Mittwoch, 19. Februar 2020

Powell-Rede "Es wird versteckt und gelogen"

In seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat fuhr US-Außenminister Colin Powell schweres Geschütz auf. Er präsentierte vermeintliche Beweise für 18 mobile Biowaffen-Laboratorien und für die Lagerung von mindestens 100 Tonnen Chemiekampfstoff im Irak.

New York - Unter deutscher Präsidentschaft kam am Mittwoch in New York der Weltsicherheitsrat zur Irak-Krise zusammen. US-Außenminister Colin Powell wollte dem Gremium Beweise vorlegen, wonach der Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt.

Abgehörte Telefonate vorgespielt: US-Außenminister Powell
Powells Auftritt glich einer großen Multimedia-Show. US-Beamte bauten zwei große und zwei kleine Bildschirme auf, damit die Mitglieder des Sicherheitsrates nichts von der Präsentation verpassen.

Zum Auftakt sprach Powell von "sehr verstörenden Fakten", die er den Anwesenden vorlegen wolle. Die Beweise seien von Mitarbeitern unter Einsatz ihres Lebens gesammelt worden.

Die Präsentation begann mit dem Vorspielen von abgehörten Telefonaten. Offiziere der irakischen Elitetruppe Republikanische Garde sprachen unter anderem über das Verstecken verdächtiger Fahrzeuge vor den UN-Kontrolleuren.

Die Mitschnitte würden beweisen, dass Bagdad versucht habe, vor Beginn der UN-Inspektionen im November Hinweise auf verbotene Waffenprogramme beiseite zu schaffen. "Hier wird getäuscht, hier wird versteckt und gelogen", sagte Powell.

Mobile Laboratorien auf der Straße

Anschließend zeigte der US-Außenminister Satellitenaufnahmen, die seinen Worten zufolge beweisen, dass Irak kurz vor dem Eintreffen der Inspektionsteams belastendes Material beseitigt habe. Powell bezeichnete das irakische Vorgehen als "absichtliche Kampagne, um sinnvolle Inspektionen zu verhindern". Dies stelle eine direkte Verletzung der Verpflichtungen dar, die die UN-Resolutionen Irak auferlegten.

Powell sagte weiter: "Während wir hier reden, transportiert eine irakische Raketenbrigade Gefechtsköpfe in den Westen des Landes." Unter den Gefechtskörpern, die in verschiedenen Palmenwäldern aufgestellt würden, seien auch solche, die mit Biowaffen bestückt sind.

"Wir wissen, dass es mobile Laboratorien im Irak gibt, in denen biologische Giftwaffen hergestellt werden können", so Powell weiter. Es gebe laut Überläuferinformationen mobile Produktionseinrichtungen auf Schienen und Straßen. Der US-Außenminister präsentierte detaillierte Zeichnungen der in Lastwagen eingebauten Laboratorien. Powell sprach von insgesamt 18 Lkw-Einheiten.

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