Münchener Rück Verlust nicht ausgeschlossen

Operativ läuft das erste Quartal gut, sagt Finanzchef Schneider. Gleichwohl schließt er einen Verlust nicht aus. Die Resonanz auf die geplante nachrangige Anleihe sei zufriedenstellend. Eine zusätzliche Kapitalerhöhung sei vorerst nicht nötig.

München - Die Münchener Rück  sieht bei konstanten oder steigenden Börsenkursen keine Notwendigkeit für eine Kapitalerhöhung. Wegen der "enormen Schwankungen an den Weltbörsen" könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass irgendwann eine Kapitalerhöhung nötig werde, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe).

"Unser Eigenkapital ist so kalkuliert, dass wir ein Jahr mit zwei Großereignissen überstehen können, wie sie statistisch gesehen nur einmal pro Jahrhundert vorkommen", sagte Schneider weiter.

Er betonte zugleich, das Rückversicherungs-Geschäft laufe so gut wie schon lange nicht mehr. Auch im ersten Quartal sei das Ergebnis des operativen Geschäfts hier hervorragend.

Vorstand schließt Verlust im ersten Quartal nicht aus

Allerdings müsse das Unternehmen wegen Kursverlusten vermutlich noch einmal einen hohen Betrag im ersten Quartal abschreiben. "Deshalb ist unklar, ob es im Konzern einen Gewinn oder Verlust gegeben hat", sagte Schneider.

Die Resonanz auf die geplante Ausgabe von nachrangigen Anleihen sei seinem Eindruck zufolge "sehr gut". Es sei nun sicher, dass es mindestens zwei Tranchen der Anleihe geben werde, eine größere in Euro, eine kleinere in britischen Pfund. Der Vorteil von nachrangigen Anleihen sei, dass die Besitzer die Forderungen erst ganz zuletzt realisieren könnten. Damit erhöhe sich die Sicherheit für die bisherigen Gläubiger. Über die Höhe der Zinszahlungen wollte der Finanzvorstand keine Angaben machen. Die Spekulationen um einen Zins von gut sieben Prozent seien aber "viel zu hoch angesetzt".

Genauer Kapitalbedarf bleibt unklar

Wieviel frisches Geld die Münchener Rück braucht, wollte Schneider nicht sagen. Das Unternehmen habe lediglich ein Minimum und ein Maximum der Gesamtsumme definiert. "Mit 500 Millionen Euro oder ähnlichem würden wir uns jedoch sicherlich nicht zufrieden geben", sagte der Finanzvorstand.

Aus Finanzkreisen verlautet dagegen, dass der Rückversicherer eine Summe um die drei Milliarden Euro braucht. Die "Financial Times Deutschland" hatte am Donnerstag unter Berufung auf Angaben aus Konsortialkreisen berichtet, dass die Münchener Rück das Volumen der geplanten Euro-Anleihe von ein auf zwei Milliarden Euro verdoppelt hat.

Die Kapitalausstattung des Unternehmens hat sich durch die weltweit sinkenden Kurse an den Börsen deutlich verschlechtert. Der Aktienkurs der Münchener Rück ist in den vergangenen drei Jahren um mehr als 80 Prozent eingebrochen.

Der Konzern hatte im vergangenen Jahr seinen Gewinn mit Beteiligungsverkäufen zwar auf 1,1 Milliarden Euro vervierfacht. Hohe Abschreibungen und ein Rekordverlust im vierten Quartal belasteten das Ergebnis aber unerwartet stark. Das Kapitalanlage-Ergebnis halbierte sich im vergangenen Jahr auf 5,6 Milliarden Euro. Das Eigenkapital schrumpfte um ein Viertel auf 14 Milliarden.

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