Deutsche Bahn Mit 120 Millionen Euro im Minus

Personalquerelen, Tarifdesaster und jetzt auch noch tiefrote Quartalszahlen. Die Bahn macht weiterhin schlechte Schlagzeilen. Konzernchef Mehdorn übt sich dennoch in Optimismus.

Berlin - Der Abwärtstrend der Deutschen Bahn hat sich in diesem Jahr weiter beschleunigt. Allein im ersten Quartal 2003 fuhr das Unternehmen einen Verlust von 120 Millionen Euro ein.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn betonte dennoch, die Bahn liege über ihrem Plan. Er zeigte sich optimistisch, dass die für 2003 gesetzten Ziele erreicht werden. Der Verlust im ersten Quartal 2003 bedeutet eine Verschlechterung um 38 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Nach Einführung des neuen Preissystems Mitte Dezember 2002 musste die Bahn vor allem im Fernverkehr schmerzhafte Einbußen hinnehmen. Die Verkehrsleistung ging um 7,1 Prozent zurück, der Außenumsatz um 13,5 Prozent. Mehdorn führte dies auf die schlechte Konjunktur, die Billigflieger-Angebote und die Probleme mit dem neuen Preissystem zurück.

Mehdorn versprach nochmals eine Korrektur des umstrittenen Preissystems. "Soweit belastbare Daten vorliegen, werden wir Änderungen vornehmen", sagte der Bahn-Chef laut Redemanuskript. "Das heißt, wir haben jenseits einseitiger Pauschalkritik die Akzeptanzprobleme unserer Kunden verstanden."

Insgesamt konnte die Bahn ihren Umsatz im ersten Quartal 2003 - die Ergebnisse der Konzerntochter Stinnes nicht eingerechnet - leicht um 0,7 Prozent auf 3,789 Milliarden Euro steigern. Mit Stinnes wurden 6,919 Milliarden Euro erzielt. Dies entspricht einer Steigerung um 83,9 Prozent.

Rückendeckung vom Verkehrsminister

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hat sich unterdessen trotz des Chaos beim neuen Preissystem eindeutig hinter Bahn-Chef Mehdorn gestellt. Über Änderungen der Tarife werde aber nachgedacht, sagte Stolpe am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". "Wenn der Kunde das nicht annimmt, wenn das nicht funktioniert, dann wird eine Korrektur fällig."

Nach den Problemen mit dem neuen Preissystem und hohen Verlusten im ersten Quartal hat die Deutsche Bahn die Notbremse gezogen. Das Unternehmen entlässt zwei Vorstände und bessert sein umstrittenes Tarifwerk nach. Mehdorns Vertrag wurde trotz wachsender Kritik auch in der rot-grünen Koalition über das Jahr 2004 hinaus vorzeitig bis 2008 verlängert.