Mittwoch, 18. September 2019

Mannesmann/Vodafone Chronik einer Übernahmeaffäre

4. Teil: Der Prozessauftakt

21. Januar 2004: Im Saal L111 des Düsseldorfer Landgerichts beginnt der wohl spektakulärste Wirtschaftsprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der erste Verhandlungstag wird von den Strafverteidigern dominiert, die mit zahlreichen Anträgen das Geschehen prägen. Die Angeklagten Joachim Funk, Klaus Zwickel, Jürgen Ladberg, Klaus Esser, Josef Ackermann und Dietmar Droste müssen zunächst nur Angaben zur Person machen.

Bild des Tages: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vor Beginn des ersten Verhandlungstages
22. Januar 2004: Am zweiten Verhandlungstag nehmen bis auf Dietmar Droste alle Angeklagten zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung. Klaus Esser, der einen fünfstündigen Vortrag angekündigt hatte, wird mit seinen Einlassungen nicht fertig und wird diese daher in der folgenden Woche fortsetzen.

28. Januar 2004: Klaus Esser setzt seine Einlassungen fort und beantwortet danach die Fragen des Gerichts. Der Staatsanwaltschaft räumt er aber kein Fragerecht ein. Die Atmosphäre im Gerichtsaal wird zunehmend hitziger. Richterin Brigitte Koppenhöfer muss schlichtend eingreifen.

29. Januar 2004: Am vierten Verhandlungstag beginnt die Beweisaufnahme. Der erste Zeuge, Ex-Mannesmann-Vorstand Kurt-Jürgen Kinzius macht von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Joachim Peters, ehemals Leiter der Mannesmann-Rechtsabteilung, gibt hingegen umfassend Auskunft.

6. Februar 2004: Am fünften Verhandlungstag werden als Zeugen der ehemalige Leiter der Mannesmann-Abteilung "Gesellschaftsorgane und Beteiligungen", Götz Müller, und der Morgan-Stanley-Banker Dietrich Becker befragt. Becker, Mitglied des "Projekts Friedland" sorgt für den Satz des Tages, indem er Canning Fok von Hutchison Whampoa Börsen-Chart zeigen die Worte "We need to do this the Chinese Way" in den Mund legt.

Angeklagte unter sich: Joachim Funk, Klaus Esser und Josef Ackermann
11. Februar 2004: Josef Ackermann legt bei seinen Einlassungen zur Sache mit einer rund einstündigen Ausführung nach. Danach sagt Investmentbanker Colin Roy, damals für Merrill Lynch Börsen-Chart zeigen in Diensten von Mannesmann, als Zeuge aus.

12. Februar 2004: Am siebten Tag der Hauptverhandlung sagt Frank Esser - Mitglied des "Friedland-Teams" aber nicht verwandt mit Klaus Esser - als Zeuge aus. Anschließend wird ein Video von einem Fernsehinterview mit Chris Gent vom 2. Februar 2000 vorgeführt.

19. Februar 2004: Am achten Prozesstag sagen in Düsseldorf der ehemalige Mannesmann-Arbeitsdirektor Sigmar Sattler und der ehemalige Mannesmann-Finanzvorstand Joachim Rauhut als Zeugen aus. Auch Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, sollte eigentlich als Zeuge auftreten. Doch das Gericht hatte die Vorladung an eine nicht mehr gültige Adresse in London geschickt. Dibelius soll nun später seine Aussage machen.

26. Februar 2004: Am neunten Tag der Hauptverhandlung zieht der gesamte Prozess-Tross in den Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts im Düsseldorfer Stadtteil Hamm um. Grund: Die Video-Vernehmung des Zeugen Canning Fok. Rund vier Stunden ist der Chef des ehemaligen Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa Börsen-Chart zeigen aus Hong Kong zugeschaltet.

3. März 2004: Am zehnten Tag der Hauptverhandlung - wieder zurück in Saal L 111 des Landgerichts Düsseldorf - sagen als Zeugen der M&A-Experte Ralph Wollburg und der Aktienrechtler Gerd Werner Krieger aus. Richterin Koppenhöfer kündigt an, nach der Aussage Chris Gents am 25. März wohlmöglich mit allen Parteien ein Rechtsgespräch führen zu wollen.

4. März 2004: Die siebte Woche im Mannesmann-Prozess endet mit der Zeugenvernehmung von Thomas Nowak, ehemals Mitglied im Friedland-Team, Roland Köstler und Hans-Dieter Sembach, beides Ex-Mitglieder des Mannesmann-Aufsichtsrats. Für Aufsehen sorgt Sembachs Aussage, dass Ackermann ihm gesagt hätte, dass Vodafone die Prämien für Esser & Co. finanzieren würde.

10. März 2004: Frauentag in Düsseldorf: Als Zeuginnen sagen Klaus Essers Sekretärinnen Hannelore Rauch-Michel und Eva Platte aus.

11. März 2004: Schwergewichtiger Zeuge: Vodafone-COO Julian Horn-Smith gibt sich als Zeuge in Düsseldorf die Ehre. Für Aufsehen sorgen aber er zwei ebenfalls an diesem Tag befragte Sachbearbeiter. "Das war kein Protokoll, wie ich es kannte", so das Urteil einer ehemaligen Mannesmann-Buchhalterin über die Prämien-Beschlüsse des Aufsichtsrats.

17. März 2004: Böse Zungen nennen den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer die "Hakelmacher". Am 14. Verhandlungstag sagen in Düsseldorf die beiden KPMG-Mitarbeiter Günter Nunnenkamp und Ulrich Maas aus. Beide geben zu Protokoll, frühzeitig Bedenken gegen die Prämien für das Mannesmann-Management angemeldet zu haben.

18. März 2004: Zweiter "KPMG-Tag" in Düsseldorf: Auch die drei heutigen Zeugen blieben dabei, rechtzeitig ihre Bedenken gegen die Prämien für Esser & Co. geäußert zu haben.

24. März 2004: Neben einer erneuten Stellungnahme Klaus Essers werden an diesem Mittwoch vier Zeugen befragt: Zwei Investor-Relations-Leute, ein Mannesmann-Hausjurist sowie der damalige Kommunikationschef der Düsseldorfer.

25. März 2004: Soloauftritt für den "Hai": Als einziger Zeuge wird Ex-Vodafone-CEO Sir Christopher Gent rund vier Stunden lang befragt.

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