Henkel Lehner fordert höheren Preis von Procter

Für das Wella-Paket fordert Konzernchef Lehner mehr als P&G zahlen will. Dabei beruft er sich auf das Aktiengesetz.

Düsseldorf - Als der Konsumgüterkonzern Henkel wenige Tage vor der Übernahme von Wella  durch den US-Konkurrenten Procter & Gamble  noch ein stattliches Aktienpaket kaufte, war das ein lohnendes Investment. Denn der Aktienkurs lag weit unter dem Preis, den P&G allen Wella-Aktionären, also auch Henkel, bot.

Nur: Für ausreichend hält Henkel-Vorstandschef Ulrich Lehner die Summe noch nicht. Der Preis, den P&G für die Wella-Vorzugsaktien bietet, sei "nicht akzeptabel", so Lehner.

Bei der Henkel- Hauptversammlung am heutigen Montag betonte Lehner, die Preisspanne des Angebots für Vorzüge und Stämme von rund 50 Prozent werfe auch rechtliche Fragen auf, da der Gesetzgeber angemessene Angebote für die Aktionäre vorschreibe, sagte Lehner. Die Lösung der Probleme könne erleichtert werden, wenn P&G den Preisunterschied verringere.

Schnelle Entscheidung, aufzubegehren

Lehner wich damit von seinem vorab verbreiteten Redetext ab, in dem es lediglich hieß, Henkel halte das Angebot für die Vorzugsaktien für "sehr niedrig". P&G hatte Mitte März den Darmstädter Haarpflegespezialist Wella übernommen.

Henkel hatte kurz zuvor, am 10. März, die Übernahme einer 6,86-prozentigen Beteiligung an Wella bekannt gegeben. Der Konsumgüterkonzern hält dabei 10,38 Prozent der Vorzugs- und 4,99 Prozent der Stammaktien des Haarpflegespezialisten.

Henkel halte diesen Anteil noch immer, sagte Lehner. Mit der Beteiligung kann Henkel ein Herausdrängen (Squeeze Out) der Kleinaktionäre bei Wella verhindern. P&G hatte bereits erklärt, man erwäge Gespräche mit Henkel über deren Wella-Anteil.

Aufwärtstrend mit Pritt und Persil

Henkel hatte im vergangenen Jahr selbst für Wella geboten, bevor P&G dann das Rennen um den Darmstädter Konzern machte. Dabei wurden von den Wella-Eigentümerfamilien rund 78 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien für 92,25 Euro pro Papier erworben.

Zugleich unterbreitete der US-Konzern den ausstehenden Aktionären ein Übernahmeangebot für ihre Anteile. Dabei sollen die Vorzugsaktionäre allerdings nur 61,50 Euro je Anteilsschein erhalten.

"Noch ist es zu früh, um Aussagen über die weitere Vorgehensweise zu treffen", sagte Lehner weiter. Zunächst müssten Einzelheiten des Angebots von P&G für Wella ausgewertet werden.

Auch der Wella-Vorstand hatte die starke Abweichung des Angebots zwischen Stamm- und Vorzugsaktien kritisiert. Mit den Stammaktien sichert sich P&G die Stimmrechte bei Wella, die die Vorzüge nicht beinhalten.

Zuversicht für das Geschäftsjahr 2003

Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr sagte Lehner, Henkel habe "allen Grund, zuversichtlich zu sein, unsere anspruchsvollen Unternehmensziele für 2003 zu verwirklichen". Er hatte bereits bei der Bilanzvorlage für 2002 im März angekündigt, das Ergebnis je Aktie 2003 um knapp zehn Prozent steigern zu wollen. Dies solle zum einen durch ein bereinigtes Umsatzwachstum von rund vier Prozent erreicht werden, zum anderen durch weitere Einsparungen.

Die durch Marken wie Persil und Pritt-Klebstoff bekannte Gruppe will in diesem Jahr zudem eine Steigerung des betrieblichen Ergebnisses (Ebit) im hohen einstelligen Prozentbereich erzielen. Im vergangenen Jahr war das Ebit um 10,6 Prozent auf 666 Millionen Euro gestiegen.

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