Corporate Governance Gedeckelte Optionen, offene Lohntüten

Die Gehälter deutscher Spitzenmanager sollen nach dem Vorschlag der Cromme-Kommission künftig begrenzt werden können - allerdings nur die variablen Bestandteile. Gleichzeitig sollen künftig die Vorstandsbezüge individuell offen gelegt werden.

Düsseldorf - Der geltende Corporate-Governance-Kodex werde um die Empfehlung an die Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften ergänzt, bei "außerordentlichen, nicht vorhergesehenen Entwicklungen" eine Begrenzungsmöglichkeit für Aktienoptionen als Bestandteil der Vorstandsgehälter zu vereinbaren, teilte die Kommission im Anschluss an eine Sitzung am Mittwoch mit.

Eine Deckelung der Grundgehälter schlug die Kommission nicht vor. Als weitere Ergänzung des seit einem Jahr existierenden Kodex wurde die grundsätzliche Offenlegung der Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten der börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften empfohlen.

Angesichts der Schieflage bei vielen Konzernen in Folge der gegenwärtigen Konjunkturmisere waren die hohen Gehälter der Manager in einigen Fällen in die öffentliche Kritik geraten. Zuletzt hatte sich auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) für mehr Transparenz bei der Bezahlung der Spitzenkräfte ausgesprochen und eine gesetzliche Deckelung der variablen Einkünfte zumindest nicht ausgeschlossen. Mit der aktuellen Empfehlung nimmt die Cromme-Kommission diesen Vorschlag jetzt ins eigene Regelwerk auf.

Die neuen Empfehlungen sollen zudem mehr Transparenz in die Vergütungssysteme bringen, hieß es in der Erklärung der auch unter dem Namen ihres Vorsitzenden, dem Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp Gerhard Cromme, benannten Kommission weiter. Die Anleger sollen so besser beurteilen können, ob "Leistung und Vergütung von Vorständen in einem sinnvollen Zusammenhang stehen".

Geteiltes Echo

Justizministerin Zypries begrüßte erwartungsgemäß die Neuerungen. "Die Kommission trägt mit ihren jüngsten Beschlüssen maßgeblich dazu bei, die Unternehmenskultur in Deutschland positiv fortzuentwickeln. Gerhard Cromme und seinen Kommissionsmitgliedern gebührt Dank und Anerkennung", sagte sie am Donnerstag.

Auch bei der Opposition wurden die Vorschläge begrüßt. Es sei vernünftig, die variablen Vergütungen in Krisenzeiten anzupassen, sagte Hans-Joachim Reck, Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen, gegenüber manager-magazin.de. "Jetzt muss aber auch Schluss sein mit der demotivierenden Hetze gegen Topmanager", sagte Reck weiter und bezog sich dabei auf eine Äußerung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück (SPD). Der hatte kürzlich deutsche Spitzenmanager kritisiert und ihnen vorgeworfen, ein schlechtes Vorbild bei der Bewältigung der notwendigen Sozialreformen zu sein.

Kleinanleger und institutionelle Investoren reagierten ebenfalls positiv. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nannte die Entscheidung "längst überfällig". "Wichtig ist insbesondere, dass durch diese Neuregelung mehr Transparenz in den Jahresabschluss hineinkommt", sagte Markus Temme von der Fondsgesellschaft Union Investment gegenüber dem "Handelsblatt".

Zurückhaltung bei den Konzernen

Zurückhaltung bei den Konzernen

Zurückhaltend zeigten sich auf Anfrage von manager-magazin.de mehrere Dax-Konzerne. Während etwa Bayer  erklärte, die neuen Vorschläge würden bereits befolgt, wollten Linde , Volkswagen  und die HypoVereinsbank  die Cromme-Vorschläge zunächst einmal prüfen. Die Autobauer Porsche  und BMW  hatten sich gegenüber der Presse zuvor kritisch geäußert. Vor allem in der Offenlegung der Vorstandsgehälter sehen die Unternehmen demnach wenig Sinn.

Einer ersten Studie des Berlin Centers of Corporate Governance zufolge wurden die seit Februar 2002 geltenden Empfehlungen im Verhaltenskodex weitgehend umgesetzt. Nach entsprechenden Satzungsänderungen dürften künftig 90 Prozent der Dax-Unternehmen 59 der insgesamt 62 Empfehlungen des Kodex befolgen. Alle Vorgaben erfüllten den Angaben nach derzeit nur ThyssenKrupp , Commerzbank , Infineon , Metro  und Schering .

Das Regelwerk zur Führung und Kontrolle deutscher Aktiengesellschaften enthält neben den nicht bindenden Empfehlungen auch zahlreiche "Anregungen". Wie weit diese bislang umgesetzt werden, sei noch wenig überschaubar, hieß es. Die deutschen Aktiengesellschaften müssen dem Kodex nicht folgen. Sie sind allerdings verpflichtet, ihren Aktionären mitzuteilen, ob sie den Kodex anerkennen oder nicht.

Weitere Felder auf dem Prüfstand

Die Kodex-Kommission sprach weitere Bereiche an ohne konkrete Empfehlungen zu geben. Unter anderem standen die Themen Prüfungsausschuss, Rechnungslegung und Abschlussprüfung, Interessenkonflikte im Aufsichtsrat sowie der Wechsel des Vorstandsvorsitzenden in den Aufsichtsratsvorsitz auf der Tagesordnung.

Bevor die Kommission auch für diese Felder genaue Vorgaben aufstellt, wollen die Beteiligten zunächst die weitere Entwicklung, insbesondere die praktische Handhabung durch die Unternehmen beobachten und auswerten. Darüber hinaus wird sich die Regierungskommission in ihren Arbeitsgruppen intensiv mit dem Aktionsplan der EU-Kommission befassen und gegebenenfalls in ihre Beschlüsse einbeziehen.