Allianz-HV Katastrophen zum Abschied

Wie schön die Dresdner Bank doch zur Allianz passe, werden die Kritiker der Übernahme schon bald sagen, behauptet Henning Schulte-Noelle in seiner Abschiedsrede. Ansonsten beschönigt der scheidende Vorstandschef die Situation des gebeutelten Konzerns nicht.
Von Arne Stuhr und Christian Buchholz

München - Mit so vielen Katastrophen dürfte kaum je eine andere Hauptversammlung in Deutschland begonnen haben: Auf Großbildschirmen schockte die Allianz  in der Olympiahalle die 7200 Aktionäre.

Als Schleife zuckten Bilder vom getroffenen World Trade Center, der Elbeflut, dem Irak-Krieg und der Börsenkrise über die Monitore. Ereignisse, die sich auf das Allianz-Geschäft und den Börsenkurs, der heute 70 Prozent unter Höchststand liegt, auswirkten.

"Da wird aber tatsächlich mal nichts beschönigt", murmelt eine Aktionärin, während sie auf die Videobilder sieht: Die Pleiten von Enron, Fairchild Dornier, Holzmann und Babcock Borsig  sind zu sehen, Arbeitslosenzahlen, die Argentinien-Krise und selbst die Asbestklagen des zur Allianz gehörenden "Fireman's Fund" werden in Bilder umgesetzt. Alles eben, was in den vergangenen Jahren so schief lief.

Schulte-Noelle: Wachsen durch die Dresdner Bank

Abgesehen von den Problemen mit der Integration der Dresdner Bank allerdings. Deren geschasster Vorstandschef Bernd Fahrholz unterhält sich auf dem Podium kurz vor der Eröffnung noch mit dem designierten Vorstandschef der Allianz, Michael Diekmann. Auch Ex-HypoVereinsbank-Vormann Albrecht Schmidt ließ sich kurz blicken.

Während Bosch-Chef Hermann Scholl irritiert auf die Uhr sieht, teilt Noch-Aufsichtsratschef Klaus Liesen den Aktionären mit, dass die Versammlung später starten würde, da sich noch viele Teilnehmer auf der Anreise befänden.

DaimlerChryslers  Vorstandschef Jürgen Schrempp und Bertrand Collomb von Général Lafarge werden allerdings nicht mehr kommen, haben sich aus Termingründen entschuldigen lassen. Bernd Voss (Ex-Dresdner-Bank) ist wegen Krankheit nicht erschienen.

Die Anteilseigner nehmen es gelassen auf und trösten sich mit bayerischen Butterbrezeln. Als Liesen dann den Ex-Chef der Deutschen Bank 24, Herbert Walter als neuen Chef vorstellt, applaudieren sie.

Der scheidende Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle kommt in seiner Abschiedsrede recht zügig auf das Sorgenkind Dresdner Bank zu sprechen - und verteidigt erneut die Übernahme. Die Vertriebsorganisation der Bank verschaffe der Allianz eine wesentlich bessere Position in Wachstumsfeldern, sagt Schulte-Noelle. Dies werde sich in einiger Zeit deutlich zeigen.

Schon jetzt habe sich "gegenüber dem alten Kooperationsmodell das Geschäft mit Lebensversicherungen in unseren Bankfilialen verdoppelt, das Sachversicherungsgeschäft sogar vervierfacht", so Schulte-Noelle.

Quartal von 800-Millionen-Abschreibung belastet

Im ersten Quartal (Q1) erwartet die Allianz nach einem Milliardenverlust 2002 deutliche operative Verbesserungen bei der Dresdner Bank. Vor den offiziellen Zahlen, die am 16. Mai veröffentlicht werden, gab Schulte-Noelle bereits einen Posten aus dem Zahlenwerk bekannt: 800 Millionen Euro wird der Konzern als Abschreibung auf seinen Wertpapierbesitz verbuchen. Die Summe entspricht exakt jener, die die Deutsche Bank in ihrem Q1-Bericht ansetzt.

Auch wenn Schulte-Noelle keine weiteren Einzelheiten nennt, ist die Aussage als Signal für einen Verlust im ersten Quartal zu werten.

Ein Lob für die Verbriefungsbank

Die so genannte Institutional Restructuring Unit bei der Dresdner, in der unter Leitung von Jan Kvanström Kredite gebündelt wurden, will Schulte-Noelle nicht als "bad bank" verstanden wissen. Zwei Drittel der Engagements, die insgesamt etwa 30 Milliarden Euro umfassen, seien werthaltig. "Allerdings in Regionen und Märkten, in denen die Bank in Zukunft nicht mehr tätig sein wird", so Schulte-Noelle weiter.

Ein Lob für die Verbriefungsbank

Die neu eingerichtete Verbriefungsbank unter Federführung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erwähnt der Konzernchef nicht. Ein Allianz-Sprecher sagte aber gegenüber manager-magazin.de am Rande der Hauptversammlung, man "begrüße die neue Institution". Ein wichtiger Vorteil sei die Verkürzung der Bilanzen bei den Banken durch die Auslagerung der Kredite. Für die Restrukturierung bei Allianz/Dresdner spiele die neue Verbriefungsbank allerdings eine untergeordnete Rolle.

"Wir haben Weichenstellungen von grundsätzlicher Bedeutung vorgenommen und zahlreiche Initiativen auf den Weg gebracht", sagte Schulte-Noelle. Das Ziel der Anstrengungen sei "die Wiederherstellung der Profitabilität". Unter diesem Gesichtspunkt sei 2002 "ein ambivalentes, aber kein verlorenes Jahr" gewesen - das so nicht wieder vorkommen dürfe. "Ein solcher Abschluss muss ein singuläres Ereignis bleiben", sagte Schulte-Noelle.

Zum Abschluss seiner Rede dankte Schulte-Noelle in dürren Worten und beherrscht wie gewohnt den Mitarbeitern und Aktionären für das Vertrauen in ihn. Über seinen Nachfolger sagte Schulte-Noelle, er sei "der Richtige". Anschließend schüttelte er Diekmann die Hand und klopfte ihm auf die Schulter.

Kauf von AGF und DDR-Versicherung hervorgehoben

Aufsichtsratschef Liesen hob in seiner Laudatio auf Schulte-Noelle zwei Ereignisse hervor: Zum einen die Eingliederung der DDR-Versicherung in die Allianz. Die Presse, so Liesen, habe die Aktion damals als "Milliardengrab" beurteilt, heute zeige sich, dass der Schritt erfolgreich war.

Zum anderen verwies Liesen auf die Übernahme der französischen AGF-Versicherung. "Ihr diplomatisches Geschick machte es möglich, dass wir in Frankreich überhaupt als Weißer Ritter aus Deutschland auftreten konnten", lobte Liesen Schulte-Noelle.

Der Angesprochene verabschiedete seinerseits mit Dank Aufsichtsratschef Liesen, der seit 20 Jahren im Aufsichtsrat und seit 1996 an dessen Spitze wirkte.

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