Gerling Keine Kamelle am Rosenmontag

Der Versicherungskonzern macht Ernst. 1000 Stellen werden abgebaut. Übertarifliche Leistungen stehen zur Diskussion - so auch der freie Tag beim Karneval.

Düsseldorf – Die Umstrukturierung des Versicherers Gerling  nimmt konkrete Züge an. Mit harten Personaleinschnitten will der angeschlagene Konzern seine Ertragslage verbessern.

Bis zum kommenden Jahr plane das Unternehmen allein im Erstversicherungsgeschäft rund 1000 Stellen zu streichen, schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzernkreise. Gerling selbst wollte sich vor einer Absprache mit dem Betriebsrat nicht zu dem Thema äußern.

Bereits vor zwei Wochen hatte Konzernchef Heinrich Focke in einem Brief an die Gerling-Mitarbeiter mögliche Entlassungen angekündigt, nachdem die Gerling-Gruppe im vergangenen Jahr einen Verlust in Höhe von etwa 400 Millionen Euro verbucht hatte. Demnach stehen zentrale Dienstfelder auf dem Prüfstand. Dabei sollen Arbeitsabläufe und Inhalte neu geordnet werden.

Geplant sei nach Angaben aus Konzernkreisen, die Kosten schon in diesem Jahr um 30 Millionen Euro zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen war ursprünglich die Streichung von insgesamt 2000 Stellen geplant. Mit dem Verkauf der Rückversicherungssparte Ende November des vergangenen Jahres konnte die Hälfte der Vorgabe bereits erreicht werden.

Bereiche unter der Lupe

Jetzt kommen die vier Gerling-Bereiche Privat- und Firmenkunden, Industriegeschäft, Verwaltung und Informationstechnologie auf den Prüfstand. Betriebsbedingte Kündigungen könnten kaum vermieden werden, weil viele Gerling-Mitarbeiter bereits in den Vorruhestand gegangen sind.

Allein in der Verwaltung und in der IT-Sparte sollen bis 2004 mindestens 300 Stellen gestrichen werden. Derzeit sind dort 1000 Mitarbeiter aktiv.

Auch die Privat- und Firmenkundensparte muss sich auf Einschnitte einstellen. Die Kostenquote der insgesamt 5000 Beschäftigten übersteigt die der Konkurrenz deutlich.

Bis Ende Februar sollen weitere Sparvorschläge ausgearbeitet werden. Zur Debatte stehen dabei übertarifliche Leistungen wie etwa der freie Rosenmontag.

Weiter ungeklärt ist die künftige Anteilsstruktur bei Gerling. Derzeit halten Rolf Gerling 65,5 Prozent und die Deutsche Bank  34,5 Prozent der Unternehmensanteile. Bislang hat sich nur der HDI-Konzern als neuer Großaktionär ins Spiel gebracht. Das abgegebene Angebot wurde allerdings als zu gering abgelehnt.

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