EC-Karte "Das Thema ist noch nicht durch"

Verwirrspiel um die EC-Karte - während die Sparkassen sie beerdigen wollen, lebt sie woanders munter weiter.

Frankfurt/Main - Das Zeitalter der EC-Karte geht zu Ende. Millionen Bundesbürger erhalten bis zum Jahresende neue Plastikkarten, auf denen das 1968 eingeführte Symbol erstmals fehlt. Für zahlreiche Verbraucher und Händler kommt die Umstellung auf die neue Maestro-Karte überraschend.

"Es gibt keinerlei Grund, das EC-Symbol noch drauf zu haben", erklärt Stefan Marotzke vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Berlin. Mit dem Wegfall der EC-Garantie zum Jahresende 2001 habe das vertraute Logo ohnehin seine Bedeutung verloren. Allein die Sparkassen wollen bis zum Jahresende rund 20 Millionen Karten an ihre Kunden ausgeben, die auf der Frontseite nur noch das rot-blaue Maestro-Symbol zeigen.

Auch von den neuen Karten der Dresdner Bank ist das EC-Zeichen verschwunden. "Bei uns ist die Umstellung auf die Maestro-Karte im vollen Gange", erklärt ein Sprecher der Großbank in Frankfurt. Doch nicht überall in der Kreditwirtschaft ist man so mutig, mit gutem Grund.

Eingeführte Marke mit hohem Wiedererkennungswert

Für die Bundesbürger ist die EC-Karte zum ständigen Begleiter geworden, spätestens seit Kreditwirtschaft und Handel durch Electronic Cash und Lastschriftverfahren die Einsatzmöglichkeiten nochmals deutlich ausgebaut haben. Es gibt kaum eine Bank, Geschäft oder Tankstelle, auf deren Eingangstür das EC-Logo fehlt. Die EC-Karte sei eine eingeführte Marke mit entsprechend hohem Wiedererkennungswert, räumt Jens Walter vom Bundesverband deutscher Banken ein.

Dennoch hat die europäische Kreditwirtschaft sich darauf geeinigt, dass Ende 2004 mit der EC-Karte endgültig Schluss sein soll. In der breiten Öffentlichkeit blieb dieser Beschluss weitgehend unbekannt. Man könne ein Markenzeichen wie das EC-Logo nicht "heimlich, still und leise verschwinden lassen", kritisiert Maren Geisler, Bankexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen: "Es wäre kundenfreundlich, wenn die Banken hier Aufklärung betreiben würden."

Doch vor einer teueren Werbekampagne, die über Sinn und Möglichkeiten des Maestro-Systems aufklären könnte, scheut die Kreditwirtschaft offenkundig zurück. Stattdessen haben sich zahlreiche Kreditinstitute dazu entschlossen, das EC-Logo in leicht veränderter Form weiter auf die Frontseite ihrer Karten zu drucken.

So will die Deutsche Bank  bis Ende 2004 an dem vertrauten Symbol festhalten. "Im Sinne der Kunden und der Akzeptanz der EC-Karte haben wir uns für eine Umstellung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden", erklärt Banksprecher Michael Lermer. Auch die HypoVereinsbank (HVB)  mag ihren Kunden das EC-Logo vorerst nicht nehmen.

Handel riet von Umstellung ab

"Das Maestro-Symbol ist kaum bekannt", räumt ein Sprecher der HVB ein. "Für die meisten ist das eine EC- und keine Maestro-Karte." Desgleichen bleibt das EC-Logo bei den Karten der deutschen Genossenschaftsbanken bis auf weiteres auf der Frontseite.

Die Situation, dass künftig Plastikgeld mit und ohne EC-Logo im Umlauf sein wird, könnte an den rund 700.000 deutschen Einzelhandelskassen für Verwirrung sorgen. "Wir als Handel haben den Banken davon abgeraten", sagt Stefan Schneider, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Hauptverband des deutschen Einzelhandels, mit Blick auf die Abkehr vom EC-Logo.

Zwar habe der Sparkassenverband die 100 größten Filialunternehmen über die bevorstehende Umstellung informiert. Inwieweit das Wissen aber auch bei kleineren Unternehmen angekommen sei, lasse sich kaum abschätzen, erklärt Schneider: "Es sieht so aus, als ob das Thema noch nicht durch ist."

Guido Rijkhoek, AP