Irak-Krise Finaler Kriegsrat

Der Angriff auf den Irak steht offenbar kurz bevor. Am Wochenende wird sich voraussichtlich die "Koalition der Willigen" treffen. George W. Bush, Tony Blair und José Maria Aznar erwägen, kurzfristig ein Gipfeltreffen einzuberufen.

Washington - Der Krisengipfel der drei Regierungschefs könnte auf neutralem Boden stattfinden, verlautete aus Regierungskreisen in Washington und London. US-Präsident Bush wolle sich möglicherweise noch einmal mit seinen engsten europäischen Verbündeten, Großbritannien und Spanien, beraten.

Dabei könnten letzte diplomatische und militärische Strategien abgesprochen werden, erklärten ranghohe US-Regierungsvertreter. Entscheidungen seien aber noch nicht getroffen worden.

In der Nacht zuvor war die Sitzung des Uno-Sicherheitsrates ebenso ergebnislos zu Ende gegangen wie die vorherigen. Der amerikanische Uno-Botschafter John Negroponte hatte aber darauf verzichtet, einen Antrag zur Abstimmung der zweiten Irak-Resolution einzubringen. Der von den USA, Großbritannien und Spanien eingebrachte Entwurf einer Resolution bleibe aber auf dem Tisch, erklärte er.

Der Antrag auf Abstimmung könne jederzeit erfolgen, sagte Negroponte. US-Außenminister Colin Powell und der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, hatten zuvor von der Möglichkeit gesprochen, ganz auf eine Abstimmung zu verzichten. Dies wird in Washington als Beleg dafür gewertet, dass US-Präsident Bush allmählich die Geduld mit dem Weltsicherheitsrat verliert. Bush hat mehrfach erklärt, dass die USA den Irak in einer "Koalition der Willigen" entwaffnen würden, falls es in den Vereinten Nationen nicht zu einer Einigung kommen sollte.

Letzte Anläufe der Diplomaten

Unterdessen konnte auch ein neuer Kompromissvorschlag der bislang unentschiedenen Sicherheitsratsmitglieder die Kluft im wichtigsten UN-Gremium nicht überbrücken. Mexiko, Chile und Pakistan erklärten nach Angaben von Diplomaten, sie könnten den von den USA und Großbritannien eingebrachten Resolutionsentwurf in seiner derzeitigen Form nicht mittragen, seien aber weiter zu Verhandlungen bereit.

Mit den drei afrikanischen Mitgliedern Angola, Kamerun und Guinea bemühten sie sich um einen Kompromiss. Sie schlugen nach Angaben aus Diplomatenkreisen eine Liste von Forderungen an den irakischen Staatschef Saddam Hussein und einen weiter gefassten Zeitrahmen vor. Nach Ablauf der Frist solle dann der Sicherheitsrat entscheiden, ob der Irak die Auflagen erfüllt habe.

Den am Vortag vorgelegten britischen Entwaffnungskatalog, wonach der Irak sechs konkretisierte Forderungen erfüllen müsste, lehnten sie ab. Londons Uno-Botschafter Sir Jeremy Greenstock sagte, im Gegensatz zu dem vorliegenden Resolutionsentwurf, der ein Ultimatum bis zum kommenden Montag enthält, wäre der Zeitpunkt bis zur Erfüllung der britischen Forderungen verhandelbar gewesen.

Die meisten der 15 Ratsmitglieder hätten bei den Konsultationen befürwortet, dass Uno-Chefinspekteur Hans Blix in der nächsten Woche sein Arbeitsprogramm für weitere Inspektionen im Irak vorlegt, erklärte der deutsche Uno-Botschafter Gunter Pleuger.

Frankreichs Uno-Botschafter Jean-Marc de La Sablière erklärte, das Blix-Programm sei der einzige vernünftige Fahrplan für die friedliche Entwaffnung des Irak. Russlands Botschafter Sergej Lawrow sagte, die ablehnende Haltung seiner Regierung gegenüber den neuen britischen Vorschlägen sowie gegenüber dem eigentlichen Resolutionsentwurf habe sich nicht geändert. Moskau werde keinem Ultimatum an den Irak zustimmen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.