Air Canada Gnadenfrist bis zum Frühsommer

Ein weiterer Star-Alliance-Partner der Lufthansa hat Gläubigerschutz beantragt. Die Frankfurter bleiben jedoch gelassen.

Toronto - Air Canada, die größte Fluglinie im zweitgrößten Land der Welt, beantragte den Gläubigerschutz am Dienstagabend in Ontario und hat nun bis zum Frühsommer Zeit, um die Sanierung durchzusetzen. Solange kann der Flugbetrieb weitergehen. Die Gesellschaft brauche eine Schonfrist, um ihre Geschäfte neu zu ordnen, mit den Gewerkschaften zu verhandeln und die Regierung um Unterstützung zu bitten, teilte das Unternehmen mit.

Konzernchef Robert Milton versicherte den Kunden, ihre Reisepläne würden nicht berührt. Aus Kreisen der kanadischen Regierung verlautete laut Reuters, dass nicht mit der Ankündigung einer sofortigen Hilfe zu rechnen sei.

Die Börse in Toronto setzte den Handel mit Air-Canada-Aktien in Erwartung des Antrags auf Gläubigerschutz aus. Der Kurs war bereits am Montag auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gefallen. Air Canada hatte den Antrag vor dem obersten Gericht der Provinz Ontario eingereicht. Die Gesellschaft will zudem einen Antrag im Rahmen des US-Insolvenzrechts stellen. Mit GE Capital hat Air Canada eine Zwischenfinanzierung von 1,05 Milliarden kanadischen Dollar vereinbart.

Milton machte zahlreiche Entwicklungen für die Probleme seiner und anderer Fluggesellschaften verantwortlich. Er verwies auf den Kollaps des Hochtechnologiebereichs im Jahr 2000, auf den konjunkturellen Abschwung in 2001, auf die Terrorattacken vom 11. September 2001, die Konkurrenz von Billigfluglinien, hohe Ölpreise und jetzt den Irak-Krieg.

Sieben offene Bestellungen für Airbus-Flugzeuge

Air Canada habe von ihren Gewerkschaften 650 Millionen kanadische Dollar an jährlichen Kosteneinsparungen gefordert. Es habe bisher noch keine Vereinbarungen gegeben. Milton nannte die Reaktion der Gewerkschaftsführung enttäuschend. Die Gesellschaft will zudem die Preise vereinfachen und das Streckennetz umbauen. Auch die Flugzeugflotte soll gestrafft werden.

Air Canada hat bisher 40.000 Angestellte und eine Flotte von 357 Flugzeugen. Sie bietet Flüge zu zahlreichen kanadischen Zielen an. Zusammen mit Lufthansa  und anderen Airlines ist Air Canada Gründungsmitglied der Star Alliance.

Nach Auskunft von Airbus hat Air Canada noch sieben offene Bestellungen für Airbus-Flugzeuge, darunter fünf A-340 und zwei A-321. Analysten rechnen nicht damit, dass die Gesellschaft diese Maschinen noch abnehmen wird.

Lufthansa: "Keine Veränderungen am Flugplan"

Der Gläubigerschutz-Antrag des Star-Alliance-Partners Air Canada wird nach Einschätzung der Lufthansa keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb haben. Es gebe keine Veränderungen am Flugplan, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow am Mittwoch in Frankfurt. Mit Air Canada arbeitet die Lufthansa etwa bei Flügen nach Vancouver, Montreal und Toronto zusammen.

"Air Canada nutzt die Chance, sich unter Gläubigerschutz neu aufzustellen. Wir schauen sehr zuversichtlich auf die nächsten Monate". Auch andere Fluggesellschaften seien gestärkt aus Gläubigerschutzverfahren hervorgegangen.

Insolvenz von United Airlines "nicht spürbar"

Für Passagiere der Lufthansa sei auch die Insolvenz des Star-Alliance-Partners United Airlines vor einigen Monaten nicht spürbar.

Air Canada ist die vorläufig letzte Fluggesellschaft in einer langen Reihe großer Namen, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium in Washington sowie durch die weltweite Konjunkturschwäche ins Trudeln geraten sind. Die US Airways Group stand bis Dienstag unter Gläubigerschutz, die UALCorp., das Mutterunternehmen des Star-Alliance-Mitgliedes United Airlines, steht noch unter Gläubigerschutz und die AMR Corp, die Muttergesellschaft der American Airlines, einigte sich erst kürzlich mit den Gewerkschaften auf Zugeständnisse der Arbeitnehmer, um einen Konkurs abzuwenden.

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