Gerling Zurück zum Familienbetrieb

Die Deutsche Bank verschenkt ihre Anteile an Rolf Gerling. Gleichzeitig wechselt die Kreditversicherungssparte den Besitzer. Bei Gerling keimt die Hoffnung auf Rettung.

Hamburg/Düsseldorf - Nach langen Monaten des Verhandelns und immer neuen Rückschlägen steht Gerling offenbar kurz vor einem Durchbruch, der die Rettung für den angeschlagenen Versicherer sein könnte. "Handelsblatt" und "Financial Times Deutschland" berichten übereinstimmend unter Berufung auf Bankenkreise, dass die Deutsche Bank  ihre Beteiligung von 34,5 Prozent ohne Kaufpreis an den Konzernerben und Mehrheitseigner Rolf Gerling abgibt.

Gleichzeitig heißt es, dass Gerling von der Deutschen Bank und dem Rückversicherer Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) für mehr als 90 Prozent an dem Kreditversicherer Gerling NCM insgesamt 180 Millionen Euro erhält. Nach Angaben aus Bankenkreisen würde die Deutsche Bank für einen Anteil von 45 bis 50 Prozent 120 Millionen Euro zahlen. Swiss Re zahlt 60 Millionen Euro in bar und erhält dafür einen ähnlich hohen Anteil, heißt es weiter.

Eigentümer des Kreditversicherers sind bislang der Gerling-Konzern mit 51 Prozent, die Swiss Re mit 25 Prozent plus einer Aktie sowie institutionelle Investoren, zu denen dem Vernehmen nach auch die Deutsche Bank gehören soll. Ursprünglich sollten die Anteile der institutionellen Anleger im Zuge eines für 2003 oder 2004 beabsichtigten Börsengangs veräußert werden.

Frisches Kapital für den siechenden Rückversicherer

Für Gerling hätten sich damit zwei Probleme auf einen Streich gelöst. Zum einen, so die Hoffnung des Managements, erleichtert der Ausstieg der Deutschen Bank die weitere Suche nach einem Käufer für den Gesamtkonzern. Gerling sucht nach wie vor Käufer für die Geschäftsfelder Sach- und Lebensversicherung. Die Deutsche Bank selbst hatte vergangene Woche den Weg frei gemacht, indem sie ihre Gerling-Beteiligung unter Bekanntgabe einer Gewinnwarnung vollständig abschrieb.

Gleichzeitig spült die Veräußerung des Kreditversicherers NCM frisches Kapital in die leeren Gerling-Kassen, die das Unternehmen voraussichtlich zur Stützung der in die Schieflage geratenen Rückversicherungssparte investieren wird. Die Probleme in diesem Bereich hatten in den vergangenen Jahren den Gesamtkonzern in die Krise gestürzt. Rolf Gerling und die Deutsche Bank machten sich daraufhin, bislang erfolglos, auf die Suche nach einem neuen Investor.

Die Finanzspritze für die Rückversicherung könnte helfen, die Veräußerung der Sparte voranzutreiben. Gerling versucht seit Monaten, den Bereich aus den Büchern zu tilgen. Der Verkauf an den Versicherungsmanager Achim Kann wurde zuletzt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) blockiert, die Kanns Engagement keine großen Erfolgschancen zurechnet.

Seither führen Gerling und die BaFin einen Rechtsstreit, der sich möglicherweise beilegen ließe, wenn die Rückversicherung frische Mittel aus dem Verkauf erhielte. Eine Stabilisierung des Bereiches könnte auch internationale Finanzmarktaufseher beruhigen und den Weg frei für einen schnellen Verkauf machen, zumal die Rückversicherung den Großteil ihres Geschäfts im Ausland tätigt.

Ohne Deutsche Bank, ohne Kreditversicherung und ohne Rückversicherung wäre Gerling zwar massiv geschrumpft. Sollte sich für das verschlankte Unternehmen dann aber ein Käufer finden, wäre der Preis nicht zu hoch gewesen.