Ericsson Besuch vom Staatsanwalt

Verdacht der Steuerhinterziehung - Schweizer Behörden sichern umfangreiches Beweismaterial.

Stockholm - In der Schweiz wird wegen verdeckten Zahlungen gegen den schwedische Telekomausrüster Ericsson  ermittelt. Es bestehe der Verdacht auf Betrug und Korruption, teilte die Bezirksanwaltschaft des Kantons Zürich am Donnerstag mit. Die Hausdurchsuchungen wurden von der Kantonspolizei von Zürich und Schaffhausen im Beisein schwedischer Beamter durchgeführt.

Nach Angaben eines Konzernsprechers in Stockholm waren wegen eines Streits mit den schwedischen Steuerbehörden Untersuchungen gegen Ericsson eingeleitet worden. Dabei sei man auf die verdächtigen Zahlungen gestoßen.

Auch die UBS ist involviert

In den Kantonen Zürich und Schaffhausen war am Mittwoch auf Ersuchen Schwedens bei Hausdurchsuchungen in Geschäfts- und Privaträumen umfangreiches Beweismaterial sicher gestellt worden, wie die für Geldwäscherei und Rechtshilfe zuständige Zürcher Bezirksanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Nach Angaben der Behörden ging es dabei um den Vorwurf, dass Ericsson eine Ermittlung durch Zurückhaltung von Steuerunterlagen behindert habe.

Ermittlungen gab es auch bei einer von den Behörden zunächst nicht namentlich genannten Bank. Am Donnerstag berichteten verschiedene Quellen, es handele sich um die UBS  mit Sitz in Zürich. Dies wurde im Tagesverlauf von einem Sprecher des Finanzkonzerns bestätigt.

Vorwurf: Verdeckte Zahlungen in Milliardenhöhe

Die Bank habe die schweizerischen Behörden informiert, nachdem Mitarbeiter merkwürdige Kontenbewegungen bemerkt hätten. Die Behörden hätten daraufhin verschiedene Filialen in und um Zürich untersucht. UBS betonte, dass die Untersuchungen auf Initiative der Bank erfolgt seien.

Der schwedische Staatsanwalt Lage Carlstroem ermittelt bereits seit einiger Zeit gegen den in Stockholm ansässigen Konzern. Laut Zürcher Bezirksanwaltschaft geht es um verdeckte Zahlungen von 800 Millionen schwedischen Kronen (87,49 Millionen Euro) im Jahre 1998 und von 2,5 Milliarden Kronen (0,27 Milliarden Euro) im Jahre 1999.

Tausende von Mitarbeitern müssen gehen

Dieses Geld sei gezahlt worden, um sich Aufträge zu sichern. Nach Auskunft der Bezirksanwaltschaft IV des Kantons Zürich (BAK IV) wurden die Beträge über falsche Rechnungen und Schweizer Nummernkonten an Firmen und Personen überwiesen. Deklariert wurden sie als Entgelt für Beratungsdienste.

Der schwedische Konzern hatte erst kürzlich von sich reden gemacht, weil der Verlust im ersten Quartal 2003 höher ausfiel als Analysten erwartet. Für die ersten drei Monaten des laufenden Jahres meldete der Vorstand saisonbereinigt einen Verlust vor Steuern von 3,5 Milliarden schwedischen Kronen (gut 383 Millionen Euro). Der Umsatz fiel auf 25,9 (Vorjahr 37,0) Milliarden Kronen und der Auftragseingang auf 27,1 (41,9) Milliarden Kronen.

Das makroökonomische Umfeld sei unsicherer geworden, und die kurzfristige Nachfrage habe sich abgeschwächt, erklärte Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg in einer Stellungnahme zum Quartalsergebnis. Deshalb müssten zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, fügte er hinzu. Bis Ende 2003 will der Konzern die Zahl der Beschäftigten auf 52.000 reduzieren und 2004 weiter auf 47.000 Mitarbeiter.