Grundig Die Insolvenz ist angemeldet

Die Vermeidung des Insolvenzantrags gelang gerade mal drei Tage lang. Der neue Vorstandschef Eberhard Braun, krisenerfahren durch Fairchild-Dornier und Flowtex, hat jetzt die Fäden in der Hand. Für Besitzer von Grundig-Geräten gelten Reparatur- und Garantie-Regelungen vorerst nicht uneingeschränkt.

Nürnberg - Grundig hat am Montag Insolvenzantrag beim Gericht in Nürnberg gestellt. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber manager-magazin.de. Der Schritt war erwartet worden, nachdem vor einer Woche mit dem türkischen Elektronikhersteller Beko der letzte potenzielle Investor überraschend abgesagt hatte.

Ob die Besitzer von Grundig-Geräten sich trotz der Konzern-Schieflage darauf verlassen können, dass Reparatur- und Garantiefälle künftig in vollem Umfang erfüllt werden, sei noch nicht abschließend geklärt, hieß es seitens des Konzerns. Justiziare beschäftigten sich am Montag mit der Klärung der Frage.

Der fränkische Elektronikhersteller verzeichnete im Geschäftsjahr 2001 einen Verlust von 150 Millionen Euro. Auch der im selben Jahr als Sanierer geholte Vorstandschef Hans-Peter Kohlhammer konnte das Ruder nicht mehr herumreißen.

Nachdem mit dem taiwanesischen Sampo-Konzern und dem türkischen TV-Geräte-Hersteller Beko zuletzt gleich zwei Interessenten abgesprungen waren, war am vergangenen Dienstag Eberhard Braun zum neuen Vorstandssprecher berufen worden. An Brauns Seite bestellte das Gericht den Nürnberger Anwalt Siegfried Beck zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Gutachten über Schräglage soll Mitte Mai vorliegen

"Damit ist das vom Unternehmen in Eigenverantwortung abgewickelte Ordnungsverfahren erstmal vom Tisch", sagte Justizsprecher Bernhard Wankel. Beck solle bis zum 19. Mai ein Gutachten erstellen, das einen genauen Überblick über Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung des Nürnberger Unternehmens geben soll.

Wankel deutete aber bereits an, dass sich dieses Verfahren voraussichtlich über zwei Monate erstrecken wird. "Danach besteht für das Gericht nochmal die Möglichkeit, Eigenverantwortung anzuordnen", sagte der Sprecher.

Damit erhielte der Grundig-Vorstand größeren Handlungsspielraum, müsste sich aber weiter von einem Sachwalter kontrollieren lassen. Vor allem der Betriebsrat hatte große Hoffnungen auf dieses Verfahren gesetzt, da es die Sanierung der betroffenen Firma zum Ziel hat.

Welche Rolle spielt Anton Kathrein?

Wer den Massekredit gab, ist unklar

Über die weiteren Maßnahmen will der Grundig-Vorstand im Laufe des Tages die Belegschaft in Nürnberg informieren. Neben den 1400 hier Beschäftigten werden auch die Mitarbeiter aus dem Bayreuther Werk für Bürokommunikation und weiteren Niederlassungen erwartet.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass ein neuer Massekredit dem Unternehmen zumindest für die kommenden zwei Monate das Überleben sichert. "Ja, da wurde etwas zugesagt", bestätigte Grundig-Sprecher Holm Kilbert gegenüber manager-magazin.de. Er wollte sich aber nicht dazu äußern, welche Bank oder welcher Investor eingesprungen ist. Durch das Konkursausfallgeld wären die Gehälter der Beschäftigten für die nächsten drei Monate sicher.

Der Elektronikkonzern war in der vergangenen Woche auf das endgültige Aus zugesteuert, nachdem mit dem türkischen TV-Geräte-Hersteller Beko bereits der zweite potenzielle Investor abgesprungen war. Die Banken hatten sich danach einer Verlängerung der Kreditlinien verweigert. Betriebsratschef Thomas Schwartz hatte die Grundig-Verbindlichkeiten auf 130 bis 260 Millionen Euro beziffert. Der Grundig-Konzern beschäftigt rund 3800 Mitarbeiter, davon 1800 in Deutschland.

Grundig gehört zu fast 100 Prozent Anton Kathrein

Branchen-Insider vermuten, dass Braun als einen ersten Schritt plant, das Grundig Werk in Wien (850 Mitarbeiter) zu veräußern. Dort ist die Produktion seit Donnerstag vergangener Woche gestoppt, am Dienstag soll sie laut Unternehmenssprecher Kilbert aber wieder aufgenommen werden. Zu den Verkaufsgerüchten sagte er: "Kein Kommentar." Die Gewerkschaft IG Metall hatte am Donnerstag ein Rückverlagerung der TV-Produktion in Wien nach Nürnberg gefordert.

Der neue Vorstandschef Braun hat bisher nichts über seine Pläne für Grundig bekannt gegeben. Er strebt aber eine Insolvenz in Eigenverantwortung an. Ziel ist die Sanierung des Unternehmens. Gelingt das Unterfangen, profitiert der Inhaber des Satelliten- und Antennen Spezialisten Kathrein. Deren Geschäftsführer Anton Kathrein stockte kürzlich seinen Anteil an Grundig von 89 Prozent um mehr als zehn Prozent auf.

Rudolf Sonnleitner, Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei Kathrein, sagte gegenüber manager-magazin.de: "Herr Professor Kathrein arbeitet zur Zeit mit dem Grundig-Betriebsratsvorsitzenden Thomas Schwartz an einer Erklärung, die im Laufe der Woche veröffentlicht werden soll." Vorher, so eine Übereinkunft mit Grundig-Vorstandschef Braun, werde sich Kathrein nicht zu dem Thema äußern.

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