Samstag, 21. September 2019

Wella Erben einig über Verkauf?

Abstoßen, sobald der Preis stimmt. Angeblich haben die Erben des Unternehmensgründers Ströher eine Grundsatz-Vereinbarung über den Verkauf des Traditionskonzerns getroffen.

Darmstadt - Die Erben des Firmengründers Franz Ströher sind insbesondere in den vergangenen drei Jahren mit ihrer Beteiligung von 78 Prozent an Wella Börsen-Chart zeigen sehr gut gefahren.

 Schriftstück heizt Übernahmephantasie an: Wird Wella amerikanisch?
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Schriftstück heizt Übernahmephantasie an: Wird Wella amerikanisch?
Doch jetzt heizte die Meldung von einer Familienvereinbarung die Spekulationsgerüchte erneut an. In der Vereinbarung der Ströher-Erben soll laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) bereits im vergangenen Jahr eine grundsätzliche Verkaufsabsicht festgeschrieben sein.

Für Branchenkenner eine überraschende Meldung: Trotz Börsen-Baisse entwickelte sich die Aktie mittelfristig sehr robust, das Unternehmen wuchs stetig und kontrolliert, wiederholt hatten zudem verschiedene Mitglieder der Familien Ströher, Pohl, Sander und Ebert erklärt, dass ein Verkauf des Darmstädter Traditionskonzerns von 1880 für sie nicht in Frage käme. Im Friseurgeschäft, das weltweit im vergangenen Jahr 135 Milliarden Dollar umsetzte (Produkte und Dienstleistungen), spielt Wella eine starke Rolle.

Analyst Weiz: "Spekulationsspiele"

Weshalb sollten die Ströhers jetzt verkaufen wollen? Immerhin bestätigten gegenüber manager-magazin.de Kreise sowohl aus dem US-Konzern Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen wie auch bei Wella, dass Gespräche über einen möglichen Verkauf geführt werden.

Laut FAZ ist Ulrich Ströher die treibende Kraft hinter den Verkaufsbestrebungen. Er ist der Ehemann von Sylvia Ströher, eine der größten Einzelaktionärinnen von Wella. Sie hält mehr als 25 Prozent der Aktien.

Schlüssige Thesen? "Mir sind keine Fakten bekannt, die darauf schließen lassen, dass die Familienmitglieder verkaufen wollen", sagt HypoVereinsbank-Analyst Christian Weiz im Gespräch mit manager-magazin.de.

Wellas Pluspunkte

Bisher würden lediglich Spekulationen um eine Übernahme durch den US-Konzern Procter & Gamble den Aktienkurs treiben - verlässliche Belege gebe es nicht. Weil er sich an "Spekulationsspielen" nicht beteiligen wolle, belässt Weiz die Anlage-Empfehlung für die Wella-Aktie auf "neutral".

Für ein Festhalten der Familie Ströher an Wella sprechen dagegen laut Weiz Fakten: In dem krisensicheren Geschäft besetzt Wella in vielen Ländern sehr gute Positionen in den Vertriebsnetzen, in die neue Konkurrenten schwerer eindringen können als in anderen Branchen.

Wellas Friseur-Sparte konnte mit ihren Hair Care Produkten 2002 rund 2,5 Milliarden Umsatz erwirtschafen - der Gesamtumsatz 2002 soll etwa 3,8 Milliarden erreichen. Das enspricht zweistelligen Zuwachsraten im Vergleich zum Vorjahr.

Ideale Passform für P&G

Unbestritten würde Wella gut in das Portfolio des Konsumgüter-Giganten Procter & Gamble passen. Analyst Weiz verweist auf die Marke Clairol, die P & G im Sommer 2001 für fünf Milliarden Dollar vom Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb Börsen-Chart zeigen gekauft hatte. Der Haarpflege-Spezialist sei zwar im anglo-amerikanischen Raum stark, Wella würde mit seiner in vielen europäischen und asiatischen Regionen starken Stellung eine gute Ergänzung bilden.

Eine wichtige Frage zur Beurteilung der Verkaufsgerüchte ist laut Weiz, welche Motivation die Haupteigner von Wella leiten könnte. Dass es ihnen lediglich um eine Diversifikation ihres Vermögensportfolios gehen könnte, sei ein zu schwaches Argument. Solang es hierzu keine stichhaltigeren Antworten gebe, sei die Übernahme-Frage völlig offen.

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