Montag, 16. September 2019

Mannesmann/Vodafone Chronik einer Übernahmeaffäre

5. Teil: Das Rechtsgespräch

31. März 2004: Nach einem Rechtsgespräch mit allen Prozess-Beteiligten erklärt Richterin Brigitte Koppenhöfer, dass sie nach der bisherigen Beweisaufnahme keine strafbare Untreue im Handeln der Angeklagten erkennen könne. Damit stehen für Esser & Co. die Zeichen auf Freispruch. Allerdings merkte Koppenhöfer an, dass die Millionenprämien mit dem Aktienrecht nicht vereinbar seien. Die Staatsanwaltschaft hält die Anklage trotzdem vorerst aufrecht.

1. April 2004: Der Tag nach dem Rechtsgespräch. Erstmals werden drei Zeugen gleichzeitig belehrt und zügig vernommen. Richterin Koppenhöfer drückt aufs Tempo.

Prominenter Zeuge:
Henning Schulte-Noelle, AR-Chef der Allianz
5. April 2004: Die Berufungsverhandlung im Zivilverfahren des ehemaligen Mannesmann-Chefs Klaus Esser gegen das Land Nordrhein-Westfalen ist überraschend auf 2005 vertagt worden. Ein Sprecher des Düsseldorfer Oberlandesgerichts begründete die Verschiebung der mündlichen Verhandlung um neun Monate mit einem Krankheitsfall und der Schwangerschaft einer Richterin.

8. April 2004: Die Staatsanwaltschaft stemmt sich am 20. Verhandlungstag mit neuen Beweisanträgen und der Forderung nach Einbeziehung weiterer Anklagepunkte einer sich abzeichnenden Niederlage entgegen. Die Verteidigung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann rechnet unterdessen mit dem Prozessende schon für Mitte Mai.

14. April 2004: Nachdem in der vergangenen Woche in Saal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts keine Zeugen zu den Umständen der Übernahmeschlacht zwischen Vodafone und Mannesmann befragt wurden, wird die Beweisaufnahme am 21. Verhandlunstag fortgesetzt. Prominentester Zeuge: Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs.

21. April 2004: Am 22. Verhandlungstag sagt Allianz-Aufsichtsratschef Henning Schulte-Noelle in Düsseldorf aus. Ihm, der damals im Mannesmann-Aufsichtsrat saß, seien die Prämien überraschend hoch erschienen.

28. April 2004: Die Verteidigung des angeklagten Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann wirft der Staatsanwaltschaft am 23. Verhandlungstag vor, gegen die Grundregeln eines fairen Verfahrens zu verstoßen. Sie habe deshalb eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim NRW-Justizministerium eingereicht.

29. April 2004: Der Prozess wird auf zusätzliche Tatvorwürfe ausgeweitet. Das Düsseldorfer Landgericht stimmt am 24. Verhandlungstag entsprechenden Anträgen der Staatsanwaltschaft teilweise zu. Abgewiesen wird der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft, mit dem Verstöße von Deutsche-Bank-Chef Ackermann gegen das Aktienrecht belegt werden sollten.

Die Staatsanwaltschaft schließt unterdessen nicht aus, ein Ermittlungsverfahren gegen Ackermann-Verteidiger Eberhard Kempf einzuleiten. Kempf habe "die Grenzen der zulässigen Verteidigung zum wiederholten Male überschritten". Er hatte den Anklägern Verleumdung vorgeworfen.

05. Mai 2004: Am 25. Verhandlungstag sind die Verteidiger wieder an der Reihe. Sie werfen den Anklägern vor, das Beweisantragsrecht zu "pervertieren" und für vorgezogene Schlusserklärungen zu missbrauchen.

06. Mai 2004: Am 26. Verhandlungstag muss die Anklage einen Rückschlag hinnehmen. Das Gericht lehnt zahlreiche Beweisanträge der Staatsanwälte als unzulässig, bedeutungslos oder unstrittig ab.

12. Mai 2004: Während in Frankfurt Spekulationen über einen Machtkampf mit seinem Chefaufseher Rolf-E. Breuer kursieren, hat die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf den Vorwurf gegen Josef Ackermann fallen gelassen, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank habe einst die Mannesmann-Hauptversammlung belogen.

17. Mai 2004: Ausnahmsweise mal montags - am 28. Verhandlungstag ordnet Richterin Koppenhöfer an, dass der Oberstaatsanwalt Hans-Otto Sallmann demnächst als Zeuge vernommen werden soll. Sallmann hatte einst den ersten Prozess-Antrag gegen Manager und Aufsichtsräte von Mannesmann abgeschmettert.

27. Mai 2004: Christian Peter Prinz zu Sayn-Wittgenstein war Vorstand "Global Markets" bei Mannesmann. Im Zeugenstand beklagt er, dass das Gremium nicht über die umstrittenen Managerprämien informiert war.

03. Juni 2004: Das Gericht muss nach dem 30. Verhandlungstag einem verblüffenden Verdacht nachgehen. Vodafones milliardenschwere Übernahmeschlacht um Mannesmann soll ein Showkampf für die Aktionäre gewesen sein.

09. Juni 2004: Mit der Vernehmung zweier Ex-Aufsichtsräte von Mannesmann endet die Zeugenbefragung im spektakulärsten Wirtschaftsprozess der deutschen Geschichte.

16. Juni 2004: Nach dem 32. Verhandlungstag schließt das Düsseldorfer Landgericht die Beweisaufnahme.

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