Accenture Schwarzer Freitag

Die Krise der Finanzbranche schlägt auf die Unternehmensberater durch. Sieben Prozent der Banken-Consultants von Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz müssen gehen.
Von Arne Stuhr

Hamburg/Kronberg - Als manager-magazin.de den neuen Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture, Stephan Scholtissek, Ende Februar mit den katastrophalen Ergebnissen einer internen Mitarbeiterbefragung konfrontierte, wiegelte dieser ab. "Die Zufriedenheit der Mitarbeiter in diesen Zeiten auf hohem Niveau zu halten, ist eine schwierige Aufgabe. Wir können aber nach wie vor sehr gute Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten", wehrte Scholtissek sich gegen die Vorwürfe.

Zumindest für den Unternehmensbereich Financial Services scheint diese Aussage nur noch bedingt zu gelten. Wie manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen erfuhr, wurde den für die Beratung von Banken und Versicherungen zuständigen Mitarbeitern der Accenture-Töchter in Deutschland, Österreich und der Schweiz (organisatorisch bei Accenture als ASG zusammengefasst) Ende der vergangenen Woche mitgeteilt, dass in ihrem Bereich sieben Prozent der Mitarbeiter ihren Job verlieren werden.

In der Accenture-Zentrale in Kronberg sprechen die Mitarbeiter mittlerweile vom "schwarzen Freitag". Betroffen sind nicht nur junge Mitarbeiter, bei Accenture "Analysts" genannt, sondern auch erfahrene Berater der dritten Stufe. Die so genannten "Manager" hatten schon in der internen Befragung, deren Ergebnisse manager-magazin.de vorliegen, aus ihrem Frust keinen Hehl gemacht. Im Bereich Financial Services hatten zum Beispiel nur noch 40 Prozent von ihnen angegeben, ihre berufliche Zukunft für die nächsten zwei Jahren noch bei Accenture zu sehen, 22 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Für einige Berater dürfte dieser Zeithorizont nun deutlich zusammenschmelzen.

"Auf eigenen Wunsch ausgeschieden"

Offiziell wird es aber wohl keine Kündigungen geben. Bei Accenture ist es Sitte, im Abschlusszeugnis bei geschassten Mitarbeitern die Formulierung "auf eigenen Wunsch ausgeschieden" zu verwenden und dafür einen finanziellen Ausgleich zu zahlen.

Die entlassenen Mitarbeiter dürften aber schon bald wieder in Kontakt mit ihrem Ex-Arbeitgeber kommen. Verkündet Accenture doch mit Stolz auf seiner Internetseite, soeben einen Fünfjahresvertrag mit der Bundesanstalt für Arbeit zum Aufbau eines "virtuellen Arbeitsmarktes" unterzeichnet zu haben. Manchmal liegen Realität und Virtualität eben doch enger zusammen als man denkt.

"Accenture wird weiter wachsen"

Bei Accenture (insgesamt in Deutschland, Österreich und der Schweiz 4200 Mitarbeiter und 700 Millionen Euro Umsatz) hieß es dazu, dass die Personalmaßnahmen im Zusammenhang mit der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens zu sehen seien, die eine Schwerpunktsverschiebung zum Geschäftsbereich Outsourcing vorsehe. Versetzungen innerhalb des Konzerns seien aufgrund der unterschiedlichen Mitarbeiterprofile aber nur schwer möglich.

"Es kann keine Rede von einem 'schwarzen Freitag' sein. Accenture wird weiterhin wachsen, auch auf der Personalseite", sagte Ulf Henning, Direktor für Marketing und Kommunikation bei Accenture, gegenüber manager-magazin.de am Mittwoch.