Tui Noch keine Änderung der Geschäftsgrundlage

Bis zum 31. März können Urlauber wegen des Irak-Krieges ihre Reise beim Touristikkonzern Tui umbuchen. Thomas Cook und die Lufthansa haben ähnliche Pläne. Drei Fluggesellschaften stellen den Betrieb Richtung Kairo, Bahrain und Kuwait ein.

Hannover/Düsseldorf - Für den nach der Bush-Rede immer wahrscheinlicher werdenden Fall eines Irak-Krieges will Tui  weitreichende Kulanzregeln für bereits getätigte Buchungen anbieten.

Entsprechende Pläne seien seit längerem vorbereitet, um die Unsicherheit aber nicht zu schüren, habe man diese bislang zurückgehalten, sagte ein Sprecher des Touristikkonzerns am Dienstag der Nachrichtenagentur VWD. Bislang bietet Tui seinen Kunden an, bis zum 31. März kostenlos Umbuchungen vorzunehmen.

Eine Änderung der Geschäftslage durch das in der Nacht zum Dienstag durch US-Präsidenten an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein gestellte Ultimatum sah der Sprecher nicht. Dies sei erst der Fall, wenn touristische Ziele direkt oder indirekt betroffen seien.

Bisher nur einzelne Stornierungen

Trotz der Zuspitzung des Irak-Konflikts hat Europas größter Reiseveranstalter nach eigenen Angaben bislang aber auch nur vereinzelt Stornierungen verzeichnet. Es habe allerdings zahlreiche Anrufer gegeben, die wegen zusätzlicher Informationen nachgefragt hätten.

Großaktionärin WestLB hat unterdessen Berichte dementiert, sie wolle sich von ihrer Beteiligung an Tui trennen. "Da ist nichts dran", sagte ein Sprecher der Bank am Dienstag. Die WestLB habe auch auf absehbare Zeit keine Veräußerungsabsichten. Das Institut hält rund ein Drittel des Grundkapitals von Tui.

Lufthansa bucht auch Billig-Tickets um

"Der Krieg ist in den Köpfen schon da"

Die Angst vor Anschlägen und unabsehbaren Folgen eines Irak-Krieges hält Umfragen zufolge in Europa seit Wochen viele Menschen davon ab, eine Flugreise zu planen. Für März und April wurde in den vergangenen Wochen kaum noch gebucht. "Der Krieg ist in den Köpfen schon da", hatte bereits Anfang Februar Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler erklärt.

Wie Boris Ogurski, ein Sprecher von Thomas Cook am Dienstag auf Nachfrage von manager-magazin.de sagte, gebe es in den von Thomas Cook angesteuerten Reisezielen aber noch keine Veränderung der Sicherheitslage. Sollte sich dieses ändern, werde das Unternehmen "flexibel und fallweise" reagieren.

Bewußt keine Versicherung gegen Storno-Wellen

Aus Kostengründen habe Thomas Cook keine Versicherungen abgeschlossen, die das Unternehmen vor plötzlichen Stornierungswellen schützen. So habe der jüngste Fall einer Reisewarnung für Venezuela erneut gezeigt, dass die betroffenen Gäste "zum überwiegenden Teil" von Alternativ-Angeboten (damals innerhalb der Karibik-Region) Gebrauch machten.

Man habe für den Fall, dass Cook-Urlaubsziele von einem möglichen Irak-Krieg betroffen sein könnte, bereits Hotel- und Flugkapazitäten gesichert, falls ähnliche Umbuchungsaktionen erforderlich seien.

Vereinbarungen mit Hotels getroffen

Mit den Hotels, die durch das Abreisen der Cook-Gäste finanzielle Einbußen hinnehmen müssten, seien individuelle Vereinbarungen für Katastrophenfälle oder Phasen politischer Unsicherheit getroffen.

Unter dem Strich habe sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Ausgaben für diese Fälle deutlich unter den Fixkosten gelegen hätten, die für Versicherungen angefallen wären. "Bisher hat es sich für uns ausgezahlt, dass wir für diese Ausnahmefälle ein unternehmerisches Risiko eingegangen sind", so der Sprecher.

Lufthansa bietet gebührenfreie Umbuchungen an

Die Lufthansa  fliegt trotz der Zuspitzung der Irak-Krise nach dem Ultimatum der USA vorerst weiter nach Nahost. Der Flugplan ins israelische Tel Aviv und zu Zielen in Saudi-Arabien, Iran, Libanon, Jordanien und im Sudan werde aufrechterhalten, sagte ein Sprecher am Dienstag.

Für Flüge in die USA, nach Kanada, Israel, die Türkei und den Mittleren und Nahen Osten könnten ab sofort auch Reisende der Economy-Class und mit Sonderangebots-Tickets gebührenfrei umbuchen oder stornieren.

Swiss Air und British Airways streichen Flüge

Swiss Air und British Airways streichen Flüge

Die britische Fluggesellschaft British Airways streicht wegen des drohenden Irak-Kriegs vom (morgigen) Mittwoch an sämtliche Flüge von und nach Israel und Kuwait. Grund sei ein Reisehinweis des britischen Außenministeriums für die Region, teilte die Fluggesellschaft in Jerusalem mit. Die letzten Flüge sollen am Mittwochabend starten.

British Airways ist die erste Fluggesellschaft, die den Flugbetrieb aufgrund der jüngsten Entwicklungen offiziell einstellt. Die Zahl der Flüge nach Dubai wurde reduziert.

Die Schweizer Gesellschaft Swiss will ab Donnerstag zwei ihrer sechs wöchentlichen Verbindungen von Zürich nach Kairo einstellen.

Zur Begründung hieß es, die Nachfrage sei schwach. Die Fluglinie Thai Airways setzt ihre Flüge von Bangkok nach Kuwait und Bahrain ab Donnerstag aus. Ein Sprecher des Flughafens der libanesischen Hauptstadt Beirut erklärte, mehrere internationale Fluglinien hätten Flüge nach Libanon "aus kommerziellen Gründen" am Dienstag abgesagt. Vertreter des Flughafens der ägyptischen Hauptstadt erklärten, Flüge von und nach Kairo seien durchschnittlich nur zu 40 Prozent ausgelastet.