Dienstag, 17. September 2019

Angriff auf den Irak Chronik eines angekündigten Krieges

9. Teil: Einmarsch in Bagdad

21. März 2003: Alliierte Truppen bringen die Stadt Umm Kasr, den einzigen Tiefwasserhafen des Irak, und die strategisch wichtige Halbinsel Fau weitgehend unter ihre Kontrolle. In Nord-Kuwait sterben acht britische und vier amerikanische Soldaten beim Absturz ihres Hubschraubers. Massive Luftangriffe auf Bagdad beginnen am Nachmittag. Zeitgleich bombardieren Flugzeuge die Städte Kirkuk und Mosul im Norden. Weltweit demonstrieren erneut Hunderttausende gegen den Krieg.

Einmarsch: Ein US-Panzer rollt durch Bagdad
22. März 2003: Alliierte Truppen erobern zwei Flugfelder im Westen. Die Briten beginnen im Süden ihre Offensive gegen die Stadt Basra.

25. März 2003: Schwere Sandstürme behindern den zuvor durch heftige irakische Gegenwehr bei Nasirija und Kerbela ins Stocken geratenen Vormarsch alliierter Bodentruppen. US-Präsident Bush beantragt für den Krieg 75 Milliarden Dollar und dämpft Hoffnungen auf einen schnellen Sieg.

26. März 2003: Bei Explosionen in einem Wohnbezirk von Bagdad sterben mindestens 15 Zivilisten.

28. März 2003: US-Fallschirmjäger besetzen im Kurdengebiet Nord-Iraks einen Flugplatz und beginnen mit dem Aufbau einer Nord-Front.

30. März 2003: Das Pentagon weist Berichte über Nachschubprobleme zurück. Kritiker werfen Verteidigungsminister Rumsfeld vor, aus Kostengründen die falsche Taktik gewählt zu haben.

31. März 2003: In der Nähe von Bagdad finden erste Gefechte von US-Truppen mit der Republikanischen Garde statt.

2. April 2003: Die USA leiten die entscheidende Phase zum Sturm auf Bagdad ein. Die Truppen stehen 30 Kilometer vor der Stadt.

3. April 2003: US-Truppen rücken zum Saddam International Airport vor.

5. April 2003: Die USA stoßen erstmals zeitweise in das Zentrum Bagdads vor.

6. April 2003: Bagdad ist nach US-Angaben vollständig von US-Truppen eingeschlossen. Die Städte Basra und Kerbela sollen sich in der Hand der Alliierten befinden.

 Trauer: Journalisten in Bagdad trauern um getötete Kollegen
AP/ Kyodo News
Trauer: Journalisten in Bagdad trauern um getötete Kollegen
7. April 2003: US-Soldaten dringen erstmals in Paläste des irakischen Präsidenten Saddam Hussein in Bagdad ein. Focus-Redakteur Christian Liebig wird als erster deutscher Journalist bei einem Raketenangriff bei Bagdad getötet.

8. April 2003: Durch US-Beschuss sterben drei weitere Reporter, zwei von ihnen im Bagdader Journalistenhotel "Palestine". Bush und der britische Premierminister Blair räumen den UN eine "vitale Rolle" in der Nachkriegszeit ein.

9. April 2003: Am Ende der dritten Kriegswoche hat das Regime des offenbar untergetauchten Saddam Hussein in Bagdad die Kontrolle verloren. Aus den Vororten kommen Meldungen über Plünderungen und Racheakte unter Irakern.

10. April 2003: Die nordirakischen Städte Kirkuk und - einen Tag später - Mosul werden eingenommen. Massive Plünderungen in Bagdad, darunter im Nationalmuseum und in Krankenhäusern.

14. April 2003: Bei geringem Widerstand besetzen Amerikaner mit Tikrit die letzte größere Stadt des Iraks und Heimatort Saddams. Das Regime ist damit endgültig am Ende. Von Saddam und seinen engsten Vertrauten fehlt jedoch jede Spur.

21. April 2003: Der ehemalige US-General Jay Garner trifft in Bagdad ein. Er soll eine zivile Übergangsverwaltung aufbauen und leiten.

22. April 2003: US-Außenminister Powell kritisiert Frankreich für seinen Widerstand gegen den Irak-Krieg und droht Konsequenzen an.

24. April 2003: Präsident Bush räumt ein, dass im Irak bislang keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. Der vermeintliche Besitz galt als Hauptgrund für den Krieg.

Eingeständnis: Paul Wolfowitz gibt zu, dass der Angriff auf den Irak andere Gründe hatte, als dies bislang seitens der USA dargestellt wurde
1. Mai 2003: Bush erklärt die "größeren Kampfhandlungen" im Irak für beendet.

30. Mai 2003: Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz räumt ein, dass die Frage irakischer Massenvernichtungswaffen in erster Linie aus politischen Gründen für einen Krieg in Irak genutzt wurde. Die Massenvernichtungswaffen seien niemals der wichtigste Kriegsgrund für die USA gewesen, sagte Wolfowitz dem britischen Magazin "Vanity Fair".

Laut Wolfowitz habe sich die US-Regierung "aus bürokratischen Gründen" auf das Thema Massenvernichtungswaffen konzentriert, weil es "der eine Grund war, dem jeder zustimmen konnte". "Fast unbeachtet, aber riesig" sei dagegen der Kriegsgrund gewesen, dass mit dem Irak-Krieg die Präsenz von US-Truppen im benachbarten Saudi-Arabien überflüssig geworden sei.

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