Angriff auf den Irak Chronik eines angekündigten Krieges

Vier Monate nach dem 11. September 2001 zählte US-Präsident George W. Bush den Irak neben Iran und Nord-Korea wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen in ihrem Besitz zu einer "Achse des Bösen". Spätestens damit begann eine Eskalation, die am Ende auch von der Uno nicht mehr zu stoppen war. Die Ereignisse im Überblick.

3. April 1991:

Der UN-Sicherheitsrat verpflichtet den Irak zur Zerstörung aller chemischen und biologischen Waffen und ruft mit der Resolution 687 die Waffenkontrollkommission UNSCOM ins Leben, deren Arbeit in den Folgejahren massiv behindert wird.

11. April 1991: Die Uno erklärt den Waffenstillstand im Golf-Krieg, nachdem Irak die Resolution 687 akzeptiert hat. Diese verlangt von Irak die Vernichtung seiner Massenvernichtungswaffen.

27. August 1992: Einrichtung einer Flugverbotszone über dem Süd-Irak durch die USA, Großbritannien und Frankreich zum Schutz der schiitischen Minderheit. Seit 1991 werden auch die Kurden im Norden geschützt.

27. Juni 1993: US-Kriegsschiffe feuern 23 Marschflugkörper auf das Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes. Begründet wird dies mit einem angeblich vom Irak geplanten Attentat auf den ehemaligen US-Präsident George Bush in Kuwait.

Oktober 1994: Saddam Hussein lässt Soldaten Richtung Kuwait marschieren und fordert die Aufhebung aller 1990 von der UN verhängten Wirtschaftssanktionen. Unter internationalem Druck ziehen die Truppen wieder ab.

10. November 1994: Der Irak erkennt Kuwait in seinen derzeitigen Grenzen an.

1. Juli 1995: Irak gibt zum ersten Mal den Besitz von biologischen Waffen zu.

25. November 1996: Der Irak stimmt der UN-Resolution 986 "Öl gegen Nahrungsmittel" vom April 1995 zu. Zur Einfuhr dringend benötigter Lebensmittel und Medikamente darf er Erdöl exportieren.

23. Februar 1998: Unter dem Druck eines drohenden Militärschlags unterzeichnet der Irak in letzter Minute eine Vereinbarung mit der UN, die die Kontrolle der Präsidentenpaläste Saddams erlaubt.

9. August 1998: Die Uno-Waffeninspektoren unterbrechen ihre Arbeit, nachdem Irak die Kooperation mit der Uno beendet hat.

31. Oktober 1998: Der Irak erklärt seine Zusammenarbeit mit der UNSCOM für beendet.

16. Dezember 1998: Die Uno-Inspektoren verlassen Bagdad.

Der 11. September 2001

17. Dezember 1998: Die USA und Großbritannien beginnen mehrtägige Luftangriffe gegen Irak. Die Waffenkontrollkommission UNMOVIC wird als UNSCOM-Nachfolgerin ins Leben gerufen.

11. September 2001: Bei Terroranschlägen mit vier Passagierflugzeugen in New York und Washington werden mehr als 3.000 Menschen getötet. Die USA machen das islamisch-fundamentalistische Untergrundnetzwerk der El Kaida dafür verantwortlich.

12. Oktober 2001: US-Präsident George W. Bush erklärt, dass sich der Krieg gegen den Terrorismus nicht auf Afghanistan beschränke. Saddam Hussein bezeichnet er als "bösen Menschen".

12. Dezember 2001: Der außenpolitische Ausschuss des US-Repräsentantenhauses erklärt, dass von Irak eine wachsende Bedrohung für die Vereinigten Staaten ausgehe.

24. Januar 2002: Bush bezeichnet eine Militäraktion der USA gegen Irak als eine mögliche Option.

30. Januar 2002: Bush bezeichnet Irak, Iran und Nordkorea als "Achse des Bösen" und wirft den Ländern vor, nach Massenvernichtungswaffen zu streben.

4. Februar 2002: Die irakische Regierung erklärt sich bereit, nach einjähriger Unterbrechung den Dialog mit den Vereinten Nationen wieder aufzunehmen.

7. März 2002: Irak und die Vereinten Nationen nehmen Gespräche über eine Rückkehr der UN-Waffeninspekteure auf.

26. August 2002: US-Vizepräsident Dick Cheney spricht sich für einen möglichst baldige Entmachtung von Saddam Hussein aus. Bundeskanzler Gerhard Schröder kritisiert dies als einen Strategiewechsel und spricht von einem Fehler.

12. September 2002: Bush drängt die Uno, die Abrüstungsresolutionen durchzusetzen, andernfalls werde ein Vorgehen gegen Irak unvermeidlich.

23. September 2002: Einen Tag nach seinem Wahlsieg betont Bundeskanzler Schröder, dass die Regierung an der Ablehnung eines Irak-Krieges festhält. US-Präsident George W. Bush gratuliert ihm nicht zu seinem Wahlsieg.

24. September 2002: Die irakische Regierung bietet den Uno-Inspektoren uneingeschränkten Zugang an, um ein britisches Dossier über den Besitz verbotener Waffen zu widerlegen.

1. Oktober 2002: Die irakische Regierung und die Vereinten Nationen vereinbaren in Wien die Wiederaufnahme von Rüstungsinspektionen.

Irak akzeptiert Resolution 1441

10. Oktober 2002: Das Repräsentantenhaus in Washington verabschiedet mit großer Mehrheit eine Entschließung, die Bush freie Hand für ein militärisches Vorgehen gegen Irak gibt. Am 11. stimmt auch der Senat zu.

5. November 2002: Bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress gewinnt Bushs Republikanische Partei die Mehrheit in beiden Parlamentskammern.

8. November 2002: Der Uno-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig Resolution 1441, die Irak eine letzte Chance einräumt, seine Massenvernichtungswaffen zu zerstören. Andernfalls müsse Bagdad mit ernsthaften Konsequenzen rechnen.

13. November 2002: Irak akzeptiert die Uno-Resolution 1441 bedingungslos.

27. November 2002: Die Uno-Inspektoren setzen ihre Arbeit im Irak nach vierjähriger Unterbrechung fort. Die deutsche Bundesregierung gewährt den USA Überflug- und Transitrechte auch für den Kriegsfall. US-Anfragen nach regionalen Raketenabwehrsystemen, ABC-Abwehr, Militärpolizei und Hilfe beim Aufbau des Irak nach einem Krieg will sie nicht nachkommen.

4. Dezember 2002: Der irakische Vizepräsident Taha Jassin Ramadan wirft den UN-Inspektoren Spionage im Auftrag der USA und Israel vor.

5. Dezember 2002: Der US-Flugzeugträger "Harry S. Truman" läuft mit acht Begleitschiffen in Richtung Mittelmeer und Persischer Golf aus.

7. Dezember 2002: Irak legt der Uno einen 12.000 Seiten starken Bericht über seine Waffenprogramme vor.

11. Dezember 2002: Die USA drohen im Falle von Angriffen mit Massenvernichtungswaffen mit Gegenschlägen bis hin zur atomarer Vergeltung.

17. Dezember 2002: Die von den USA mit 92 Millionen Dollar unterstützte irakische Opposition einigt sich in London auf die Bildung eines gemeinsamen Führungsgremiums und eine Strategie für die Zeit nach einen Sturz Saddams.

19. Dezember 2002: Die USA werfen Irak einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Uno-Resolution 1441 vor, weil das Waffendossier Lücken aufweise.

Der Blix-Bericht

24. Dezember 2002: US-Verteidigungsminister Rumsfeld erteilt den ersten Marschbefehl für 25.000 Soldaten in die Golfregion. Am Ende der schon vor Wochen begonnenen Verlegung von Verbänden sollen etwa Mitte Februar 2003 rund 150.000 US-Soldaten in der Region sein.

1. Januar 2003: Deutschland ist erstmals seit sechs Jahren wieder Mitglied im UN-Sicherheitsrat.

8. Januar 2003: Das US-Zentralkommando in Florida schickt einen militärischen Planungsstab nach Katar.

9. Januar 2003: Blix informiert den Weltsicherheitsrat, dass bislang keine Beweise für illegale Waffen im Irak gefunden wurden. Er kritisiert aber den Waffenbericht als unzureichend und fordert vom Irak Beweise für die Vernichtung von Waffenarsenalen.

11. Januar 2003: US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterzeichnet einen Marschbefehl für weitere 62.000 Soldaten zur Stationierung in der Golfregion. Bislang befinden sich dort 60.000 US-Soldaten. Der größte britische Flugzeugträger "Ark Royal" verlässt den Heimathafen Richtung Golf.

13. Januar 2003: Papst Johannes Paul II. spricht sich in seiner bisher schärfsten Stellungnahme zum Irak-Konflikt gegen einen Krieg aus. Der britische Premierminister Blair fordert Saddam erneut zur Aufgabe seiner Massenvernichtungswaffen auf und sagt: "Wenn er es nicht freiwillig tut, wird er mit Gewalt entwaffnet werden".

14. Januar 2003: UN-Chefinspektor Blix berichtet über die Entdeckung großer Mengen in den Irak geschmuggelter waffenfähiger Güter. Bundeskanzler Schröder bekräftigt sein Nein zu einer deutschen Beteiligung an einem Militärschlag.

22. Januar 2003: Rumsfeld kritisiert in scharfer Form die Haltung Deutschlands und Frankreichs im Irak-Konflikt. "Ich glaube, das ist das alte Europa", sagte Rumsfeld und löst damit heftige Reaktionen bei Politikern und Intellektuellen in Europa aus.

27. Januar 2003: In ihrem Zwischenbericht an den Sicherheitsrat erklären die Chefinspektoren Hans Blix und Mohamed ElBaradei, Irak habe nicht nachgewiesen, dass es alle Massenvernichtungswaffen zerstört habe. Es lägen aber auch keine Beweise dafür vor, dass es solche Waffen besitze.

30. Januar 2003: Die Staats- und Regierungschefs von acht europäischen Ländern - darunter Großbritannien, Spanien und Italien - rufen zur Unterstützung der USA auf und stellen sich damit demonstrativ gegen Deutschland und Frankreich.

Das letzte Ultimatum

5. Februar 2003: US-Außenminister Colin Powell legt dem Uno-Sicherheitsrat Tonbänder, Satellitenaufnahmen und Berichte vor, die beweisen sollen, dass Irak Massenvernichtungswaffen besitzt.

6. Februar 2003: Nach der Präsentation angeblicher Beweise gegen den Irak durch Colin Powell im Sicherheitsrat bleibt die Bundesregierung bei ihrem Nein zu einem Krieg. Rumsfeld stellt Deutschland deswegen auf eine Stufe mit Libyen und Kuba.

10. Februar 2003: Deutschland, Frankreich und Belgien legen im Nato-Rat ihr Veto gegen Maßnahmen zum militärischen Schutz der Türkei im Fall eines Irak-Kriegs ein.

12. Februar 2003: Uno-Experten stellen fest, dass die irakischen Raketen des Typs "El Samud 2" die erlaubte Reichweite von 150 Kilometern überschreiten.

15. Februar 2003: Mehr als zehn Millionen Demonstranten gehen weltweit gegen einen drohenden Irak-Krieg auf die Straße. Die größten Kundgebungen finden in Rom, London und Berlin statt.

17. Februar 2003: Der Verteidigungsausschuss der Nato beschließt Planungen zur Unterstützung der Türkei im Falle eines Irak-Krieges. Die deutsche Bundesregierung, die sich bis zuletzt mit einigen anderen Nato-Ländern wie Frankreich und Belgien gegen diesen Beschluss gesperrt hatte, begrüßt den Entschluss. Von den rein defensiven Maßnahmen zum Schutz der Türkei könne kein negatives Signal für die friedliche Lösung des Irak-Konflikts ausgehen.

Die Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel auf einem Sondergipfel zum Irak-Konflikt eine gemeinsame Erklärung, die das Ziel einer vollständigen Entwaffnung des Irak mit friedlichen Mitteln erklärt. Zugleich enthält die Erklärung die Aussage, Gewalt sollte nur als letztes Mittel eingesetzt werden.

Bundeskanzler Schröder erklärt nach dem Gipfel, es sei ein großes Maß an Gemeinsamkeit erreicht worden. Die Forderung einer zeitlichen Befristung der Inspektionen sei für Deutschland nicht akzeptabel gewesen, erklärt der Kanzler.

18. Februar 2003: Die UN-Waffeninspekteure in Irak setzen erstmals ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug vom Typ U-2 ein.

19. Februar 2003: Die Nato beschließt die Stationierung von Awacs-Flugzeugen und Patriot-Raketen in der Türkei.

21. Februar 2003: UN-Chefinspektor Hans Blix fordert Irak ultimativ auf, bis zum 1. März mit der Zerstörung von Raketen zu begonnen, die eine größere Reichweite haben als die zugelassenen 150 Kilometer.

Ein neuer Resolutionsentwurf

24. Februar 2003: Frankreich, Russland und Deutschland legen dem UN-Sicherheitsrat ein Memorandum vor, dem sich auch China anschließt. Das Memorandum stellt fest, dass die Bedingungen für den Einsatz von Gewalt gegen den Irak nicht erfüllt seien.

Zur Begründung heißt es, bislang gebe es keine Beweise dafür, dass Irak noch immer Massenvernichtungswaffen besitze. Die Zusammenarbeit der Inspekteure mit Irak habe sich verbessert. Um eine friedliche Lösung zu ermöglichen, sollten die Inspekteure die notwendige Zeit und die notwendigen Ressourcen bekommen. Die Inspektionen könnten jedoch nicht unbegrenzt fortgesetzt werden.

26. Februar 2003: Die Nato stellt an alle Mitglieder eine Anfrage nach militärischer Unterstützung zum Schutz der Türkei. Die Bundesregierung beschließt, dass sie vor dem Hintergrund der bereits zugesagten Unterstützung der Türkei mit Patriot-Raketen und Awacs-Flugzeugbesatzungen ihre Bündnisverpflichtungen bereits erfüllt habe.

27. Februar 2003: In Moskau bekräftigen Schröder und Präsident Putin ihre Hoffnung, dass es zu einer friedlichen Entwaffnung Iraks kommen müsse.

1. März 2003: Irak beginnt - wie von der Uno gefordert - mit der Zerstörung der "El-Samud-2"-Raketen.

5. März 2003: Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Russlands erklären in Paris, dass sie keiner UN-Resolution zustimmen werden, die einen Krieg gegen Irak legitimiert.

6. März 2003: China unterstützt die gemeinsame Erklärung von Deutschland, Russland und Frankreich. Bush kündigt eine entscheidende Abstimmung im Sicherheitsrat an: "Es ist an der Zeit, dass die Leute ihre Karten auf den Tisch legen."

7. März 2003: Die USA, Großbritannien und Spanien legen einen überarbeiteten Resolutionsentwurf vor, in dem Saddam aufgefordert wird, bis zum 17. März abzurüsten. Andernfalls drohe Krieg. Frankreich lehnt den Entwurf ab.

"Die Mutter aller Bomben"

10. März 2003: Russland und Frankreich kündigen ihr Veto gegen den britisch-amerikanischen Resolutionsentwurf an.

11. März 2003: Die Amerikaner demonstrieren in Florida die Zerstörungskraft einer neuen Waffe. Mit fast 8200 kg Sprengstoff ist die "Superbombe" weltweit die größte konventionelle Bombe. MOAB (Massive Ordnance Air Blast) übertrifft in ihrer verheerenden Wirkung bei weitem die BLU-82 "Daisy Cutter" ("Gänseblümchenschneider") mit einer Sprengkraft von 5700 kg.

Die MOAB, auch "Mother of all Bombs" ("Mutter aller Bomben") genannt, wurde für den Einsatz gegen große Truppenansammlungen und Bunkeranlagen entwickelt. Ob die Amerikaner die Bombe einsetzen wollen, ist unklar. Als mögliche Ziele gelten Paläste des irakischen Präsidenten Saddam Hussein oder dessen Elitetruppe "Republikanische Garde".

14. März 2003: In seiner Regierungserklärung "Mut zum Frieden und Mut zur Verantwortung" appelliert Bundeskanzler Schröder daran, die Hoffnung auf eine friedliche Lösung im Irak-Konflikt nicht aufzugeben. Die Bundesregierung bleibe bei ihren Bemühungen, eine solche Lösung noch zu erreichen, erklärt Schröder.

15. März 2003: Irak legt den Vereinten Nationen einen neuen Bericht über den Verbleib von Beständen des Nervengases VX vor und lädt die Chefinspekteure zu einem dringlichen Besuch nach Bagdad ein.

16. März 2003: Bei einem Gipfeltreffen auf den Azoren beraten die USA, Großbritannien und Spanien über das weitere Vorgehen in der Irak-Frage.

17. März 2003: Die USA und Großbritannien stellen ihre diplomatischen Bemühungen um eine Uno-Mandat für einen Militärschlag ein. Bush gibt Saddam 48 Stunden Zeit, Irak zu verlassen und so einen Krieg noch zu vermeiden.

18. März 2003: Die irakische Führung lehnt das Ultimatum Bushs ab. Australien kündigt nach einer Bitte der USA seine Mitwirkung an einem Krieg gegen Irak an. US-Außenminister Colin Powell erklärt, der "Koalition der Willigen" für einen Krieg gegen Irak gehörten 30 Staaten an.

Der irakische Außenminister Nadschi Sabri kritisiert den Abzug der UN-Inspekteure und den Abzug der UN-Beobachter an der kuwaitischen Grenze. Damit hätten die Vereinten Nationen den Weg zur Aggression frei gemacht.

Das britische Unterhaus beschließt mit 412 gegen 149 Stimmen die Unterstützung der Regierung für ihre Haltung, "alle erforderlichen Mittel" zur Entwaffnung Iraks einzusetzen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärt in einer Fernsehansprache, das Ausmaß der irakischen Bedrohung rechtfertige keinen Krieg.

Die USA greifen an

19. März 2003: Bush unterrichtet den Kongress formell von den Vorbereitungen auf den bevorstehenden Krieg. In Kuwait werden 16.000 Infanteriesoldaten und 10.000 Panzer unmittelbar an die Grenze zu Irak verlegt.

Bundeskanzler Schröder erklärt vor dem Bundestag, dass der Awacs-Einsatz in der Türkei keines neuen Beschlusses des Bundestages bedürfe. Die Oppositionsparteien sind der gegenteiligen Ansicht.

Der deutsche Bundesaußenminister Fischer reist nach New York zur Sitzung des Weltsicherheitsrates auf Ministerebene. US-Außenminister Colin Powell bleibt der Sitzung fern.

20. März 2003: Das 48-stündige Ultimatum Bushs läuft ab. Eineinhalb Stunden später greifen die USA ein Ziel bei Bagdad an.

An dem Angriff gegen einen kleineren Gebäudekomplex bei Bagdad waren gegen 3.34 Uhr MEZ zwei Tarnkappenbomber des Typs F-117 beteiligt, die vier 900-Kilogramm-Bomben ("Joint Direct Attack Munition") abwarfen, welche über Satellitensignale gesteuert werden.

Außerdem wurden nach Informationen aus dem Pentagon mehr als 30 Marschflugkörper des Typs "Tomahawk" von Kriegsschiffen im Persischen Golf und im Roten Meer abgeschossen. Ein Regierungsbeamter sagte, der Angriff habe sich gegen Iraks Staatschef Saddam Hussein gerichtet.

US-Präsident Bush erklärt in einer Fernsehansprache, die militärische Operation zur "Entwaffnung Iraks und zur Befreiung seines Volkes" habe begonnen. Er fügt hinzu: "Dies wird kein Feldzug halber Maßnahmen, und wir werden keinen anderen Ausgang akzeptieren als den Sieg." Der Krieg könnte "länger dauern und schwieriger werden, als einige voraussagen".

Auch Iraks Präsident Saddam Hussein äußert sich in einer Fernsehansprache. Er bezeichnet den Krieg mit den USA und deren Verbündeten als einen "Heiligen Krieg".

"Lang lebe der Heilige Krieg und Irak", sagt Saddam wenige Stunden nach den ersten US-Luftangriffen. Das Land werde die Invasoren bekämpfen, bis sie ihre Geduld verloren hätten. In Anspielung auf den Vater von US-Präsident George W. Bush, der 1991 Krieg gegen Irak geführt hatte, sagte Saddam: "Der kriminelle kleine Bush hat ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen."

Wenige Stunden nach dem ersten US-Militärschlag gegen Bagdad antwortet der Irak mit einem Raketenangriff auf den Norden von Kuwait. Dort sind fast 200.000 amerikanische und britische Soldaten stationiert. Ziele waren der amerikanische Stützpunkt Camp New Jersey und die kuwaitische Hauptstadt. Über die Zahl der abgeschossenen Flugkörper gibt es unterschiedliche Berichte.

Einmarsch in Bagdad

21. März 2003: Alliierte Truppen bringen die Stadt Umm Kasr, den einzigen Tiefwasserhafen des Irak, und die strategisch wichtige Halbinsel Fau weitgehend unter ihre Kontrolle. In Nord-Kuwait sterben acht britische und vier amerikanische Soldaten beim Absturz ihres Hubschraubers. Massive Luftangriffe auf Bagdad beginnen am Nachmittag. Zeitgleich bombardieren Flugzeuge die Städte Kirkuk und Mosul im Norden. Weltweit demonstrieren erneut Hunderttausende gegen den Krieg.

22. März 2003: Alliierte Truppen erobern zwei Flugfelder im Westen. Die Briten beginnen im Süden ihre Offensive gegen die Stadt Basra.

25. März 2003: Schwere Sandstürme behindern den zuvor durch heftige irakische Gegenwehr bei Nasirija und Kerbela ins Stocken geratenen Vormarsch alliierter Bodentruppen. US-Präsident Bush beantragt für den Krieg 75 Milliarden Dollar und dämpft Hoffnungen auf einen schnellen Sieg.

26. März 2003: Bei Explosionen in einem Wohnbezirk von Bagdad sterben mindestens 15 Zivilisten.

28. März 2003: US-Fallschirmjäger besetzen im Kurdengebiet Nord-Iraks einen Flugplatz und beginnen mit dem Aufbau einer Nord-Front.

30. März 2003: Das Pentagon weist Berichte über Nachschubprobleme zurück. Kritiker werfen Verteidigungsminister Rumsfeld vor, aus Kostengründen die falsche Taktik gewählt zu haben.

31. März 2003: In der Nähe von Bagdad finden erste Gefechte von US-Truppen mit der Republikanischen Garde statt.

2. April 2003: Die USA leiten die entscheidende Phase zum Sturm auf Bagdad ein. Die Truppen stehen 30 Kilometer vor der Stadt.

3. April 2003: US-Truppen rücken zum Saddam International Airport vor.

5. April 2003: Die USA stoßen erstmals zeitweise in das Zentrum Bagdads vor.

6. April 2003: Bagdad ist nach US-Angaben vollständig von US-Truppen eingeschlossen. Die Städte Basra und Kerbela sollen sich in der Hand der Alliierten befinden.

7. April 2003: US-Soldaten dringen erstmals in Paläste des irakischen Präsidenten Saddam Hussein in Bagdad ein. Focus-Redakteur Christian Liebig wird als erster deutscher Journalist bei einem Raketenangriff bei Bagdad getötet.

8. April 2003: Durch US-Beschuss sterben drei weitere Reporter, zwei von ihnen im Bagdader Journalistenhotel "Palestine". Bush und der britische Premierminister Blair räumen den UN eine "vitale Rolle" in der Nachkriegszeit ein.

9. April 2003: Am Ende der dritten Kriegswoche hat das Regime des offenbar untergetauchten Saddam Hussein in Bagdad die Kontrolle verloren. Aus den Vororten kommen Meldungen über Plünderungen und Racheakte unter Irakern.

10. April 2003: Die nordirakischen Städte Kirkuk und - einen Tag später - Mosul werden eingenommen. Massive Plünderungen in Bagdad, darunter im Nationalmuseum und in Krankenhäusern.

14. April 2003: Bei geringem Widerstand besetzen Amerikaner mit Tikrit die letzte größere Stadt des Iraks und Heimatort Saddams. Das Regime ist damit endgültig am Ende. Von Saddam und seinen engsten Vertrauten fehlt jedoch jede Spur.

21. April 2003: Der ehemalige US-General Jay Garner trifft in Bagdad ein. Er soll eine zivile Übergangsverwaltung aufbauen und leiten.

22. April 2003: US-Außenminister Powell kritisiert Frankreich für seinen Widerstand gegen den Irak-Krieg und droht Konsequenzen an.

24. April 2003: Präsident Bush räumt ein, dass im Irak bislang keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. Der vermeintliche Besitz galt als Hauptgrund für den Krieg.

1. Mai 2003: Bush erklärt die "größeren Kampfhandlungen" im Irak für beendet.

30. Mai 2003: Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz räumt ein, dass die Frage irakischer Massenvernichtungswaffen in erster Linie aus politischen Gründen für einen Krieg in Irak genutzt wurde. Die Massenvernichtungswaffen seien niemals der wichtigste Kriegsgrund für die USA gewesen, sagte Wolfowitz dem britischen Magazin "Vanity Fair".

Laut Wolfowitz habe sich die US-Regierung "aus bürokratischen Gründen" auf das Thema Massenvernichtungswaffen konzentriert, weil es "der eine Grund war, dem jeder zustimmen konnte". "Fast unbeachtet, aber riesig" sei dagegen der Kriegsgrund gewesen, dass mit dem Irak-Krieg die Präsenz von US-Truppen im benachbarten Saudi-Arabien überflüssig geworden sei.

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