KlöCo-Skandal Britische Breitseite

Die Affäre um den Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co. (KlöCo) verschärft sich: Hauptaktionär Balli, der unter Selbstbedienungsverdacht steht, erhebt per Klageschrift schwere Vorwürfe gegen Treuhänder Droege und Kreditgeber WestLB.

Hamburg - Die Londoner Balli-Gruppe verklagt die Westdeutsche Landesbank (WestLB) und die Düsseldorfer Unternehmensberatung Droege & Comp. auf Schadensersatz in Höhe von rund 300 Millionen Euro. Die Briten werfen den Deutschen vor, zwei mal den Verkauf des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co.(KlöCo), der Balli zu 94,5 Prozent gehört, verschleppt zu haben. Eine entsprechende Klage wurde, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 18. November letzten Jahres beim High Court in London eingereicht.

Nach Darstellung der Beklagten entbehren die erhobenen Vorwürfe "jeglicher Grundlage". Treuhänder Droege gibt der Klage "keinerlei Erfolgschancen". Seiner Ansicht nach, so Droege gegenüber mm, handelt es sich "bei der Klage um einen taktischen Zug der Gebrüder Alaghband".

Hintergrund der Klage, die der Redaktion im Wortlaut vorliegt: Im März 2002 war der Berater Droege auf Druck von Balli-Gläubiger WestLB als Treuhänder bei KlöCo eingesetzt worden, nachdem Balli in den Verdacht geraten war, bei KlöCo kurz nach der Übernahme im Herbst 2001 widerrechtlich 120 Millionen Euro abgezweigt zu haben. Die WestLB hält 5,5 Prozent an KlöCo.

Balli-Anwälte erheben schwere Vorwürfe

Weil Balli die Gelder nicht zurückzahlen konnte und das Balli-Aktienpaket bei der WestLB verpfändet ist, wurde ein neuer Käufer für den Stahlhändler KlöCo gesucht. Es gab zwei Optionen: So wollte die Deutsche Bank zusammen mit der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft PWG Capital das Geschäft übernehmen. Parallel verhandelte Balli auch mit der WestLB und Droege um die komplette Übernahme des Duisburger Unternehmens.

In der elfseitigen Klageschrift, von deren Inhalt Droege und die WestLB vor Weihnachten erfuhren, erheben die Balli-Anwälte Clyde & Co. schwere Vorwürfe. Demnach sollen Droege, KlöCo-Vorstand und Ex-Droege-Partner Derrick Noe sowie die WestLB die Verhandlungen mit der Deutschen Bank torpediert haben.

Hauptakteur bei der Verhinderungsaktion soll Noe gewesen sein. Er habe im Oktober 2002 gezielt falsche Aussagen gemacht, argumentiert Balli in der Klage. Noe soll behauptet haben, wenn Balli an die Gruppe Deutsche Bank/PWG verkaufe, würden die Gläubigerbanken ihre KlöCo-Kredite fällig stellen (siehe Dokumentausriss links). Dies sei aber nicht der Fall gewesen sein, so die Balli-Anwälte.

Spiel mit gezinkten Karten?

Noe bestreitet die Vorwürfe. "Der Vorschlag von Klöckner & Co. hat zu keiner Zeit Verhandlungen mit der Deutschen Bank über einen Verkauf der Gesellschaft an PWG/Deutsche Bank geführt", ließ er mm wissen.

Auch Droege soll bei den Verhandlungen mit gezinkten Karten gespielt haben. Laut Klageschrift habe die WestLB Ende Oktober zunächst Balli die Übernahme von KlöCo zugesagt. Zwei Tage später teilte die Bank jedoch mit, Droege habe nicht die Mittel, um das Geschäft abzuschließen.

KlöCo soll versteigert werden

Wieso aber hat Droege dann überhaupt monatelang verhandelt? Laut Balli sei so wertvolle Zeit verstrichen, in der man nach einem anderen Käufer hätte suchen können. Mittlerweile hat auch Droege seine Kaufofferte endgültig zurück gezogen.

Möglicher Auslöser ist die Verhaftung von Balli-Chef Vahid Alaghband in Zürich vor wenigen Tagen. Die Schweizer Behörden griffen im Auftrag der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft zu, die gegen den Briten wegen des Verdachts des schweren Betrugs ermittelt.

Da es keinen weiteren Kaufinteressenten gibt, soll KlöCo nun meist bietend versteigert werden. Balli fürchtet, dass der Preis des Zwangsverkaufs weit unter ihrem Einstiegspreis liegen wird.

Droege kann der Notverkauf nur Recht sein. Der Unternehmensberater erwägt jetzt, sich an einer möglichen Versteigerung zu beteiligen. So käme er vermutlich wesentlich günstiger als bei dem zuvor geplanten Verkauf an die KlöCo-Anteile.

Klöco: Balli-Chef Vahid Alaghband verhaftet

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