Volkswagen Umsatzausfall in Milliardenhöhe?

Bei der Modellstrategie geben sich die Wolfsburger verschwiegen. Nun heißt es, die nächste Passat-Generation komme später als erwartet. Derweil verkauft sich die aktuelle Version zunehmend schlechter.

Hamburg – Der neue Passat lässt offenbar auf sich warten. Volkswagen  wird die nächste Generation der neben dem Golf umsatzstärksten Modellreihe erst im Herbst 2004 auf den Markt bringen. Dies berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise

Branchenkenner hatten schon in der ersten Hälfte des kommenden Jahres mit der Einführung gerechnet. Der Passat ist neben Golf und Polo die wichtigste Erlössäule des Konzerns. Zusammen machen die Fahrzeuge 65 Prozent des Umsatzes aus.

Volkswagen will indes nichts von einer Verspätung wissen. "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Alle lancierten Termine für den Passat stammen von Externen", sagte Volkswagen-Sprecher Markus Arand gegenüber manager-magazin.de.

Spitzenbelastungen und höhere Kosten

Eine Verzögerung wäre für den Wolfsburger Autobauer keineswegs von Nachteil. Der Konzern hadert schon länger mit den eng beieinander liegenden Produktzyklen von Golf und Passat, wodurch Spitzenbelastungen und höhere Kosten bei der doppelten Markteinführung entstehen.

Bisher konnte Volkswagen auf diese Weise alle sechs Jahre Ergebnissprünge verbuchen, nur um dann wieder eine Durststrecke zu durchleiden. "Zum Teil überlagerten sich die Modelleinführungen aus Wolfsburg sogar mit denen der Konzerntochter Audi", monierte Analyst Arndt Ellinghorst, von WestLB Panmure.

Allerdings müsste Volkswagen die Umstellung teuer erkaufen. WestLB-Analyst Ellinghorst rechnete gegenüber dem "Handelsblatt" mit 130.000 weniger verkauften Autos, sollten die Wolfsburger den Starttermin für den Passat nach hinten verlegen. Der in diesem Falle zu erwartende Umsatzrückgang beläuft sich demnach für 2004 auf 2,2 Milliarden Euro.

Auch bei diesem Thema gibt sich Volkswagen zurückhaltend. "Natürlich ist die derzeitige Situation ungünstig. Es gibt hinsichtlich der Verschiebung einer Markteinführung von Golf oder Passat derzeit keine strategischen Ansätze", erklärt Volkswagen-Sprecher Arand.

Kritik von den Händlern

Mit der aktuellen Debatte steht die Modellstrategie von Volkswagen erneut im Fokus. Zuletzt hatten sich der Volkswagen- und Audi-Händlerverband kritisch zu diesem Thema geäußert. Die Nachfolger von Golf und Passat ließen zu lange auf sich warten, klagte Michael Lamlé, Vorsitzender des Händlerverbandes, erst Ende Januar. "Ein Wettbewerb mit in die Jahre gekommenen Modellen ist schwierig und kostet Geld", hieß es weiter.

Tatsächlich bestätigen die Zulassungszahlen des vergangenen Jahres diese Sicht. Zwar belegt der Passat bei den Neuanmeldungen in 2002 den sechsten Rang, dennoch musste der Fahrzeugtyp gegenüber dem Vorjahr herbe Verluste von fast 20 Prozent einstecken.

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