Siemens Turbo mit Turbinen

Der Münchener Elektrogigant übernimmt das Industrieturbinen-Geschäft von Alstom. Marktbeobachter warnen jedoch, dass der Ausbau der Energiesparte zu einem falschen Zeitpunkt kommen könnte.

München - 1,1 Milliarden Euro bezahlt Siemens  für die Industrieturbinen des angeschlagenen französischen Alstom-Konzerns. Die Münchener stärken damit wie erwartet ihren eigenen Kraftwerksbereich zunächst mit den kleinen Gasturbinen (bis 15 Megawatt). In einem zweiten Schritt folgen dann die mittleren Gasturbinen (bis 50 MW) und die industriellen Dampfturbinen (bis 100 MW).

Entsprechende Verträge sind laut Siemens mit Alstom  vereinbart. Der Transaktion müssen noch die Kartellbehörden zustimmen. Damit setzen sich die Münchener gegen die Konkurrenten General Electric  und Hitachi  durch, die ebenfalls Interesse bekundet hatten.

Durch die Übernahme werde die Siemens-Kraftwerksparte zu einem der weltweit führenden Anbieter für industrielle Energielösungen aufsteigen, sagte Bereichsvorstand Klaus Voges. Den Kunden könne künftig eine vollständige Palette von Produkten und Serviceleistungen angeboten werden. Zudem eröffneten sich neue Perspektiven in der Öl- und Gasindustrie. Das Servicegeschäft wird laut Voges weiter ausgebaut.

Die Siemens-Kraftwerksparte Power Generation zählt zu profitablen Bereichen des Elektronikkonzerns. Im Geschäftsjahr 2002, das zum 30. September endete, betrug das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) 1,582 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei 9,4 Milliarden Euro. Power Generation beschäftigt weltweit rund 26.000 Mitarbeiter.

Die Turbinensparte von Alstom gehört den Angaben zufolge zu den weltweit führenden Anbietern im Industrieturbinen-Sektor. Mit rund 6500 Mitarbeitern erzielte Alstom Power im Geschäftsjahr 2002 einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro.

Obwohl Siemens den Bereich weiter ausbaut, sehen Marktbeobachter zunächst Alstom als großen Gewinner des Geschäfts. "Der Preis liegt leicht über den Markterwartungen", erklärte ein Händler in Paris den Kurssprung. Der hoch verschuldete Mischkonzern wird nach eigenen Angaben rund 950 Millionen Euro nach Abzug von Schulden für sich verbuchen können.

Von der Höhe des Kaufpreises zeigten sich deutsche Analysten allerdings weniger überrascht als von der "Sinnhaftigkeit dieses Deals". Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck bezweifelte mit Blick auf den nahezu unveränderten Aktienkurs, dass die Anleger es gerne sähen, wenn Siemens gerade jetzt in einen Bereich investiere, der sich im Abschwung befände. "Dass der Boom im Turbinen-Geschäft vor allen in den USA zu Ende ist, weiß doch jeder". Außerdem kämen auf Siemens womöglich hohe Integrationskosten zu, sagte Kitz.

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