Mannesmann/Vodafone Chronik einer Übernahmeaffäre

Knapp dreieinhalb Monate dauerte die spektakulärste Übernahmeschlacht der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nun steht der seit Ende Januar dieses Jahres laufende Mannesmann-Prozess wegen des Vorwurfs der schweren Untreue beziehungsweise der Beihilfe dazu kurz vor dem Abschluss. Eine Chronik der Ereignisse.

22. Oktober 1999:

Einen Tag, nachdem Mannesmann-Chef Klaus Esser den Kauf des britischen Mobilfunkanbieters Orange angekündigt hat, berichtet die Londoner "Times", der (ebenfalls britische) Konzern Vodafone-Airtouch plane die Übernahme von Mannesmann. Vodafone , weltgrößter Mobilfunkbetreiber und bereits mit 34 Prozent an Mannesmann Mobilfunk beteiligt, ist ein Konkurrent von Orange. Die Mannesmann-Aktie notiert an diesem Tag bei 144 Euro.

7. November 1999: Zeitungen spekulieren, dass Vodafone und France Telecom eine "feindliche" Übernahme planen. Der Mannesmann-Kurs steigt steil an.

14. November 1999: Vodafone legt den Mannesmann-Aktionären ein erstes Übernahmeangebot vor. Es hat ein Volumen von umgerechnet rund 100 Milliarden Euro, für eine Mannesmann-Aktie werden 43,7 eigene Anteile geboten. Vodafone interessiert sich für das D2-Netz des Düsseldorfer Konzerns.

Vorstandschef Klaus Esser lehnt die Offerte als "völlig unangemessen" ab. Vodafone-Chef Chris Gent bessert bis Dezember mehrfach nach. Er strebt jetzt eine feindliche Übernahme an.

16. November 1999: Die Mannesmann-Aktie steigt auf 209,90 Euro.

19. November 1999: Vodafone stockt sein Angebot mit 53,7 eigenen Aktien für eine Mannesmann-Aktie auf und richtet sich jetzt direkt an die Aktionäre. Der Wert der Übernahme-Offerte beläuft sich auf 124 Milliarden Euro. Damit ist das Angebot das bis dato höchste in der Wirtschaftsgeschichte. Der Mannesmann-Vorstand lehnt abermals ab.

23. November 1999: Auf einer Protestveranstaltung machen in Düsseldorf rund 1000 Betriebsräte des Konzerns Front gegen Vodafone. Konzern-Chef Klaus Esser kündigt eine Beschleunigung des Firmenumbaus an und will sich schneller auf den Wachstumsbereich Telekommunikation konzentrieren.

28. November 1999: Mannesmann lehnt das Angebot von Vodafone erneut ab.

21. Dezember 1999: Die Europäische Kommission genehmigt die Übernahme von Orange durch Mannesmann.

10. Januar 2000: Vodafone wirft Mannesmann vor, seine Aktionäre mit Warnungen vor erheblichen Risiken der Übernahme zu täuschen.

11. Januar 2000: Das "Wall Street Journal" berichtet über Gespräche zwischen Mannesmann und dem französischen Medien- und Telekomkonzern Vivendi .

Die Einigung

28. Januar 2000: Mannesmann-Chef Esser will nach Presseberichten mit seinem Unternehmen bei AOL Europe - damals noch geleitet vom später entlassenen Andreas Schmidt - einsteigen, um die feindliche Übernahme abwehren zu können. Er gibt AOL  dann aber am 3.2.2002 unvermittelt einen Korb.

30. Januar 2000: Esser läßt die bereits unterschriftsreifen Verhandlungen mit Vivendi scheitern. Noch am selben Tag geben Vodafone  und Vivendi Universal  die Gründung einer gemeinsamen Internet-Firma bekannt, wenn Vodafone über 50 Prozent der Mannesmann-Anteile erwirbt. Mannesmann hat damit einen möglichen Retter verloren.

31. Januar 2000: Funk, der Aufsichtsrats-Vorsitzende von Mannesmann, sagt Esser zu, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand auf Lebenszeit einen Wagen mit Fahrer und ein Büro mit Sekretärin in Anspruch nehmen könne. Diesen Anspruch ließ Esser sich später abkaufen - für zwei Millionen Euro.

2. Februar 2000: Canning Fok von Hutchison Whampoa  bedrängt Esser, der Übernahme durch Vodafone zuzustimmen.

3. Februar 2000: Vodafone und Mannesmann einigen sich. Am späten Abend besiegeln Gent und Esser die Einigung mit einem Händedruck in der Mannesmann-Zentrale am Düsseldorfer Rheinufer.

Unmittelbar zuvor hatte Esser seinen Widerstand gegen die Übernahme aufgegeben, da die geplante Kooperation mit Vivendi gescheitert war. Vodafone zahlt für die Mannesmann-Übernahme rund 190 Milliarden Euro in Aktien. Klaus Esser wird bis auf weiteres Vizechef bei Vodafone.

4. Februar 2000: Der Aufsichtsrat von Mannesmann stimmt der Übernahme zu und bewilligt Sonderzuwendungen an Funk, Esser und vier weitere Vorstandsmitglieder von insgesamt 48 Millionen D-Mark.

17. Februar 2000: Der Aufsichtsrat von Mannesmann beruft Esser auf Wunsch von Vodafone mit Wirkung zum 31. Juli 2000 vorzeitig ab und gewährt ihm eine weitere Abfindung von 30 Millionen D-Mark.

23. Februar 2000: Esser gerät wegen seiner Rekordabfindung in Höhe von 60 Millionen D-Mark ins Visier der Justiz. Die Änwälte Binz und Sorg stellen angesichts der Höhe der Abfindung Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft.

21. März 2000: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf verneint einen Anfangsverdacht und lehnt die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen Esser und andere ab.

27. März 2000: Der Mannesmann-Aufsichtsrat beschließt in den Räumlichkeiten der Deutschen Bank  in Frankfurt, die so genannten Alternativpensionen pensionierter Vorstandsmitglieder mit 63,5 Millionen D-Mark abzufinden.

3. April 2000: Die Anwälte Binz und Sorg legen bei der Generalstaatsanwaltschaft Beschwerde gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf ein.

17. April 2000: Die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone wird rechtlich vollzogen. Vodafone-CEO Chris Gent wird Vorsitzender des Aufsichtsrats von Mannesmann.

30. Januar 2001: Vodafone-CEO Chris Gent nimmt den früheren Mannesmann-Chef vor dem Vorwurf in Schutz, bei der größten Übernahmeschlacht der Wirtschaftsgeschichte vor allem sein eigenes Wohl im Blick gehabt zu haben.

12. März 2001: Die Generalstaatsanwaltschaft gibt der Beschwerde von Binz und Sorg statt und weist die Staatsanwaltschaft Düsseldorf an, gegen Esser und Mitglieder seiner Führungsmannschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue und anderer Vorwürfe einzuleiten.

13. März 2001: Esser bestreitet abermals, den Übernahmekampf mit Vodafone zur eigenen Bereicherung benutzt zu haben.

Die Anklage

20. August 2001: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf weitet ihre Ermittlungen zu etwaigen Unregelmäßigkeiten bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone aus. Wegen des Verdachts der Untreue oder der Beihilfe dazu ermittelt die Anklagebehörde inzwischen nicht nur gegen Esser, sondern auch gegen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Josef Ackermann.

27. August 2001: IG-Metall-Chef Klaus Zwickel wehrt sich gegen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Zusammenhang mit den Millionen-Abfindungen für Manager des Mannesmann-Konzerns.

28. August 2001: Zwickel räumt erstmals öffentlich ein, mit seiner Stimmenthaltung bei der Vergabe von Millionen-Zahlungen an Spitzenmanager von Mannesmann Fehler gemacht zu haben.

11. Juni 2002: Die verbliebenen Kleinaktionäre von Mannesmann werden von Vodafone im Wege des so genannten "Squeeze out-Verfahrens" zum Kurs von 218 Euro aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

24. Juli 2002: Der Rechtsanwalt von Zwickel spricht sich im Zusammenhang mit der möglichen Anklageerhebung gegen seinen Mandaten für eine Ablösung der Staatsanwälte aus.

25. Juli 2002: Angesichts einer drohenden Anklage entbrennt zwischen Zwickel und der zuständigen Staatsanwaltschaft ein heftiger Streit. Zwickel bezichtigt die Ermittler der Voreingenommenheit. Politiker aus Union und FDP fordern Zwickel und Ackermann zum Rücktritt auf.

31. Juli 2002 Esser reicht beim Landgericht Düsseldorf eine Amtshaftungsklage gegen das Land Nordrhein-Westfalen als Dienstherr der Staatsanwaltschaft ein. Darin wirft der Manager den Staatsanwälten Amtspflicht-Verletzungen und Rufschädigung vor. Er verlangt Schadenersatz und Schmerzensgeld.

27. August 2002: Esser scheitert mit seiner Beschwerde gegen die Düsseldorfer Justiz. Die Generalstaatsanwaltschaft Köln weist den Vorwurf des Managers zurück, dass der oberste Düsseldorfer Ermittler Lothar Sent im Verfahren gegen Esser wegen des Verdachts der Untreue Dienstgeheimnisse an Medien verraten hat.

7. Februar 2003: Das nordrhein-westfälische Justizministerium ermöglicht eine Anklage in der Mannesmann-Affäre.

17. Februar 2003: Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen sechs Personen. Dabei handelt es sich um Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser sowie um den ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, den früheren Konzernbetriebsratsvorsitzenden Jürgen Ladberg und den einstigen Personalvorstand Dieter Droste.

19. September 2003: Das Landgericht Düsseldorf hat seine Entscheidung gefällt und die Untreue-Klage gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf weitere Beteiligte zugelassen. "Das Management ist nach wie vor überzeugt, dass Ackermann sich zu jeder Zeit korrekt und sachgerecht verhalten hat und hält die gegen ihn erhobene Anklage für unbegründet", sagt ein Sprecher von Deutschlands größtem Kreditinstitut in einer ersten Stellungnahme.

Ackermann habe die volle Unterstützung vom Vorstand und Aufsichtsrat der Bank, heißt es weiter. An der Börse fiel die Aktie der Deutschen Bank  im Rahmen des Gesamtmarktes um 0,5 Prozent auf 58,92 Euro.

24. Oktober 2003: Das Landgericht Düsseldorf legt die Verhandlungstermine für das Mannesmann-Verfahren fest. Erster Prozesstag ist der 21. Januar 2004.

Der Prozessauftakt

21. Januar 2004: Im Saal L111 des Düsseldorfer Landgerichts beginnt der wohl spektakulärste Wirtschaftsprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der erste Verhandlungstag wird von den Strafverteidigern dominiert, die mit zahlreichen Anträgen das Geschehen prägen. Die Angeklagten Joachim Funk, Klaus Zwickel, Jürgen Ladberg, Klaus Esser, Josef Ackermann und Dietmar Droste müssen zunächst nur Angaben zur Person machen.

22. Januar 2004: Am zweiten Verhandlungstag nehmen bis auf Dietmar Droste alle Angeklagten zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung. Klaus Esser, der einen fünfstündigen Vortrag angekündigt hatte, wird mit seinen Einlassungen nicht fertig und wird diese daher in der folgenden Woche fortsetzen.

28. Januar 2004: Klaus Esser setzt seine Einlassungen fort und beantwortet danach die Fragen des Gerichts. Der Staatsanwaltschaft räumt er aber kein Fragerecht ein. Die Atmosphäre im Gerichtsaal wird zunehmend hitziger. Richterin Brigitte Koppenhöfer muss schlichtend eingreifen.

29. Januar 2004: Am vierten Verhandlungstag beginnt die Beweisaufnahme. Der erste Zeuge, Ex-Mannesmann-Vorstand Kurt-Jürgen Kinzius macht von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Joachim Peters, ehemals Leiter der Mannesmann-Rechtsabteilung, gibt hingegen umfassend Auskunft.

6. Februar 2004: Am fünften Verhandlungstag werden als Zeugen der ehemalige Leiter der Mannesmann-Abteilung "Gesellschaftsorgane und Beteiligungen", Götz Müller, und der Morgan-Stanley-Banker Dietrich Becker befragt. Becker, Mitglied des "Projekts Friedland" sorgt für den Satz des Tages, indem er Canning Fok von Hutchison Whampoa  die Worte "We need to do this the Chinese Way" in den Mund legt.

11. Februar 2004: Josef Ackermann legt bei seinen Einlassungen zur Sache mit einer rund einstündigen Ausführung nach. Danach sagt Investmentbanker Colin Roy, damals für Merrill Lynch  in Diensten von Mannesmann, als Zeuge aus.

12. Februar 2004: Am siebten Tag der Hauptverhandlung sagt Frank Esser - Mitglied des "Friedland-Teams" aber nicht verwandt mit Klaus Esser - als Zeuge aus. Anschließend wird ein Video von einem Fernsehinterview mit Chris Gent vom 2. Februar 2000 vorgeführt.

19. Februar 2004: Am achten Prozesstag sagen in Düsseldorf der ehemalige Mannesmann-Arbeitsdirektor Sigmar Sattler und der ehemalige Mannesmann-Finanzvorstand Joachim Rauhut als Zeugen aus. Auch Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs , sollte eigentlich als Zeuge auftreten. Doch das Gericht hatte die Vorladung an eine nicht mehr gültige Adresse in London geschickt. Dibelius soll nun später seine Aussage machen.

26. Februar 2004: Am neunten Tag der Hauptverhandlung zieht der gesamte Prozess-Tross in den Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts im Düsseldorfer Stadtteil Hamm um. Grund: Die Video-Vernehmung des Zeugen Canning Fok. Rund vier Stunden ist der Chef des ehemaligen Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa  aus Hong Kong zugeschaltet.

3. März 2004: Am zehnten Tag der Hauptverhandlung - wieder zurück in Saal L 111 des Landgerichts Düsseldorf - sagen als Zeugen der M&A-Experte Ralph Wollburg und der Aktienrechtler Gerd Werner Krieger aus. Richterin Koppenhöfer kündigt an, nach der Aussage Chris Gents am 25. März wohlmöglich mit allen Parteien ein Rechtsgespräch führen zu wollen.

4. März 2004: Die siebte Woche im Mannesmann-Prozess endet mit der Zeugenvernehmung von Thomas Nowak, ehemals Mitglied im Friedland-Team, Roland Köstler und Hans-Dieter Sembach, beides Ex-Mitglieder des Mannesmann-Aufsichtsrats. Für Aufsehen sorgt Sembachs Aussage, dass Ackermann ihm gesagt hätte, dass Vodafone die Prämien für Esser & Co. finanzieren würde.

10. März 2004: Frauentag in Düsseldorf: Als Zeuginnen sagen Klaus Essers Sekretärinnen Hannelore Rauch-Michel und Eva Platte aus.

11. März 2004: Schwergewichtiger Zeuge: Vodafone-COO Julian Horn-Smith gibt sich als Zeuge in Düsseldorf die Ehre. Für Aufsehen sorgen aber er zwei ebenfalls an diesem Tag befragte Sachbearbeiter. "Das war kein Protokoll, wie ich es kannte", so das Urteil einer ehemaligen Mannesmann-Buchhalterin über die Prämien-Beschlüsse des Aufsichtsrats.

17. März 2004: Böse Zungen nennen den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer die "Hakelmacher". Am 14. Verhandlungstag sagen in Düsseldorf die beiden KPMG-Mitarbeiter Günter Nunnenkamp und Ulrich Maas aus. Beide geben zu Protokoll, frühzeitig Bedenken gegen die Prämien für das Mannesmann-Management angemeldet zu haben.

18. März 2004: Zweiter "KPMG-Tag" in Düsseldorf: Auch die drei heutigen Zeugen blieben dabei, rechtzeitig ihre Bedenken gegen die Prämien für Esser & Co. geäußert zu haben.

24. März 2004: Neben einer erneuten Stellungnahme Klaus Essers werden an diesem Mittwoch vier Zeugen befragt: Zwei Investor-Relations-Leute, ein Mannesmann-Hausjurist sowie der damalige Kommunikationschef der Düsseldorfer.

25. März 2004: Soloauftritt für den "Hai": Als einziger Zeuge wird Ex-Vodafone-CEO Sir Christopher Gent rund vier Stunden lang befragt.

Das Rechtsgespräch

31. März 2004: Nach einem Rechtsgespräch mit allen Prozess-Beteiligten erklärt Richterin Brigitte Koppenhöfer, dass sie nach der bisherigen Beweisaufnahme keine strafbare Untreue im Handeln der Angeklagten erkennen könne. Damit stehen für Esser & Co. die Zeichen auf Freispruch. Allerdings merkte Koppenhöfer an, dass die Millionenprämien mit dem Aktienrecht nicht vereinbar seien. Die Staatsanwaltschaft hält die Anklage trotzdem vorerst aufrecht.

1. April 2004: Der Tag nach dem Rechtsgespräch. Erstmals werden drei Zeugen gleichzeitig belehrt und zügig vernommen. Richterin Koppenhöfer drückt aufs Tempo.

5. April 2004: Die Berufungsverhandlung im Zivilverfahren des ehemaligen Mannesmann-Chefs Klaus Esser gegen das Land Nordrhein-Westfalen ist überraschend auf 2005 vertagt worden. Ein Sprecher des Düsseldorfer Oberlandesgerichts begründete die Verschiebung der mündlichen Verhandlung um neun Monate mit einem Krankheitsfall und der Schwangerschaft einer Richterin.

8. April 2004: Die Staatsanwaltschaft stemmt sich am 20. Verhandlungstag mit neuen Beweisanträgen und der Forderung nach Einbeziehung weiterer Anklagepunkte einer sich abzeichnenden Niederlage entgegen. Die Verteidigung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann rechnet unterdessen mit dem Prozessende schon für Mitte Mai.

14. April 2004: Nachdem in der vergangenen Woche in Saal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts keine Zeugen zu den Umständen der Übernahmeschlacht zwischen Vodafone und Mannesmann befragt wurden, wird die Beweisaufnahme am 21. Verhandlunstag fortgesetzt. Prominentester Zeuge: Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs.

21. April 2004: Am 22. Verhandlungstag sagt Allianz-Aufsichtsratschef Henning Schulte-Noelle in Düsseldorf aus. Ihm, der damals im Mannesmann-Aufsichtsrat saß, seien die Prämien überraschend hoch erschienen.

28. April 2004: Die Verteidigung des angeklagten Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann wirft der Staatsanwaltschaft am 23. Verhandlungstag vor, gegen die Grundregeln eines fairen Verfahrens zu verstoßen. Sie habe deshalb eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim NRW-Justizministerium eingereicht.

29. April 2004: Der Prozess wird auf zusätzliche Tatvorwürfe ausgeweitet. Das Düsseldorfer Landgericht stimmt am 24. Verhandlungstag entsprechenden Anträgen der Staatsanwaltschaft teilweise zu. Abgewiesen wird der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft, mit dem Verstöße von Deutsche-Bank-Chef Ackermann gegen das Aktienrecht belegt werden sollten.

Die Staatsanwaltschaft schließt unterdessen nicht aus, ein Ermittlungsverfahren gegen Ackermann-Verteidiger Eberhard Kempf einzuleiten. Kempf habe "die Grenzen der zulässigen Verteidigung zum wiederholten Male überschritten". Er hatte den Anklägern Verleumdung vorgeworfen.

05. Mai 2004: Am 25. Verhandlungstag sind die Verteidiger wieder an der Reihe. Sie werfen den Anklägern vor, das Beweisantragsrecht zu "pervertieren" und für vorgezogene Schlusserklärungen zu missbrauchen.

06. Mai 2004: Am 26. Verhandlungstag muss die Anklage einen Rückschlag hinnehmen. Das Gericht lehnt zahlreiche Beweisanträge der Staatsanwälte als unzulässig, bedeutungslos oder unstrittig ab.

12. Mai 2004: Während in Frankfurt Spekulationen über einen Machtkampf mit seinem Chefaufseher Rolf-E. Breuer kursieren, hat die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf den Vorwurf gegen Josef Ackermann fallen gelassen, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank habe einst die Mannesmann-Hauptversammlung belogen.

17. Mai 2004: Ausnahmsweise mal montags - am 28. Verhandlungstag ordnet Richterin Koppenhöfer an, dass der Oberstaatsanwalt Hans-Otto Sallmann demnächst als Zeuge vernommen werden soll. Sallmann hatte einst den ersten Prozess-Antrag gegen Manager und Aufsichtsräte von Mannesmann abgeschmettert.

27. Mai 2004: Christian Peter Prinz zu Sayn-Wittgenstein war Vorstand "Global Markets" bei Mannesmann. Im Zeugenstand beklagt er, dass das Gremium nicht über die umstrittenen Managerprämien informiert war.

03. Juni 2004: Das Gericht muss nach dem 30. Verhandlungstag einem verblüffenden Verdacht nachgehen. Vodafones milliardenschwere Übernahmeschlacht um Mannesmann soll ein Showkampf für die Aktionäre gewesen sein.

09. Juni 2004: Mit der Vernehmung zweier Ex-Aufsichtsräte von Mannesmann endet die Zeugenbefragung im spektakulärsten Wirtschaftsprozess der deutschen Geschichte.

16. Juni 2004: Nach dem 32. Verhandlungstag schließt das Düsseldorfer Landgericht die Beweisaufnahme.

Das Urteil

23. Juni 2004: Die Staatsanwaltschaft beginnt mit ihrem Schlussplädoyer. Die Ankläger halten an allen Vorwürfen fest.

24. Juni 2004: Nachdem Ackermann-Verteidiger Eberhard Kempf am Vorabend einen schweren Autounfall hatte, sagt Richterin Brigitte Koppenhöfer den 34. Prozesstag ab. Unterdessen machen Gerüchte die Runde, das die Ankläger hohe Haftstrafen fordern werden.

30. Juni 2004: Am zweiten Tag ihres Schlussplädoyers fordern die Staatsanwälte drei Jahre Haft für Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, zweieinhalb Jahre Haft für Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und zwei Jahre auf Bewährung für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

08. Juli 2004: Die Verteidiger von Josef Ackermann, Joachim Funk, Klaus Zwickel und Jürgen Ladberg halten ihre Schlussvorträge. Alle plädieren auf Freispruch.

14. Juli 2004: Auch die Anwälte von Klaus Esser und Dietmar Droste plädieren für ihre Mandanten auf Freispruch. In ihren "letzten Worten" bekräftigen alle Angeklagten ihre Unschuld.

22. Juli 2004: Nach sechsmonatiger Verhandlungsdauer spricht das Gericht Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die übrigen Angeklagten frei. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer sah die Tatvorwürfe der schweren Untreue als nicht erfüllt an. Zunächst wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen, ob sie gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe einlegen wird.

23. Juli 2004: Nur einen Tag nach dem Urteil kündigt die Staatsanwaltschaft an, Revision einzulegen. Jetzt mus sich der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit dem Fall beschäftigen.

22. September 2004: Der Staatsanwaltschaft liegt nun die 187 Seiten starke Urteilsbegründung vor. Bis zum 18. Oktober haben die Ankläger nun Zeit, ihren Revisionsantrag zu begründen.

15. Oktober 2004: Die Staatsanwaltschaft reicht die Begründung ihres Revisionsantrags ein. Die Anklage rügt in erster Linie eine ihrer Ansicht nach fehlerhafte Anwendung des Untreuetatbestands (Paragraph 266 StGB).

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