MAN Mit Vollgas aus der Talsohle

Der eiserne Sparkurs zeigt Wirkung. Die Nutzfahrzeugsparte kämpft sich langsam aus der Krise. Nur die Vorstandsfrage bereitet weiter Probleme. Ein Nachfolger für MAN-Chef Rudolf Rupprecht ist nicht in Sicht.

München - Die Bus- und Lastwagensparte des MAN-Konzerns erwartet trotz Konjunkturflaute und Irak-Krise ein gutes Jahr 2003. Nachdem der wichtigste Unternehmensbereich im vergangenen Jahr durch Kosteneinsparungen und Stellenabbau nach einem Verlust von 49 Millionen Euro in 2001 wieder ein Plus vor Steuern von 13 Millionen Euro eingefahren hat, soll nun die Rückkehr in die operative Gewinnzone gelingen.

"Wir haben die schlechteste Zeit hoffentlich hinter uns", sagte Nutzfahrzeug-Chef Hakan Samuelsson am Dienstag in München. Der Absatz von Bussen und Lastwagen werde voraussichtlich um rund fünf Prozent steigen.

Das Ergebnis solle aber durch die eingeleiteten Kostensenkungen mit dem Abbau Tausender Arbeitsplätze wesentlich stärker verbessert werden. Seit Anfang 2001 hat das Unternehmen nach Angaben von Samuelsson 4044 Arbeitsplätze abgebaut. Die Zahl der Beschäftigten sank dadurch auf knapp 35.000.

Der Sparkurs zeigt Wirkung

Der Umsatz ging allerdings 2002 wegen der Kaufzurückhaltung der Kunden um drei Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro zurück. Insgesamt verkaufte MAN Nutzfahrzeuge 61.485 Busse und Lastwagen, dies sei ein Minus von elf Prozent.

In der Lastwagensparte profitierte MAN bereits dennoch von dem 2001 eingeleiteten Sparkurs. Vor Zinsen und Steuern verbesserte sich das Ergebnis um 74 Millionen Euro auf 174 Millionen Euro. Die Restrukturierung der britischen Tochter ERF, die den Konzern 2001 durch Bilanzfälschungen belastet hatte, sei inzwischen abgeschlossen.

Gedrückt wurde der Gewinn der MAN Nutzfahrzeug-Gruppe allerdings durch einen höheren Verlust in der Bus-Sparte. Die leeren öffentlichen Kassen machten sich deutlich bei den Bestellungen von Kommunen bemerkbar, sagte Samuelsson.

Außerdem habe der Konzern auf unrentables Geschäft verzichten müssen. "Wir mussten einfach zu einigen Aufträgen 'nein, danke' sagen." In diesem Jahr soll der Bereich den Verlust von zuletzt 84 Millionen halbieren.

Dies soll auch durch den bereits angekündigten Abbau von 1000 Arbeitsplätzen in Salzgitter und bei Neoplan in Stuttgart gelingen. "Wir haben die notwendigen schwierigen Schritte gemacht, um diesen Bereich zukunftsfähig zu machen", sagte Samuelsson. Ende 2004 solle die Sparte die Gewinnschwelle erreichen.

Kein Nachfolger für Rupprecht

Derweil zieht sich die Suche nach einem Nachfolger für den bisherigen MAN-Chef Rudolf Rupprecht in die Länge. Nach wochenlangen Spekulationen will der Aufsichtsrat am Donnerstag eine Entscheidung treffen.

Alles deutet daraufhin, dass Rupprecht Überstunden einlegen muss. Eigentlich wollte sich der 63-Jährige in diesem Jahr in den Ruhestand verabschieden. Mangels anderer Kandidaten wird er seinen Vertrag aber wohl noch einmal verlängern und die Restrukturierung bei MAN selbst zu Ende bringen.

Eine externe Besetzung des Postens kommt offenbar nicht in Frage. Und die interne Lösung ist nach Einschätzung von Experten momentan nicht in Sicht, zumal die beiden gehandelten Kandidaten - Nutzfahrzeug-Chef Samuelsson und Gerd Finkbeiner, der für die Druckmaschinensparte MAN Roland verantwortlich ist - noch bei der Sanierung ihrer eigenen Bereiche noch viel Arbeit zu erledigen haben.