Banken "Die Aussichten bleiben düster"

Das Jahr 2002 stellte viele deutsche Finanzkonzerne auf eine harte Probe, aber das Zittern ist noch nicht vorüber. Nach Einschätzung zahlreicher Fachleute wird auch 2003 für viele Institute problematisch.

Frankfurt/München - Die deutschen Großbanken müssen im kommenden Jahr mit unverändert schwierigen Marktbedingungen rechnen. Nach Ansicht von Analysten wird sich 2003 auf der Markt- und damit der Ertragsseite der Banken kaum eine Belebung einstellen.

"Die Ertragsaussichten bleiben düster", summiert Jörn Kissenkötter von M.M. Warburg. Auf der Kostenseite sei zwar mit positiven Nachrichten zu rechnen, aber dies sei auch der einzige Hebel, den die Institute angesichts der schwachen Marktlage noch bewegen könnten.

Gute Noten für die Deutsche Bank

Am optimistischsten sind noch die Äußerungen zur Deutschen Bank . Die Analysten von Sal. Oppenheim stuften die Aktien des Instituts unlängst auf "Outperformer" herauf und begründeten dies mit einer erwarteten Ertragssteigerung von drei Prozent.

Sie erwarten eine Kostenreduzierung um 17 Prozent und eine um sieben Prozent geringere Risikovorsorge. Hieraus errechnen sie zwar eine Verdreifachung der operativen Gewinne 2003, verweisen aber auf das geringe Ausgangsniveau. Dennoch sei die Hebelwirkung größer als bei den anderen Wettbewerbern.

Düstere Prognosen für Commerzbank und HVB

Für die Commerzbank  und die HypoVereinsbank (HVB)  fallen die Prognosen düsterer aus: Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin befürchtet bei den Instituten weitere negative Nachrichten. Für die Aktien beider Banken sieht er keine nachhaltigen Kursgewinne. Sein Votum für beide Titel lautet daher auf "Reduzieren".

Generell rechnet Plenk für 2003 infolge der Restrukturierungen der Banken ebenfalls mit weiteren positiven Auswirkungen auf der Kostenseite. Die Ertragsseite dürfte aber schwach bleiben, sagt er. Bei der Risikovorsorge sei keine spürbare Entlastung zu erwarten.

Stellenabbau geht weiter

Die Aktie der Deutschen Bank  rät der Analyst zu "akkumulieren". Das Institut sei mit den Kostenreduzierungen am weitesten vorangeschritten und weniger abhängig vom Geschäft in Deutschland. Deren Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann hatte sich zuversichtlich gezeigt, für 2002 ein zufrieden stellendes Ergebnis auszuweisen.

Mit ihrem Einsparziel von zwei Milliarden Euro jährlich bis Ende 2003 kommt die Bank nach eigenen Angaben schneller als geplant voran. Positiv wird von Analysten der Verkauf von Beteiligungen und Randgeschäften gewertet: "Hier werden Ankündigungen konsequent umgesetzt."

Institute prüfen weiteren Stellenabbau

Die HVB, die im zweiten Quartal 2002 erstmals in ihrer Geschichte operativ rote Zahlen schrieb, wies im dritten Quartal infolge einer stark aufgestockten Risikovorsorge einen höher als von Analysten erwarteten Vorsteuerverlust von 447 (plus 94) Millionen Euro aus.

Der designierte Vorstandssprecher Dieter Rampl kündigte daraufhin neue Maßnahmen zur Senkung der Kosten an und schloss einen weiteren Stellenabbau nicht aus. Die HVB will ihren Verwaltungsaufwand 2003 unter sieben Milliarden Euro drücken. Offen ließ Rampl, ob die Bank 2002 einen Gewinn oder Verlust ausweisen und eine Dividende zahlen wird.

Die Commerzbank ließ nach einem überraschend hohen Quartalsverlust vor Steuern von 133 (279) Millionen Euro den Ausblick auf das Gesamtjahr ebenfalls offen. Der Verlust resultierte vor allem aus Abschreibungen auf Beteiligungen und Wertpapiere.

Das Institut will im Rahmen der jüngsten Kostenoffensive den Sparkurs forcieren und die Kostenbasis bis 2004 auf 4,5 Milliarden Euro reduzieren. Ein weiterer Stellenabbau wurde ebenfalls nicht ausgeschlossen. Auch die Dividende für 2002 wurde in Frage gestellt.

Die Dresdner Bank trug im dritten Quartal mit 972 Millionen Euro zum Verlust des Münchener Allianz-Konzerns  bei. Die Bank weist seit dem Frühjahr 2001 operative Verluste aus, will aber mit Hilfe des Turnaround-Programmes ab dem kommenden Jahr wieder in die Profitabilität zurückkehren.

Die Folgen der Skandale

Druck droht den deutschen Banken auch von anderer Seite. Sie müssen nach dem Vergleich zwischen der US-Börsenaufsicht (SEC) und mehreren Investmentbanken im Zusammenhang mit angeblich irreführenden Analysten-Empfehlungen mit einer strikteren Regulierung rechnen. Europäische Aufsichtsbehörden prüfen bereits die Auswirkungen des Vergleichsergebnisses und erwägen strengere Vorschriften.

Nach monatelangen Verhandlungen hatten am Freitag zehn Wall Street-Banken der Zahlung von insgesamt 1,4 Milliarden Dollar zugestimmt. Die Institute sicherten außerdem zu, künftig für eine klarere Trennung zwischen dem Bereich Aktienanalyse und dem Emissionsgeschäft zu sorgen.

US-Vergleich als Vorbild für Europa?

Obwohl die Prüfungen der SEC nicht auf Europa ausgeweitet wurden, wollen nun auch mehrere europäische Aufsichtsbehörden nach eigenen Angaben den US-Vergleich studieren und selbst mögliches Fehlverhalten von europäischen Banken prüfen. So wird zum Beispiel die britische Finanzdienstleistungsbehörde nach eigenen Angaben den Vergleich bei ihrer derzeitigen Prüfung der Analysten-Abteilungen der britischen Banken berücksichtigen.

Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) teilte mit, dass sie den US-Vergleich mit Interesse durchsehen werde. Die Europäische Kommission hat bereits ein Expertengremium eingerichtet, das die Arbeiten von Finanzexperten unter die Lupe nehmen soll. Dieses Gremium soll insbesondere untersuchen, wie vor dem Hintergrund bestimmter Interessenkonflikte unabhängige Expertenanalysen sichergestellt werden können.

Schweiz will Verhaltenskodex verabschieden

Schon in in Kürze soll in der Schweiz ein selbst auferlegter Verhaltenskodex verabschiedet werden. Er soll sicherstellen, dass "die Finanzanalyse in der Schweiz weiterhin unabhängig und glaubwürdig bleibt", teilte die schweizerische Bankenvereinigung mit.

Die Vorschläge schließen den Angaben zufolge eine Trennung der Analyse von anderen Bankaktivitäten ein. Außerdem sollte es den Analysten untersagt werden, in Unternehmen zu investieren, über die sie berichten.

F. Palgrave und C. Streckert, vwd / Reuters

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