Konjunktur Arbeitslosen-Schock - Wert auf 5-Jahres-Hoch

Mit 4,6 Millionen Erwerbslosen fällt die Januar-Zahl deutlich höher aus als erwartet. Im Osten ist bereits jeder fünfte ohne Arbeit.

Nürnberg - Kaum jemand ahnte, dass es so schlimm kommen würde: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar um fast 400.000 gestiegen. Die Bundesregierung feilt derweil an einer neuen Erfassungsmethode, um die Statistik ein bisschen hübscher aussehen zu lassen.

Der Winter ist hart, die Konjunktur schwach, und deshalb war den meisten Volkswirten klar: Die Arbeitslosenzahlen im Januar würden im Vergleich zum Vorjahr ungewöhnlich hässlich aussehen. Im Schnitt indes hatten die meisten Experten nur mit Werten um 4,55 Millionen gerechnet.

Tatsächlich kam es offenbar noch deutlich schlimmer: Nach den Worten des Chefs des Bundesanstalt für Arbeit (BA), Florian Gerster, ist die Arbeitslosenzahl unerwartet drastisch um rund 398.000 auf 4,623 Millionen gestiegen. Gerster sagte weiter, Anzeichen für eine gesamtwirtschaftliche Verbesserung seien nicht erkennbar.

Quote liegt über elf Prozent

Erstmals seit März 1998 wurde bundesweit wieder die Marke von 4,5 Millionen Arbeitslosen überschritten. Damals hatte die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls bei 4,623 Millionen gelegen. Die höchste Arbeitslosigkeit überhaupt war im Januar 1998 registriert worden, als es 4,823 Millionen Erwerbslose gab.

Auch saisonbereinigt stieg die Zahl der Erwerbslosen den Angaben zufolge deutlicher als erwartet an - im Vergleich zum Dezember um 62.000 Die unbereinigte Arbeitslosenquote sei im Januar bundesweit auf 11,1 Prozent von 10,1 Prozent im Dezember gestiegen. Offiziell gibt die Bundesanstalt für Arbeit die Arbeitslosenzahlen am Mittwochvormittag bekannt.

Vor allem der Osten ächzt

Im Osten Deutschlands stieg die Quote offenbar besonders deutlich an und erreichte den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Dort waren demnach rund 1,725 Millionen Arbeitslose (Quote: 19,5 Prozent) registriert, nahezu 280.000 mehr als im Dezember.

Dies wurde aber unter anderem damit erklärt, dass in der Statistik das Bundesland Berlin erstmals vollständig zu den neuen Ländern gezählt worden sei. Im Westen nahm die Zahl den Angaben zufolge um etwa 118.000 auf 2,898 Millionen Arbeitslose (Quote: 8,8 Prozent) zu.

Einem Bericht der "Welt" zufolge will die Bundesregierung die Arbeitslosenstatistik künftig an den Standards der Europäischen Union (EU) orientieren. Dadurch werde die derzeitige Arbeitslosenquote in Deutschland um deutlich mehr als ein Prozent sinken, berichtete das Blatt unter Berufung auf im Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft.

Ein-Stunden-Arbeiter tauchen in EU-Statistik nicht auf

Nach den Plänen von Minister Wolfgang Clement sollen laut Bericht künftig nur diejenigen Arbeitslosen in der Statistik erfasst werden, die tatsächlich vermittelt werden wollen und auch verfügbar sind. Zudem wolle Clement die Definition von Arbeitslosigkeit an EU-Standards anpassen.

Bisher gelte in Deutschland jeder als arbeitslos, der weniger als 14 Stunden pro Woche arbeite und sich bei den Arbeitsämtern melde. Dagegen gelten dem Bericht zufolge in der EU Personen, die nur eine Stunde pro Woche arbeiten, schon nicht mehr als erwerbslos.

Das Ministerium plant laut "Welt" auch, die Erfassung von Arbeitslosen zu ändern. So werde erwogen, künftig repräsentative Haushaltsbefragungen durchzuführen. Dabei solle im Rahmen von Stichproben gefragt werden, ob die Betroffenen einer Arbeit nachgingen, ob sie eine Arbeit suchten und ob sie wirklich verfügbar seien. Mit diesem Zensusverfahren würde die bisherige Karteistatistik der Bundesanstalt für Arbeit abgelöst.

Gleichzeitig solle das so genannte Verfügbarkeitskriterium für Arbeitslose geändert werden. Nach der EU-Statistik gilt nur derjenige als arbeitslos, der innerhalb von zwei Wochen eine Arbeit aufnehmen kann. Das deutsche Recht sieht dem Bericht zufolge dagegen keine strikten Verfügbarkeitskriterien vor.

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