Vorstandsgehälter "Fette Katzen" am Pranger

Britische Konzernchefs müssen sich in Zukunft warm anziehen. Erstmals votierten Aktionäre bei der Hauptversammlung des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline gegen die Bezugsregelungen für Vorstandschef Jean-Pierre Garnier.

London - Die etwa 900 Aktionäre hatten auf der Hauptversammlung Anfang der Woche mit einer Mehrheit von 50,72 Prozent die Gehalts- und Abfindungsregelungen des Konzerns abgelehnt. Weitere 16 Prozent enthielten sich. Konkret ging es um das Paket von angeblich 22 Millionen Pfund, das GlaxoSmithKline-Chef Jean-Pierre Garnier (55) für den Fall seiner vorzeitigen Ablösung erhalten sollte.

Zuvor hatten die institutionellen Anleger gegen Garniers Gehaltsplanung getrommelt. Der britische Versicherungsverband und die Vereinigung der Pensionsfonds empfahlen ihren Aktionären, gegen die Pläne zu stimmen oder sich zu enthalten.

Die Entscheidung der Shareholder läutet eine Zeitwende in der britischen Unternehmensgeschichte ein. Bisher glichen Hauptversammlungen weitestgehend den deutschen Aktionärstreffen. Mitunter geht es wohl etwas turbulent zu. Am Ende aber werden die Vorschläge der Aufsichtsräte mit großer Mehrheit durchgewunken.

Dass die Glaxo-Aktionäre diese Tradition jetzt aufheben, ist auch eine Folge der britischen Regierungspolitik. Die Labour-Regierung hatte den Anteilseignern in diesem Jahr erstmals das Recht eingeräumt, über die Gehaltspolitik von Großkonzernen gesondert abzustimmen. Obwohl das Votum der Aktionäre für die Konzernspitze nicht bindend ist, dürfte GlaxoSmithKline  jetzt zu einer Überprüfung und Änderung ihrer Gehaltspraktiken gezwungen sein.

Tatsächlich unterstreichen die Reaktionen die Tragweite der Entscheidung. Der Vorsitzende des Glaxo-Aufsichtsrates Christopher Hogg sagte, man werde das Ergebnis "sehr ernst nehmen." Wirtschaftsministerin Patricia Hewitt lobte den "Aufstand der Eigentümer" als "völlig gerechtfertigt".

"Wir sind mit dieser Entscheidung in eine neue Welt eingetreten", sagte Peter Montagnon, Investment-Chef der britischen Vereinigung der Versicherer. Brendan Barber, Chef des Gewerkschaftsdachverbandes TUC, sprach von einem "wichtigen Ergebnis, das Folgen haben wird". Die "Financial Times" attestierte der Glaxo-Führung eine "sensationelle Niederlage".

Die Signalwirkung auf andere Unternehmen dürfte daher nicht ausbleiben. Die großzügigen Gehalts- und Abfindungsregelungen britischer Konzernlenker, abfällig auch als "fat cats" (fette Katzen) bezeichnet, stehen schon länger in der Kritik.

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