Porsche 2003 "Geht nicht gibt's nicht"

Mit dem Geländewagen "Cayenne" betritt Vorstandschef Wendelin Wiedeking Neuland. Lassen sich die hohen Margen halten, wohin steuert Porsche in 2003? Analysten antworten im letzten Teil der mm.de-Serie.

Hamburg - "Wer braucht eigentlich einen Porsche?", fragt Wendelin Wiedeking die Journalistenschar bei der Vorstellung des Offroaders "Cayenne". "Eigentlich niemand!", schickt er die Antwort mit einem verschmitzten Lächeln gleich hinterher. Es sind Auftritte wie diese, mit denen der Porsche-Chef immer wieder die Sympathien auf seine Seite zieht.

Menschen, die für ein Auto viel Geld ausgeben, wollten von ihrer Umwelt dafür bewundert werden – und nicht verachtet, hat Wiedeking einmal erklärt. Das ist dem 50-Jährigen mit Bravour gelungen. Der Sportwagenbauer ist heute Mythos und Statussymbol zugleich, aber mit breiter gesellschaftlicher Akzeptanz. Dies ist vielleicht das eigentliche Erfolgsgeheimnis der Marke Porsche.

Kostenprobleme, mit denen die meisten großfusionierten Autobauer kämpfen, kennt Porsche  nicht. Die Edelschmiede in Zuffenhausen ist der profitabelste Automobilhersteller der Welt, die Herausforderung für Porsche-Lenker Wiedeking im kommenden Jahr eine ganz andere.

Mit dem Geländewagen "Cayenne" beginnt für den Sportwagenhersteller eine neue Zeitrechnung. Der Luxus-Offroader ist für das Unternehmen eine großer Hoffnungsträger und eine Nagelprobe zugleich, soll er doch Umsatz und Absatz auf neue Höchstwerte katapultieren, den Gewinn weiter steigern und erste Absatzschwächen des 911er mehr als ausbügeln.

Welchen Stellenwert der Erfolg des "Cayenne" für Wiedeking hat, schließen Experten auch daraus, dass der Porsche-Chef vorerst keinen Gedanken an eine vierte Modellreihe verschwenden will. Mit einer Erweiterung der Angebotspalette sei in den nächsten vier Jahren nicht zu rechnen, heißt es.

Derzeit aber braucht sich Wiedeking keine grauen Haare wachsen lassen. Die erste Jahresproduktion des "Cayenne" von 25.000 Einheiten ist bereits verkauft. Weltweit warten 100.000 Interessenten auf das bis zu 100.000 Euro teure Spaßfahrzeug.

Vor diesem Hintergrund zweifelt auch keiner der von manager-magazin.de befragten Analysten, dass der "Cayenne" sich gut verkaufen wird. "Das Segment SUV (Sports Utilities Vehicles), in das auch der Touareg von Volkswagen vorstößt, wächst im Vergleich zu allen anderen Autoklassen am stärksten", unterstreicht Robert Heberger von Merck Finck. Der Markt für Geländewagen – nicht nur in Amerika – sei noch nicht gesättigt. Ab kommenden März wird der "Cayenne" auch in den USA verkauft. 15.000 Einheiten will Porsche hier pro anno absetzen.

Lassen sich die hohen Margen halten?

Markt für Geländewagen noch nicht gesättigt

In Nordamerika, dem wichtigsten Absatzmarkt für Porsche, hat das Unternehmen im November neun Prozent weniger Fahrzeuge verkauft. "Deshalb kommt der Cayenne jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Von den Stückzahlen her werde das neue Zugpferd erste Ermüdungszeichen des 911er und des Boxster auf dem amerikanischen Markt überkompensieren können. "Die Schlüsselfrage ist allerdings, wie groß die Gewinnbeiträge der einzelnen Baureihen sind, und ob man auf der Ertragsseite ebenfalls eine Kompensation erzielen kann", sagt Pieper.

Ertragszuwächse von bis zu 70 Prozent wie im abgelaufenen Geschäftsjahr hält der Analyst in Zukunft für unwahrscheinlich, zumal Porsche seinerzeit von einer niedrigen Steuerbelastung profitiert hatte. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Pieper beim Ergebnis eher mit einer Wachstumsrate von zehn Prozent und liegt damit am unteren Rand der Analystenschätzungen.

Lassen sich die hohen Margen halten?

Vor allem dank des "Cayenne" dürfte Porsche nach Einschätzung von Robert Pottmann zumindest auch die kommenden zwei Jahre Rekordgewinne erwirtschaften. Allerdings sieht der Experte von M. M Warburg längerfristig Probleme, sollte etwa der Absatz nach der Einführung einer vierten Modellreihe in der Region von 100.000 Fahrzeugen liegen.

Die derzeit extrem hohen Margen und die hohe Profitabilität seien dann kaum mehr zu halten. Auch das klare Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland, könnte sich im Falle einer nachhaltigen Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar als Nachteil erweisen.

Wirklich verwundern dürfte es die Fachwelt allerdings nicht, sollte Wendelin "Wunderkind" auch in fünf Jahren noch mit Rekordgewinnen auftrumpfen. Stand Porsche 1992 nach einer falschen Modellpolitik, Familienzwistigkeiten und zu hoher Kosten nahe dem Abgrund, trimmte Wiedeking das Unternehmen in den Folgejahren unnachgiebig auf Erfolgskurs.

"Geht nicht gibt's nicht", schrieb er etwa seinen Verkaufsprofis ins Stammbuch, als sie vor dem Start des Boxster am gleichen Absatzerfolg wie beim 911er zweifelten. Der Vorstandschef irrte nicht. Der Boxster bescherte Porsche satte Gewinne. Kenner des Unternehmens halten es auch für sehr unwahrscheinlich, dass Wiedeking in Zukunft nicht mehr mit dem eisernen Besen durch die Produktionshallen fegen wird.

Die Aktionäre werden es ihm danken. Die Anleger der ersten Stunde haben ohnehin allen Grund zum Jubeln: Seit dem Sommer im Krisenjahr 1992 stieg die Aktie  um mehr als 1700 Prozent.

Weiter zu: BMW vs. Mercedes - das Duell der Giganten


Dienstwagen-Spezial: Der Fetisch-Faktor mm-Serie: Wo Deutschland Spitze ist - und wo nicht
Zurück zur Einleitung: Automobilindustrie 2003

Verwandte Artikel