Unternehmergipfel Die Deutschland AG auf Goodwilltour

Clement rief, und alle kamen mit. Das Who's who der deutschen Unternehmerprominenz begleitete den Wirtschaftsminister zum Unternehmergipfel in die USA. Ein voller Erfolg, wie die Beteiligten jetzt meinen.

Hamburg - Für eine schwierige politische Mission in der US-Hauptstadt ist das Hay-Adams wie geschaffen, wirbt das noble Hotel doch mit seiner Nähe zum Weißen Haus. "Fast so, als wäre man vom Präsidenten eingeladen", preist sich das Etablissement an.

Diese Ehre freilich wurde Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), der im Hay-Adams nächtigte, nicht zuteil, obwohl er insgeheim sicherlich darauf hoffte. Zuvor war nämlich schon völlig überraschend Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bei einer Visite an der Pennsylvania Avenue mit George W. Bush zusammengetroffen.

Ein Misserfolg war Clements Reise nach Amerika deswegen trotzdem nicht. So äußerte sich der Sozialdemokrat sehr zufrieden über die Konsultationen mit US-Vize Dick Cheney, dem amerikanischen Notenbankchef Alan Greenspan und Handelsminister Donald L. Evans.

Dax-Vorstände, Topmanager und Verbandsvertreter

Beeindruckt haben dürfte die Amerikaner die geballte Ladung Prominenz, die Clement bei seinem Besuch im Schlepptau hatte. Rund 40 Dax-Vorstände, Topmanager und Verbandsvertreter trafen sich mit US-Kollegen zum deutsch-amerikanischen Unternehmergipfel, um für die Verbesserung der transatlantischen Beziehungen zu werben.

Bereits zuvor waren einige Konzerne wie die Lufthansa  und DaimlerChrysler  auf eigene Faust zur Goodwilltour aufgebrochen. Eine derartig konzertierte Aktion wie in den vergangenen zwei Tagen gab es bisher jedoch nicht.

ThyssenKrupp , Siemens , Bayer , Deutsche Telekom , Volkswagen  und Porsche  schickten jeweils die Leiter ihrer US-Dependancen.

Einige Konzernlenker ließen es sich nicht nehmen, persönlich für eine Besserung des jüngst durch den Irak-Krieg eingefrorenen deutsch-amerikanischen Verhältnisses einzutreten. Aus der Dax-Liga gaben sich Harry Roels (RWE ), Ulrich Lehner (Henkel ), Rudolf Rupprecht (MAN ), Klaus-Peter Müller (Commerzbank ), Nikolaus Schweickart (Altana ) und Jürgen Weber (Lufthansa) die Ehre.

Corporate Germany in seiner ganzen Pracht

Der frisch gekürte BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Strube reiste ebenso zu den "Friedensgesprächen" über den großen Teich wie sein Pendant bei DaimlerChrysler, Hilmar Kopper, der gleichzeitig seine Aufgabe als Beauftragter für Auslandsinvestitionen wahrnahm. Neben Kopper repräsentierte auch Chrysler-Chef Dieter Zetsche den Weltkonzern.

Außerdem vor Ort: Peter Bauer, Vorstandsmitglied bei Infineon , Rainer Hertrich, Chef von EADS , Hans-Peter Keitel, Vorstandsvorsitzender von Hochtief , ABB-Deutschland-Chef Bernhard Jucker, Alfred von Oppenheim, Lutz R. Raettig von Morgan Stanley, Friede Springer, Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt, Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen und Drägerwerk-Chef Dieter Feddersen. Corporate Germany präsentierte sich in seiner ganzen Pracht.

Konkurrentengipfel - die Post trifft auf FedEx

Konkurrentengipfel: Die Post trifft auf FedEx

Von den Wirtschaftsverbänden waren unter anderem DIHK-Chef Ludwig Georg Braun, BDI-Vormann Michael Rogowski und sein Vize Arend Oetker anwesend. Letzterer dürfte schon in seiner Funktion als Vorstand der Atlantik-Brücke ein hohes Interesse an ausgeglichenen deutsch-amerikanischen Beziehungen haben.

Die Deutsche Post  wurde durch Monika Wulf-Mathies und DHL-Airways-Chef John H. Dasburg gleich doppelt repräsentiert. Kein Wunder, der Logistiker führt derzeit in Amerika eine Lobbyisten-Schlacht gegen die US-Konkurrenten FedEx und UPS. Erst am Montag warf Post-Chef Klaus Zumwinkel der USA Protektionismus und Abschottung vor. Besonders pikant: Unter den amerikanischen Gästen beim Gipfel war auch FedEx-Chef Frederick W. Smith.

Clement nutzte die Gelegenheit und schaltete sich den Streit ein. Er habe die US-Regierung um Hilfe bei der Suche nach einer einvernehmlichen Lösung gebeten, sagte der Wirtschaftsminister. US-Handelsminister Donald Evans und der Handelsbeauftragte Robert Zoellick hätten zugesagt, dem Thema nachzugehen.

Saban gibt sich die Ehre

Auch andere US-Größen mit enger Beziehung zu Deutschland ließen sich blicken. So stand etwa der Medienunternehmer Haim Saban auf der Gästeliste, der derzeit versucht, die Reste des Kirch-Konzerns zu übernehmen. Ed Breen (Tyco ), Robert A. Lutz (General Motors ), John B. Menzer (Wal-Mart ) und Glenn F. Tilton (United Airlines ) gehörten ebenfalls zur US-Delegation.

Eine derartig hochkarätige Besetzung schloss ein Scheitern der Veranstaltung schon von vornherein nahezu aus. So zeigten sich die mitgereisten Unternehmer zum Abschluss entsprechend zufrieden. Friede Springer äußerte die Hoffnung, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis durch den Gipfel einen neuen Schub bekommen könnte.

"Ein wichtiges und positives Signal"

"Das Treffen war ein wichtiges und positives Signal, das Vorbild für die Politik sein kann", resümierte Lufthansa-Chef Weber gegenüber manager-magazin.de. Gleichzeitig fand Weber anerkennende Worte für den deutschen Botschafter in Amerika Wolfgang Ischinger, der das Spitzentreffen maßgeblich initiierte.

Hochtief-Chef Keitel lobte indes auch Wolfgang Clement: "Der Minister hat hier persönlich sehr viel Rückenwind erfahren in der Art und Weise wie er die deutsche Politik dargestellt hat." Dass Clement nicht mit US-Präsident Bush zusammentraf, spielte da schon keine Rolle mehr.

Mächtigsten-Parade: Kontaktbörse Villa Hügel Überblick: Die 50 mächtigsten Manager der Wirtschaft Ranking: Die Liste der 250 reichsten Deutschen

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.