Volkswagen Aufstand der Selbstständigen

Bei den VW- und Audi-Händlern gärt es. Die Autoverkäufer kritisieren die Bestrebungen von Volkswagen, den Vertrieb künftig vermehrt in Eigenregie zu führen. Auch die Modellstrategie steht unter Beschuss. Ein Sorgenkind ist der Phaeton.

Hannover – Zwischen dem Volkswagen-Konzern und den rund 3000 VW- und Audi-Händlern stehen die Zeichen auf Sturm. Mit einer Reihe von Vorwürfen attackierte Michael Lamlé, Vorsitzender des Händlerverbandes, die Wolfsburger Autobauer.

Lamlé kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur DPA die Pläne von Volkswagen , den Direktverkauf künftig vermehrt selbst zu übernehmen: "Das hätte nicht nur tief greifende Auswirkungen auf das unternehmerische Selbstverständnis der Händler, sondern unmittelbar auf die wirtschaftliche Lage der Betriebe." Lamlé wies vor allem auf Bestrebungen der Marke Nutzfahrzeuge in Richtung eigener Niederlassungen hin.

"Die Marken haben eindeutig erklärt, dass sie zu ihren Vertragshändlern als etabliertem Vertriebskanal stehen. Dann müssen sie aber auch akzeptieren, dass es sich bei ihren Vertriebspartnern um selbstständige Unternehmer handelt, die ihr Geschäft in eigener Regie führen", sagte der Verbandschef weiter.

Die Händler würden ihr Geschäft nicht an jemanden abgeben, der aus irgendwelchen übergeordneten, strategischen Überlegungen heraus meint, einige Bereiche besser im direkten Absatz an den Kunden führen zu können.

Falsche Modellstrategie

Gleichzeitig beklagte sich Lamlé über die Modellstrategie der Wolfsburger. Die Nachfolger von Golf und Passat hätten zu lange auf sich warten lassen: "Ein Wettbewerb mit in die Jahre gekommenen Modellen ist schwierig und kostet Geld."

Auch der Verkauf des Luxuswagens Phaeton laufe noch nicht optimal. Die Händler könnten mehr Fahrzeuge verkaufen, da "andere als die derzeit lieferbaren Ausstattungen des Phaeton gewünscht werden". So hätten nach dem Start mit dem großen Zwölfzylinder und dem Sechszylinder die anderen Motoren und insbesondere die Dieselvariante schon etwas eher kommen können.

Mit Pleiten ist zu rechnen

Für das vergangene Jahr gehe der Verband im Durchschnitt von einer Rendite von knapp einem Prozent für die Händler aus. "Das ist natürlich viel zu wenig, weil dies am Eigenkapital zehrt. Deshalb sind eine Vielzahl von Betrieben bedroht, weil sie auch noch dieses schwierige Jahr 2003 überstehen müssen." Es sei mit einigen Pleiten zu rechnen.

Auch müssen die Langzeit-Qualität der Produkte weiter verbessert und Qualitätsmängel schneller beseitigt werden. So hätte die Kulanz-Aktion für Motorschäden bei Frost eher kommen können.

"Je früher dieser Schritt gekommen wäre, desto besser wäre es gewesen - auch um Irritationen bei den Kunden zu vermeiden." Allerdings räumte Lamlé ein, dass auch einige Händler nicht wie nötig auf die Probleme der Kunden reagiert hätten.

Lediglich für die von VW-Chef Bernd Pischetsrieder ausgegebene Strategie der zwei Markenfamilien fand der Verbandssprecher lobende Worte. Es sei sehr vernünftig, bei den Modellen die Differenzierung zu fördern und gleichzeitig zu vermeiden, dass sich die Händler gegenseitig behindern.

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