Deutsche Bahn Das Ungemach aus der Luft

Es hagelte von Anfang an heftige Kritik am neuen Preissystem. Nach einem schlechten ersten Quartal mussten zwei Vorstände gehen. Doch das neue Tarifsystem ist nicht die einzige Ursache für das Bahn-Debakel.

Berlin - Das neue Tarifsystem der Bahn kann nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins SPIEGEL kaum die Ursache für rückläufige Fahrgastzahlen sein.

So hätten bis April zwei Drittel der Fahrgäste die neuen Preise nicht in Anspruch genommen, weil alte Bahncards noch gültig waren oder der neue Preis voll bezahlt wurde. Das zeigten Unterlagen für den Aufsichtsrat der Fernverkehrssparte DB Reise & Touristik, schreibt der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe.

Trotz harscher Kritik an der Bahn sieht Vorstand Hartmut Mehdorn das Unternehmen weiter auf Kurs. Die Bahn habe insgesamt in den ersten vier Monaten ein Umsatzplus von 3,5 Prozent erwirtschaftet, sagte Mehdorn in der ARD-Talkshow "Beckmann" (Sendung Montagabend). Berichte über rückläufige Fahrgastzahlen nannte er bösartige und verleumderische Gerüchte. "Das ist schlicht und ergreifend nicht wahr."

Finanzieller Reinfall mit Billigangeboten

Nach einer Polis-Umfrage für das Nachrichtenmagazin "Focus" wünscht sich unterdessen die Hälfte der Bundesbürger das alte Tarifsystem der Bahn zurück. Nur 14 Prozent hätten sich gegen eine Rückkehr zu den alten Tarifen ausgesprochen. 36 Prozent sagten, sie könnten nicht beurteilen, ob das alte oder das neue Tarifwerk besser sei. Mehdorn hatte erst vor kurzem angekündigt, das neue Tarifsystem noch einmal zu überarbeiten.

Finanzielle Probleme haben der Bahn laut SPIEGEL die Billigangebote von Fluggesellschaften bereitet. Konzernsprecher Uwe Herz bestätigte diesen Eindruck. Die Billigflugangebote hätten sich "in der Preiswahrnehmung der Kunden bemerkbar gemacht". "Circa 80 Millionen Euro Erlösverlust", so das Papier, verursachen bei der Bahn die billigen Flugtickets im Gesamtjahr.

Allein der Businesszug Metropolitan, der zwischen Hamburg und Köln verkehrt, habe jeden vierten Reisenden verloren. Heikel sei auch die Lage auf der Neubaustrecke Frankfurt-Köln. Die durchschnittliche Auslastung dieser ICE-Verbindung betrage nur 32 Prozent.

Konkurrenz aus der Luft

Dem SPIEGEL zufolge legte der innerdeutsche Luftverkehr im ersten Quartal 2003 um über 15 Prozent zu, während der DB-Fernverkehr zugleich um über sieben Prozent schrumpfte. Ob der Flugverkehr als Hauptursache gelten kann, ist jedoch fraglich.

Die Fluggastzahlen im innerdeutschen Verkehr sind dazu zu gering. Ein Zuwachs von 15 Prozent in ersten Quartal entspricht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einem Plus von etwa 800 000 Fluggästen, ein Rückgang um sieben Prozent beim Eisenbahnfernverkehr hingegen ein Minus von 2,2 Millionen Passagieren.

Bahnsprecher Herz betonte, die Bahn habe bewusst Fernverkehr in den Nahverkehr verlagert und dadurch im Fernverkehr Einbußen erlitten. Der wesentlich umfangreichere Nahverkehr habe sich im Vergleich dazu kaum zurückentwickelt.

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