liege auf dem Privatkundengeschäft. Das Nürnberger Institut mit seinen gut 100 Filialen und rund 500.000 Kunden soll verkauft werden, da es nicht mehr in die auf das gehobene Privatkundengeschäft und den Mittelstand ausgerichtete HVB-Strategie passt. HVB-Vorstandschef Dieter Rampl hatte erklärt, er erwarte einen Erlös von etwa 400 Millionen Euro aus dem Verkauf der Norisbank.

Zukäufe seien auch in Europa möglich, deutete Zumwinkel erneut an. Die Post wolle die vielfältigen Optionen, die durch die fortschreitende Liberalisierung der europäischen Postmärkte entstünden, genau prüfen und dann "Engagements realisieren, wenn sie strategisch zu uns passen und unseren wirtschaftlichen Kriterien genügen".

Wachsende Kritik der Politik

Als halbstaatliches Unternehmen hat die Post allerdings nach wie vor mit politischen Entscheidungen zu kämpfen. Nach der vom Gesetzgeber geforderten Senkung des Briefportos (Zumwinkel: "Ein in Europa einmaliger Vorgang"), wird nun das Thema der regionalen Service-Abdeckung kritisch beleuchtet.

Angesichts wachsender Kritik aus der Politik versicherte Zumwinkel, die Post werde ihre Verpflichtungen bei der flächendeckenden Versorgung der Verbraucher voll erfüllen. Weitere Einschnitte bei Post-Dienstleistungen seien dennoch nicht ausgeschlossen.

Einschnitte beim Service geplant

"Der Konzern Deutsche Post World Net wird seine gesetzlichen Verpflichtungen zur Bereitstellung postalischer Dienstleistungen in vollem Umfang nachkommen", sagte Post-Chef Klaus Zumwinkel am Donnerstag vor den Post-Aktionären. "Dazu gibt es kein Wenn und Aber", betonte er.

Die Post leiste allerdings in Teilbereichen mehr, als es der Gesetzgeber vorschreibe. Deshalb müsse es möglich sein, das Versorgungssystem an unrentablen Stellen "anzupassen". SPD, Grüne, Union und FDP hatten am Mittwoch angekündigt, die Deutsche Post im Bundestag erneut auf die flächendeckende Versorgung der Verbraucher verpflichten zu wollen.

"Der Postvorstand soll wissen, dass wir das beobachten und Verstöße gegebenenfalls auch rügen", hatte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wilhelm Schmidt zur Versorgung der Verbraucher mit Briefkästen, Postfilialen und privaten Post-Agenturen gesagt.

Warum die Ein-Kilometer-Regel nicht fällt

In der Kritik: Neue Verträge für Post-Shops

In einem von Mitte März datierten Antrag von SPD und Grünen heißt es, mit Stand vom November 2002 würden die Vorgaben für das Angebot in Landkreisen und Gemeinden zum Teil nur zu 70 Prozent erfüllt.

Zudem wird die Post aufgefordert, bei der Neuregelung ihrer Verträge mit den Betreibern von Postagenturen für eine angemessene Vergütung zu sorgen.

Mehrere Betreiber der Agenturen hatten sich beim Bundeskartellamt über die geplanten Verträge beschwert. Im Antrag soll die Post aufgefordert werden, die Neuordnung der Verträge auszusetzen, bis die Prüfung des Kartellamts in dieser Frage abgeschlossen ist.

Die Ein-Kilometer-Regel soll weiter gelten

Man wolle Druck machen, damit die Post neben ihrer betriebswirtschaftlichen Ausrichtung auch auf die Versorgung der Bürger achte. Auch Union und FDP äußerten Bedenken zur flächendeckenden Versorgung durch die Post. Der Bund ist Mehrheitsaktionär der Post, die im November 2002 an die Börse ging.

Der Bonner Konzern hatte bereits in der Vergangenheit Sparmaßnahmen angekündigt. So soll etwa die Zahl der Filialen bis 2004 um 700 auf dann 12.000 schrumpfen. Auch die Zahl der Briefkästen in Deutschland war reduziert worden. Der Gesetzgeber verpflichtet die Post, dass kein Bürger in zusammenhängenden Wohngebieten länger als einen Kilometer laufen müsse, um einen Brief einwerfen zu können.

Hohe Zuwachsraten im Finanzservice-Bereich

"Trotz schwieriger Rahmenbedingungen und der Portosenkung erwarten wir ein Ergebnis von mindestens 2,8 Milliarden Euro [beim Ebita 2003]", betonte der Post-Chef. Durch das Wertsteigerungsprogramm Star soll das Ebita bis zum Jahr 2005 um 1,4 Milliarden Euro steigen, bekräftigte er frühere Aussagen. 2005 wolle die Post die führende Position in der weltweiten Logistik einnehmen.

Auch im Bereich Finanzdienstleistungen setzte Zumwinkel ein ehrgeiziges Ziel: "Wir wollen im Retailbanking in Deutschland der Kostenführer durch industrielle Arbeitsweise und standardisierte Bankensoftware werden." Eine im November eingeführtes SAP-Programm für die Banken-Standardsoftware sei ein wegweisender Schritt in diese Richtung gewesen.

Das virulente Abschottungsproblem auf dem US-Markt

Schon jetzt entwickelt sich der Kundenstamm der Postbank positiv: In 2002 stieg die Zahl der Girokonten um 200.000, das Sparvolumen steigerte sich um zehn Prozent auf 35,7 Milliarden Euro, zudem wurden knapp anderthalb mal so viele Post-Lebensversicherungen verkauft wie im Vorjahr.

Abschottungsproblem auf dem US-Markt virulent

Zumwinkel beklagte erneut, Konkurrenten wollten den US-Markt abschotten. Die Post sei aber zuversichtlich, dass ihre Tochter DHL auch durch die Übernahme des US-Logistikers Airborne zu einer "starken Nrummer drei auf dem US-Markt wird".

Zukäufe seien auch in Europa möglich, deutete Zumwinkel erneut an: Die Post wolle die "vielfältigen Optionen", die durch die fortschreitende Liberalisierung der europäischen Postmärkte entstünden, genau prüfen und dann "Engagements realisieren, wenn sie strategisch zu uns passen und unseren wirtschaftlichen Kriterien genügen".

Dividende steigt moderat

Den Aktionären offeriert die Post trotz des Rückgangs beim Nettogewinn eine um 3 Cent höhere Dividende - 40 Cent je Aktie. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre warf der Post in der Kölnarena vor, übertriebenen Stellenabbau und Lohndumping zu betreiben, außerdem würden zu viele Filialen geschlossen.

Als "falsch" hatte die Post einen in verschiedenen Medien genannten Plan bezeichnet, ihre Paketzustellung aus Kostengründen statt an sechs künftig nur noch an fünf Wochentagen durchzuführen. Möglich ist allerdings, dass die Paketzustellung bis 2007 komplett ausgelagert wird. Hierzu sagte eine Post-Sprecherin: "Die Fremdvergabe ist bis Ende des Jahres ausgeschlossen. Für die Zeit danach prüfen wir verschiedene Möglichkeiten, auch der Fremdvergabe. Dabei ist allerdings noch nichts beschlossen."

Vorstandsgehälter im DAX 30: Deutsche Post Deutsche Post: Abschied von der Schiene Zumwinkels HV-Rede 2003 im Wortlaut Post: Positiver Ausblick erfreut die Börse Deutsche Post: S&P senkt den Daumen

Verwandte Artikel